In Wangen wurde ein Mann aus Gambia verurteilt.
In Wangen wurde ein Mann aus Gambia verurteilt. (Foto: Archiv)
Vera Stiller

Das Schöffengericht in Wangen hielt es am Dienstag für erwiesen, dass ein 22-jähriger Gambier Marihuana an einen Minderjährigen abgegeben hat. 

Alles Leugnen nutzte nichts. Das Schöffengericht in Wangen hielt es am Dienstag für erwiesen an, dass ein 22-jähriger Mann aus Gambia, der in einer Leutkircher Flüchtlingsunterkunft wohnt, Marihuana an einen Minderjährigen abgegeben hat. „Es macht keinen Sinn, alles abzustreiten“, hielt der Richter dem Angeklagten vor. Ein Jahr Haft, zur Bewährung ausgesetzt, wurde verhängt.

„Ich hatte ihn zuvor schon auf dem Fußballplatz gesehen. Als ich hörte, dass man in der Asylunterkunft Gras bekommt, nahm ich über Facebook mit ihm Kontakt auf. Ich ging dann in das Heim und erhielt für 20 Euro zwei kleine Plomben, die in Zellophan eingepackt waren“, sagte der Zeuge aus. Von ihm war auch zu hören, dass dies sein erster Kontakt mit einem Rauschmittel gewesen sei. Der heute 17-Jährige nannte die gleich nach dem Kauf ausprobierte Wirkung des mit Tabak vermischten Marihuanas „müde und durstig machend“.

Von all dem wollte der Beschuldigte nichts wissen. Er behauptete steif und fest, den jungen Mann gar nicht zu kennen. Überhaupt sei es ihm schleierhaft, wie es überhaupt zu dieser Anklage gekommen sei. Er besitze weder Betäubungsmittel noch habe er jemals welche verkauft. Und selber konsumieren würde er schon gar nicht. Er sei schließlich Fußballer, „da wäre das nicht so gut“. So die von der Dolmetscherin vom Englischen ins Deutsche übersetzte Aussage.

Viele belastende Indizien

Der Vorhalt des Richters, der bei ihm vorgenommene Drogenschnelltest sei positiv gewesen, rührte den Angeklagten genauso wenig wie alle anderen aufgezählten Indizien: Auffinden von verdächtigem Verpackungsmaterial im Schrank und dreier drei Handys, „die in Richtung Drogenverkauf zielen“, das Foto des Zeugen auf dem Facebook-Account des Gambiers. Auch ein Geldbetrag von 155 Euro in kleinen Stückelungen kam zur Sprache.

Ein weiterer – volljähriger – Zeuge, der ebenfalls von dem Angeklagten Marihuana bezogen haben soll, war zum Termin nicht erschienen. Nachdem die Anordnung des „polizeilichen Vorführens“ keinen Erfolg hatte, wurde dieser Anklagepunkt eingestellt. Der Mann wurde wegen seines Fehlens mit einer Ordnungsstrafe von 100 Euro belegt.

Hatte der Staatsanwalt noch sechs Monate Haft für „tat- und schuldangemessen“ gehalten, so fiel das Urteil schließlich doppelt so hoch aus. Das Gericht erkannte zwar wegen der kleinen Marihuana-Menge und dem dafür geringen erzielten Kaufpreis nur auf eine „Abgabe“ und nicht auf einen „Handel“. Die verhängte Freiheitsstrafe von einem Jahr wurde aber so begründet: „Der Beklagte hat es in Kauf genommen, einen minderjährigen Erstkonsumenten mit Rauschmittel zu versorgen.“

Auch wenn er aus einem anderen Kulturkreis käme, so hätte der Asylbewerber, der im August 2014 über Italien nach Deutschland gelangt war, dennoch sehen müssen, „es hier mit einem Jugendlichen zu tun zu haben“. Neben dieser „Mindestfreiheitsstrafe“, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, muss der 22-Jährige 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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