Mahnung zum Frieden und gegen das Vergessen

Lesedauer: 5 Min
 Es fand eine Totenehrung am Kriegerdenkmal mit Ansprache von Oberst i.R. August Schuler statt.
Es fand eine Totenehrung am Kriegerdenkmal mit Ansprache von Oberst i.R. August Schuler statt. (Foto: Göppel)
Schwäbische Zeitung

Sie ist ein eindrucksvolles Großereignis und ein ergreifendes Zeugnis für den Frieden: Die Michaeli-Wallfahrt in Maria Steinbach. Heuer jährte sich die Gedenkfeier bereits zum 170. Mal.

Angeführt von Würdenträgern aus Gesellschaft, Politik und Kirche zogen laut einem Bericht rund 1000 Teilnehmer aus 85 Vereinen mit ihren Fahnenabordnungen und begleitet von vier Musikkapellen – aus Diepoldshofen, Illerbeuren-Kronburg, Rottum und Zell - in einem imposanten Zug zur Wallfahrtskirche hinauf.

Unter ihnen auch der 95-jährige Matthäus Spieß aus Waltershofen. Mit flottem Schritt marschierte der Veteran als Erster hinter seiner Vereinsfahne und später versicherte er: „Michaeli in Steinbach, das ist für mich eine Pflicht.“ Seine Kriegszeit in Russland sei von Schrecken und extremem Hunger geprägt gewesen, aber heute gehe es ihm gut. Dafür sei er dankbar, betont der Schwabe und ergänzte: „I möcht‘ scho no a paar Mol uf Stoibach komme.“

Auch Anton Vogt aus Ferthofen kommt jedes Jahr nach Maria Steinbach. Seine Kraft schöpfte und schöpfe er aus „Glaube, Liebe und Hoffnung“, erzählt der knapp 96-Jährige, der als junger Bursche in den Kaukasus eingezogen und bereits als 19-Jähriger schwer verwundet wurde und später über 50 Jahre lang als Mesner gewirkt hat. Beim Kirchzug mitgehen ist Vogt nicht mehr möglich, aber dabei sein ist für ihn selbstverständlich und so sitzt er bereits in der Wallfahrtskirche, als der Gedenkgottesdienst beginnt, den Diözesanadministrator Bertram Meier aus Augsburg hält.

Der Prälat zeigte sich beeindruckt von der Dimension der Michaeli-Wallfahrt mit Teilnehmern aus weiter Distanz und nannte sie „ein Glaubenszeugnis auch nach außen.“ In seiner Ansprache thematisierte er das Christsein im 21. Jahrhundert und fragte: „Hat das Christentum eine Chance oder sind wir ein Auslaufmodell?“ Meier nannte drei Elemente, die das Christsein auszeichnen: Stehen zum Herrn, Gehen mit dem Herrn und Knien vor dem Herrn. „In einer Zeit, in der dumpfe und dunkle Töne der Ausgrenzung formuliert werden“, gelte es, als Christen für die Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen einzustehen und den Frieden zu wahren und ihm zu dienen.

Zu oft schon seien Kriege auch im Namen des Herrn geführt worden, doch es habe dabei nur Verlierer und viel Leid gegeben. Deshalb heiße es, auf seine Gefühle zu achten, denn sie würden zu Gedanken, Haltung, Worten und schließlich zu Taten. „Mit dem Herrn gehen und Dienst am Frieden“ bedeutet für Meier auch die Diskussion über die Erneuerung und Reform der Kirche, die von unten nach oben erfolgen müsse und die Tatsache, dass „die Frauen mitten hinein in unsere Kirche gehören.“

Für Oberst i.R. August Schuler (Landtagsabgeordneter Baden-Württemberg), der die Ansprache beim Totengedenken am Ehrenmal hielt, ist die Michaeli-Feier „eine Mahnung gegen das Vergessen.“ Er appellierte, sich stets für die Bewahrung des Friedens einzusetzen und lobte die Bundeswehr. Seit 65 Jahren leisteten sie mit ihrem Dienst ein großes und starkes Symbol für Sicherheit, Frieden, Freiheit und Demokratie. „Soldat und Christ sein ist vereinbar“, betonte Schuler und nannte als Vorbild den Heiligen Nikolaus von der Flüe, den Friedensstifter aus der Schweiz.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen