„MaulArt“ begeistert im Bocksaal

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Geniale Spassmacher bei einem brillanten Sktech: Wolfgang Engelberger (links) und Siege Schock.
Geniale Spassmacher bei einem brillanten Sktech: Wolfgang Engelberger (links) und Siege Schock. (Foto: Lilli Schneider)
Schwäbische Zeitung
Rolf Schneider

Was ist der Schwabe? Gottes schönste Gabe – schon klar. Vor allem aber ist er zumeist eher einsilbig, was mit dem Begriff „maulfaul“ treffender bezeichnet ist, weshalb der Gruppenname „MaulArt“ verwirrend wirkt – und dennoch höchst zutreffend ist, denn was die Gruppe am Freitagabend im Bocksaal präsentierte, verdiente die künstlerische Haltungsnote zehn.

Bereits das Intro über Liebe auf den ersten Blick traf ins Schwarze, denn dieser emotionale Ausnahmezustand ist zumindest in diesem, unserem Gäu ein seltenes Pflänzchen, zumindest wenn es sich bei den handelnden Personen um Aborigines handelt. Ingrid Koch, das feminine Viertel des MaulArt-Quartetts, kennt die emotionale Trägheit der Eingeborenen beim Flirt („Wer it will, hot scho ghett“).

Couplet über aufwallende Gefühle

Ihre Mitstreiter Wolfgang Engelberger und Siege Schock dahingegen sehen die Chose optimistischer und besingen in einem mitreißenden Couplet die Allmacht der aufwallenden Gefühle: „Es war zwar Liebe erst auf den zweiten Blick, dann hot’s aber gschnackelt und seitdem gibt es koi zurück.“

Es hat sehr schnell gschnackelt am Freitagabend zwischen Publikum und Künstlern im nicht ganz ausverkauften Bocksaal, alldieweil die vier von der Schwankstelle bei ihrem „Larifari“-Auftritt einen gar weiten Bogen spannten, dessen Grundtendenz auf einen einfachen Nenner zu bringen war: „Wenn’s ums Verrecka gar it basst, dann wird’s halt bassend gemacht.“

Was den Maulartisten offensichtlich so gar nicht passt, das sind die Malaisen des Alters („Wenn auf der Schtroß a Fuchzgerle liegt, kann i mi nemme bucka“), über die auch Lebensabendratgeber-Tipps der „Rentner-Bravo“ (vulgo Apotheken-Umschau) nur unzureichend hinweg helfen.

Auch Sottisen über die Inanspruchnahme der vermeintlich sinnentleerten Ruheständler durch ihre Ehefrauen stießen – dem Beifallsaufkommen nach zu schließen – auf begeisterte Zustimmung: „Wenn de heit auf dem Markt bisch, frogt di oiner: Was machsch au so da ganza Dag? Dem verheirateten schwäbischen Rentner stellt sich diese Frage nicht.“

Und was macht das MaulArt-Quartett so einen ganzen Abend lang? Überdurchschnittlich witzige Unterhaltung mit der doppelten Menge der herkömmlichen Portion Tiefgange, was vom Umgang mit dem neuen Smartphone bis zu Exkursionen über die Möglichkeiten der zeitgemäßen Internet-Partnersuche per Parship reicht. Günther Bretzel, der mit nahezu angelsächsischem Understatement beste Gags lässig en passant ins Publikum streute, brachte es auf einen simplen Nenner: „Do derfsch koi Depp sei!“

Gags mit Finessen

Nein, ein Depp weilt beileibe nicht unter den Vieren. Weder Frontfrau Ingrid Koch, die von der eigenen Beerdigung träumt, noch Multitalent Wolfgang Engelberger, geschweige denn der aus Altann („nicht gerade am Arsch der Welt, aber man sieht ihn von do aus recht gut“) stammende Siege Schock mit seiner köstlichen Dylan-Adaption „Nackat am Frauator“ und der glänzenden Elvis-Abwandlung von „Shook it up.“

Man muss Schwabe sein und genau zuhören, um die Finessen so manch exzellenten Gags mitzukriegen und das typisch Schwäbisch-Verdruckte halt auch. Symptomatisch für den augenzwinkernden Humor war Engelbergers Antwort auf den – rauschenden und langhaltenden – Schlussapplaus: „Danke für dieses schöne Geräusch!“ Nix zu danken. Es hot wirklich alles basst.

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