Leutkircher wird landesweit jüngster Bürgermeister

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Michael Salomo wird demnächst Baden-Württembergs jüngster Bürgermeister. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung
Teresa Winter

Als Michael Salomo mit 16 Jahren von Leutkirch nach Köln gezogen ist, um dort eine Ausbildung zu beginnen, dachte er nicht daran, einmal der jüngste Bürgermeister in Baden-Württemberg zu werden. Neun Jahre später, am 27.Oktober, wurde er schließlich zum Oberhaupt der 5000-Seelen-Gemeinde Haßmersheim im Neckar-Odenwald-Kreis gewählt. „Ich wäre nie darauf gekommen, einmal Bürgermeister zu werden, wenn ich nicht darauf angesprochen worden wäre“, erzählt der 25-Jährige.

Denn beim Neujahrsempfang der Landeshauptstadt Stuttgart kam der frühere Erste Bürgermeister von Stuttgart, Gerhard Lang, auf Salomo zu, um ihn auf das Bürgermeisteramt aufmerksam zu machen. „Er sagte, ich hätte die Qualifikation dazu“, erinnert sich Salomo. „Ich habe nur herzlich gelacht.“ Er fing an, Seminare von aktiven Bürgermeistern zu besuchen, und sich umzuschauen, nach Gemeinden in Baden-Württemberg, bei denen Bürgermeisterwahlen anstanden. „Das Problem war dabei, dass man in Baden-Württemberg erst mit 25 Jahren Bürgermeister werden darf, und weil ich damals erst 24 war, musste ich Gemeinden suchen, die nach meinem Geburtstag wählten“, sagt Salomo.

Bei drei Gemeinden wurde er schließlich fündig. „Ich habe mir dann die Gemeinderatsprotokolle und die Haushaltspläne der vergangenen fünf Jahre von allen drei Gemeinden angesehen. Und Haßmersheim hatte mit Abstand das größte Potenzial mit relativ wenig Geld, viel umzusetzen“, fährt er fort.

Es folgte ein Blitzwahlkampf. „Ich hatte sechs Wochen für alles Zeit und meine Behörde durfte nichts mitbekommen“, sagt Salomo. Es wurden Flyer gestaltet und Visitenkarten gedruckt. Salomo machte Hausbesuche, ging zu Gottesdiensten, auf Sportveranstaltungen und Gemeindefeiern. „Von 8 Uhr morgens bis 3Uhr nachts ging ein normaler Wahlkampftag. Da weiß man irgendwann nicht mehr, wann Freitag oder Samstag ist“, blickt er zurück.

Doch es habe sich gelohnt. Das zeigte auch das Wahlergebnis. Salomo erreichte 54,03 Prozent, sein Gegenkandidat, der amtierende Haßmersheimer Bürgermeister – seit 24Jahren im Amt und dienstältester Bürgermeister im Landkreis – 44,25Prozent. „Als das Wahlergebnis bekannt war, hat mir der stellevertretende Ministerpräsident Nils Schmid gratuliert“, so Salomo. Knapp 350 Bürger waren bei der Wahlergebnisverkündung vor Ort. Darunter auch Salomos Mutter, Opa, Oma, Onkel aus Winterstetten und sein Lebensgefährte. „Alle haben gejubelt. Mein Opa hat gesagt, das war wie im Fußballstadion“, erzählt der 25-Jährige.

Geboren wurde Salomo am 13.September 1988 in Isny. Aufgewachsen ist er in Leutkirch. Er besuchte die Grundschule Oberer Graben und die Realschule. „Raymund Praschak war mein Lehrer in der Grundschule“, erinnert sich der 25-Jährige. „Nach meinem Abschluss 2005 habe ich mich bundesweit bei Behörden beworben“, sagt Salomo. Beim Bundesverwaltungsamt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Inneren in Köln machte er daraufhin eine Ausbildung zum Regierungssekretär. „Ich bin mit 16Jahren alleine nach Köln in ein Wohnheim gezogen. Das war ’ne coole Zeit“, sagt er. Außerdem trat Salomo mit 16 Jahren in den Leutkircher SPD-Ortsverein ein.

Nach seiner Ausbildung wechselte er 2007 zum Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg. Dort war er für die Sicherheitsüberprüfung zuständig. „Ich wollte wieder näher an meiner Heimat sein, deshalb bin ich nach Stuttgart gegangen“, sagt er.

Als seine Urgroßmutter in Winterstetten 2008 schwer erkrankte, zog er zurück nach Leutkirch, um sie zu pflegen. Er absolvierte eine Ausbildung zum Rettungssanitäter in Wangen und arbeitete zwei Jahre in diesem Beruf. „Dabei habe ich sehr viel Menschlichkeit gelernt“, sagt Salomo. 2011 zog es ihn dann wieder nach Stuttgart. Als Zollbeamter bei der Bundesfinanzverwaltung kämpft er derzeit immer noch gegen illegale Beschäftigung. Am 12. Januar wird er in sein Bürgermeisteramt in Haßmersheim eingeführt.

Während seiner Zeit in Stuttgart ließ sich Salomo als Jugend- und Auszubildendenvertreter aufstellen. Als Fraktionssprecher für die Gewerkschaft Verdi vertritt er 2500 Jugendliche. Außerdem ist er Mitglied im Vorstand der Bundesfachkommission der Bundesfinanzverwaltung, des Landesbeamtenausschuss Baden-Württemberg und des Jugendausschuss Baden-Württemberg. „Weil ich mich auf meinem Posten beim Zoll bewährt habe, wurden mir die Ämter angeboten“, sagt der 25-Jährige. Wenn er Bürgermeister ist, fallen fast alle Ämter weg. „Nur im Landesbeamtenausschuss bleib ich noch“, erklärt Salomo. Dafür habe er als Bürgermeister andere Posten. „Außerdem geht das zeitlich alles gar nicht.“

Seiner Zeit als Bürgermeister fiebert Salomo bereits entgegen. „Ich weiß, dass es eine Herausforderung wird, ich habe auch Respekt davor, aber ich freue mich sehr auf diese Aufgabe“, sagt er. Für seinen neuen Job wird Salomo von Stuttgart nach Haßmersheim ziehen. „Ich habe bereits drei Bauplätze angeboten bekommen.“ Auch in Leutkirch wird Salomo weiterhin immer wieder sein. „Ich habe dort noch Familie und Schulfreunde, außerdem mein Hausarzt Dr. Rabuffetti“, sagt Salomo. Er gehe gerne durch die Leutkircher Innenstadt. „Ich schaue dann immer, was es neues gibt und neuerdings achte ich darauf, was ich bald in meiner Gemeinde davon umsetzen könnte.“

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