Leutkircher Bank feiert 150. Geburtstag

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Finale einer rasanten Zeitreise - die Mitglieder von Joy of Voice bei der Gala der Leutkircher Bank in der Festhalle.
Sinnbild für das Lebensgefühl der späten 60er-Jahre: das Musical „Hair“. Joy of Voice bot beim Galaabend der Leutkircher Bank eine rasante Bühnenshow in der Festhalle. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung
Sabine Centner

150 Jahre Leutkircher Bank: Mit einer festlichen Gala samt rasanter Bühnenshow hat die Genossenschaftsbank am Montagabend ihren runden Geburtstag gefeiert. Rund 250 Gäste waren zum Jubiläumsabend in die Festhalle geladen – Mitglieder, Kunden, Vertreter anderer Bankinstitute, aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Sie alle erlebten eine kurzweilige Zeitreise durch 150Jahre Bankgeschichte, musikalisch aufbereitet durch die Aitracher Gesang- und Bühnenschule Joy of Voice. Besondere Überraschung: ZDF-Journalistin Gundula Gause, die als Moderatorin charmant durchs Programm führte.

Zwei würdige ältere Herren mit Zylinder machten den Anfang – auf der Festhallenbühne und in der Bankgeschichte: Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Sie waren es, die Mitte des 19.Jahrhunderts Not und Elend vieler Bauern, Handwerker und Arbeiter nicht mehr länger mit ansehen wollten und die ersten Kredit- und Sparkassenvereine ins Leben riefen. Mit ihren Visionen legten sie den Grundstein für Selbsthilfe und Selbstverwaltung, beides nach wie vor zentrale Merkmale genossenschaftlicher Organisationen wie den Volks- und Raiffeisenbanken. Am 27. Februar 1866 war es auch im Allgäu so weit: Die Volksbank Leutkirch wurde gegründet.

Aufbruchstimmung in den „goldenen“ 20er-Jahren, Währungsreform und Wirtschaftswunderzeit, Aufbruchstimmung in den 60er-Jahren, Sorgen und Hoffnungen der Gegenwart: In einer fulminanten Show wagte die Musicaltruppe unter Leitung von Angelika Maier den Ritt durch die Zeit und sorgte für optische und akustische Höhepunkte zwischen den Gängen des Festmenüs.

Was die Leutkircher Bank für die Stadt bedeutet, welches die besonderen Stärken eines genossenschaftlichen Unternehmens sind und wo die Herausforderungen für die Zukunft liegen, darüber diskutierte Gundula Gause mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Veit Wagenseil, der Vorstandsvorsitzenden Rosemarie Miller-Weber und Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle. Henle nannte die Bank einen „treibenden Faktor für viele Projekte in der Stadt“ und sprach von den kurzen Wegen, die charakteristisch seien für so manche Entscheidungsprozesse.

Was die Herausforderungen angeht, etwa die zunehmende Digitalisierung, so müsse man sich „aufs Neue einlassen und die Dinge gestalten“, wie Rosemarie Miller-Weber sagte. Mitglieder und Mitarbeiter müssten mitgenommen werden auf dem Weg der Veränderung.

Niedrigzins wird bleiben

Ein Thema, das alle, Mitglieder, Mitarbeiter und Kunden, beschäftigt, ist die aktuelle Niedrigzinsphase. Dass diese wohl nicht allzu schnell beendet sein wird, darin war sich eine zweite Gesprächrunde mit Vertretern überregionaler Finanzinstitute einig. „Ich fürchte, dass wir mit den negativen Seiten der derzeitigen Zinssituation noch eine Weile beschäftigt sein werden“, sagte etwa Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, voraus.

Auch Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der Union-Investment-Gruppe, rechnet damit, dass „Herr Draghi auch weiterhin lustig Geld drucken wird“. Der Chef der Europäischen Zentralbank wird nach Einschätzung von Roman Glaser, Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands, letztlich auch über die gefürchteten „Strafzinsen“ entscheiden. „Ausschließen wird man das nicht können“, so Glaser.

Trotz alledem: „Money makes the world go round“, rief die Musicaltruppe in Erinnerung und beschloss den Abend mit einem optimistischen „We are the world, we are the children“ – Hoffnung auf eine bessere Welt. Die Festgäste hörten’s gern.

Uwe Fröhlich, Präsident. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und

Raiffeisenbanken (BVR).

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