Kalle Vogel zaubert wie Django Reinhardt

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Ein meisterlicher Gitarrist: Kalle Vogel ist seit 16 Jahren Leader des „Hot Club d’Allemagne“.
Ein meisterlicher Gitarrist: Kalle Vogel ist seit 16 Jahren Leader des „Hot Club d’Allemagne“. (Foto: Bernd Guido Weber)
Bernd Guido Weber

Der Auftritt des Leipziger „Hot Club d’Allemagne“ samt Franziskus Sparsbrod an der Rhythmusgitarre und Gunter Pasler am großen Bass bildete den Abschluss der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Sommerjazz im Museumshof“. Matthias Hufschmid, Vize der Volkshochschule, dankte dem treuen Publikum.

Die Sachsen legen im bestens gefüllten Museumshof flott los. Nach dem Intro bringen sie „Clouds“, das Django Reinhardt für den Saxophonisten Ben Webster geschrieben hat. Webster hat damals in Paris gelebt. Die französische Metropole war zu dieser Zeit ein lebendiger Hotspot der Szene. Es folgen vor allem weniger bekannte Stücke der Gypsy-Jazzer Django und Stephane Grapelli, Violine. Thomas Prokein ist ein würdiger Epigone des großen Grapelli – seidenweich geigt er bis in die höchsten Lagen, seelenvoll. Seine Ansagen – er moderiert den Abend – haben Witz, gepaart mit knappen Infos. Überhaupt steht hier eine durchaus nahbare Band auf der Bühne, unprätentiös, ohne jegliche Aufgeregtheit. Menschen, die gute Musik machen für Menschen, die gute Musik lieben. Mit Freude.

Natürlich haben die vier auch Eigenkompositionen dabei. Eine „große Reise“ klingt nach Al Di Meola, was durchaus für Kalle Vogel spricht. Ein bemerkenswert fingerflinker Gitarrist ist er. Rasante Läufe, atemberaubende Akkordfolgen. Flamenco gibt es, sowie eine Hommage an Jose Feliciano. Superfein kommt der Allzeit-Hit „Over the rainbow“. Mit „Mimosa“ von Dorado Schmitt ist, irgendwie, auch Santana im Spiel.

Nach gut zwei Stunden ist es Nacht geworden, da stimmen Thomas Prokein (Violine) und Kalle Vogel an der Gitarre das wohl berühmteste Stück des Gypsy-Jazzers an: „Nuages“. Wolken, ein inniges Bild der eigentlichen Heimat des umherziehenden Volkes. Der Song ist der Höhepunkt eines famosen Auftrittes. Als Schlusspunkt setzen die vier „Caravan“ von Duke Ellington - ein ekstatischer Parforceritt. Zugabe muss sein. Da kommt Charles Trenet zu Ehren. Und auf dem Gotischen Haus sitzt der Klapperstorch und hört auch zu.

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