Leutkircher Ferienpark fehlt es an Kapital

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So sieht möglicherweise irgendwann die Autobahnausfahrt zu Center Parcs aus. (Foto: Montage: Alexander Nink)
Schwäbische Zeitung
Michael Loskarn
Redaktionsleiter

Es ist das Hoffnungsprojekt des westlichen Allgäus: knapp eine Viertelmilliarde Euro schwer, Arbeit über gut zwei Jahre für Handwerker der Region, nachhaltig bis zu 800 Arbeitsplätze sowie etwa eine Million Übernachtungen pro Jahr. Seit Ende des vergangenen Jahres sind die verwaltungstechnischen und rechtlichen Hürden genommen, der Weg zum Center Parc Allgäu ist eigentlich frei.

Eigentlich, denn derzeit fehlt es der eigens gegründeten Center Parcs Allgäu GmbH (CP) an Investoren, die tief in ihre Geldschränke greifen. Schließlich soll auf dem Gelände des ehemaligen Munitionsdepots im Urlauer Tann bei Leutkirch ein 240 Millionen Euro teurer Freizeitpark entstehen. Im Preis inbegriffen: ein Riesenspaßbad samt karibischem Ambiente und 800 bis 1000 Bungalows mit bis zu 5600 Betten. Außerdem sind neben Gastronomie auch umfangreiche Freizeit-, Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote geplant. Kernstück des Parks wird ein überdachter Zentralkomplex sein, der neben einem Schwimm- und Erlebnisbad mit tropischen Pflanzen auch zahlreiche Sport- und Spieleinrichtungen bietet.

Was vor knapp vier Jahren mit der aufmerksamen Zeitungslektüre und einem spitzbübisch-forschen Angebot des Oberbürgermeisters der Großen Kreisstadt Leutkirch, Hans-Jörg Henle, an das niederländische Freizeitunternehmen Center Parcs begann, ist bisher – zumindest verwaltungstechnisch – eine Erfolgsgeschichte. Und zwar über Ländergrenzen hinweg. Auch die bayerische Nachbargemeinde Altusried – knapp 30 der gut 180 Hektar des Geländes liegen auf weiß-blauer Gemarkung – samt Augsburger Regierungspräsidium halten den Mega-Spaßpark für einen Gewinn für die ländlich geprägte Region. Selbst die Landesregierungen von Baden-Württemberg und Bayern sagen Bürgschaften in Millionenhöhe zu.

Investitionssumme wird verringert

Etwa dreieinhalb Jahre nach Henles „Wir-haben-das-richtige-Gelände-für-Sie“ ist der Bebauungsplan genehmigt. Center Parcs hat somit die Rechtssicherheit, die nötig ist, um die Finanzierung zu stemmen. Allein, an dieser Finanzierung hapert es derzeit. Das ursprünglich für Frühjahr dieses Jahres avisierte Kampfmittelbeseitigungsteam ist nicht angerückt. Schließlich mache eine Beseitigung der militärischen Hinterlassenschaften im Tann erst Sinn, wenn die Finanzierung steht, lässt CP-Entwicklungsdirektor Jan Janssen im April wissen, nachdem die Öffentlichkeit erfahren hat, dass das Projekt von bisher veranschlagten 265 Millionen Euro Investitionssumme auf 240 Millionen Euro „optimiert“ worden ist.

Mit besseren wirtschaftlichen Renditechancen für Investoren begründet der Manager die verordnete Schlankheitskur. Ende April kündigt Janssen eine Realisierung der Finanzierung für Oktober an, jedoch „ohne Gewähr“. Erstmals scheint das finanztechnische Erfolgsmodell des blendende Bilanzen ausweisenden französischen Mutterkonzerns Pierre et Vacances (PV), die Hauptinvestitionslast über Privatpersonen oder Investmentfonds abzudecken, nicht sofort aufzugehen. Janssen spricht von der Finanzkrise in Europa, die alles verhagle, von gestiegenen Eigenkapitalquoten, die das Risiko der Investoren minimieren sollen. Erstmals denkt der Niederländer, der in Leutkirch seinen ersten Center Parc plant, laut darüber nach, dass sich sein eigenes Unternehmen in erweitertem Umfang in die Finanzierung einbringen könnte. Wenige Tage später wird er zurückgepfiffen: Zu Fragen der Finanzierung erteile PV keine näheren Auskünfte, lässt Janssen nach Rücksprache mit der Konzernleitung wissen.

Mitteilsamer ist dagegen OB Henle und stützt dadurch Janssens Ursprungsthese: „Vor der europäischen Banken- und Staatsschuldenkrise hat CP alle ihre Parks ohne Eigenkapital finanziert.“ Dies sei heute so kaum noch möglich. Aus diesem Grund gebe es bei CP auch Überlegungen, verstärkt Eigenkapital in dieses Projekt einzubringen. Klar ist, bisher hat das Unternehmen knapp neun Millionen Euro – inklusive Kaufpreis für das Gelände in Höhe von 2,2 Millionen Euro – ins Allgäuer Projekt gepumpt.

Eine „Spezialinvestition“

Schweigen herrscht derzeit auch in der regionalen Bankenwelt. Offizielle Statements zum Stand der Verhandlungen gibt keines der mittelständischen Kreditinstitute ab. Hinter vorgehaltener Hand äußern einige Vertreter dagegen Skepsis. Weil es sich um eine „Spezialinvestition“ handle, schätzen Banker die Kreditrisiken als hoch ein. Beispielsweise sei die Immobilie bei einer etwaigen Insolvenz schwer zu „verwerten“. Will heißen: Zwar ließen sich bei Eintreten des schlimmsten Falles Ferienhäuser vermarkten, der Hauptkomplex aber wohl eher nicht.

Die Optimisten unter den regionalen Finanzfachleuten sehen dagegen nach wie vor Chancen für das Projekt. Selbst vor dem Hintergrund, dass die Informationspolitik von Seiten PV in Richtung regionaler Banken „verbesserungswürdig“ sei, wie es ein Insider ausdrückt. Ein Konsortium aus Finanzinstituten der Region sei durchaus in der Lage, zumindest die Finanzierung der gut 800 Bungalows zu stemmen. Gespräche habe es gegeben – bisher aber noch ohne Ergebnis. Wichtig seien nun Vertrauen in Pierre et Vacances, in Jan Janssen sowie ins Hoffnungsprojekt an sich.

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