Leutkircher Musiker hat sich eine eigene Gitarre gebaut

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 Der Musiker mit seiner selbstgebauten Gitarre.
Der Musiker mit seiner selbstgebauten Gitarre. (Foto: Marco Müller)
Carmen Notz

Marco Müller ist Gitarrist aus Leidenschaft, das Spiel auf den Saiten sein Leben. Mit zwölf Jahren bekam er die lang ersehnte Gitarre, brachte sich das Spielen selber bei, lernte erst autodidakt, später im Studium. Er spielte in verschiedenen Bands, träumte davon, Musiker zu werden. Das hat sich schon lange erfüllt mit der Leutkircher Band „Die Propeller“, etlichen Konzerten und zwei CD-Aufnahmen. Der Traum, sich selber eine hochwertige Gitarre zu bauen, ist jetzt ebenfalls Wirklichkeit geworden.

Stolz zeigt Marco Müller seine nagelneue glänzende Gitarre. „Sie klingt wunderbar und es ist etwas ganz Besonderes, eine selbstgebaute Gitarre in den Händen zu halten“, schwärmt er, denn es stecken unzählige Stunden fachmännisch ausgeführte Holzarbeiten dahinter und noch mehr Geduld. Er hat alles zu Hause im Wohnzimmer gemacht, doch seit kurzem hat der Gitarrist einen Atelierraum im Leprosenhaus. Nach 30 Jahren Gitarrenspiel und in vielen Musik-Genres zu Hause, wagte sich Müller an den ersten Eigenbau einer Jazz-Gitarre im 30er-Jahre-Stil. Für den Boden wählte er Santos Palisander, für die Decke mit den geschwungenen F-Löchern eine Schweizer Alpenfichte, gewachsen an der Baumgrenze, bei der die Ringe sehr eng liegen.

Das Holz entscheidet mit über den Klang. Sehr aufwendig war es, die Rundung der Seiten nach eigens angefertigten Schablonen hinzubekommen. Mehrfach wird das Holz im Wasserdampf geschmeidig gemacht und vorsichtig immer weiter gebogen. „Ich habe jede Menge Fachliteratur gelesen und überlegt, wie ich es mache, sodass es für mich genau passt“, erinnert sich Müller an die vergangenen Monate. Ganz wichtig ist dabei auch die Rundung des Gitarrenhalses, der gut in der Hand liegen muss. Hier wählte Müller Cedro-Holz, ebenso für die Kopfplatte.

Als Veredelung hat er rotes Holz eingearbeitet. Es folgten die Bundstäbe aus Silber, auf denen die Saiten liegen, ebenso die Mechanik für sechs Saiten. Wenn der Gitarrenhals an den Holzklangkörper geleimt ist, nimmt die Gitarre erstmals Gestalt an. Etliche Schichten mit Schellack kommen auf den Gitarrenboden, damit die Maserung des Palisanderholzes gut herauskommt. Auch Decke und Hals werden lackiert. Zuletzt werden die Saiten eingespannt. Eine heikle Angelegenheit ist die Saitenlage und die Bespielbarkeit einzustellen. „Ein wunderbares Gefühl ist es, die ersten Klänge zu hören, die ersten Griffe zu spielen“, sagt der leidenschaftliche Gipsy-Jazz-Spieler, der jede Akkustikgitarre virtuos im Griff hat. Am liebsten spielt Müller europäischen Jazz, Gypsy Jazz, Latin, Rumba und Bossa Nova. Und jetzt noch viel lieber mit seiner selbst gebauten Gitarre. „Ich möchte zusammen mit meinen Bandkollegen Hardy Pfahl und Pit Fischer noch weitere Gitarren bauen. Das kann ich dann gut im Atelier im Leprosenhaus machen“, meint Müller mit einem Augenzwinkern.

Seine Band „Die Propeller“ ist seit zehn Jahren hauptsächlich in Süddeutschland, aber auch in anderen Ländern unterwegs, spielt Konzerte, bei Open-Airs und bereichert Events mit neuen und bekannten Stücken, frei improvisiert im eigenen Stil.

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