Jung, sympathisch, super

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 Extraklasse: Der Klarinettist Adam Ambarzumjan und die Pianistin Anna Springer im Bocksaal während ihres selbst organisierten A
Extraklasse: Der Klarinettist Adam Ambarzumjan und die Pianistin Anna Springer im Bocksaal während ihres selbst organisierten Auftritts. (Foto: Bernd Guido Weber)
Bernd Guido Weber

So jung noch – und schon so gut! Anna Springer ist gerade 20 Jahre alt, studiert in Stuttgart, spielt den Bösendorfer Flügel wie eine ganz Große. Ihr Partner im „duo vivido“, Adam Ambarzumjan, zählt auch erst 22 Lenze, beherrscht seine Klarinette mit hoher Virtuosität. Sie haben ein interessantes Programm einstudiert, sie begeistern im Bocksaal die vielen Zuhörerinnen und Zuhörer.

Es geht an diesem Abend flott und unverkrampft durch Jazz, Klassik, Klezmer und Rock. Mit überspringender Spielfreude auf einem Niveau, das Staunen macht. Ja, es gibt sie, die jungen Hochtalentierten, die richtig Spaß an der Musik haben. Egal in welchen Genres.

Anna ist gebürtige Memmingerin, mit vier Jahren hat sie die erste Klavierstunde bekommen. Sie begleitet oft den Chor „Tritonus“ aus Ochsenhausen, der neulich mit einer Messe im Sudhaus „beim Härle“ sehr schön gesungen hat. Da ist sie aber nicht dabei gewesen. Adam stammt aus Wolgast/Mecklenburg-Vorpommern, hat dort mit neun Jahren seinen ersten Unterricht bekommen. In Deutschland ist er in Augsburg als Jungstudent – sprich: als Ausnahmetalent – von namhaften Professoren unterrichtet worden, bevor er als Stipendiat der Yehudi-Menuhin-Stiftung zur Hochschule für Musik in Stuttgart gewechselt ist. Adam ist vielfacher Preisträger bei „Jugend musiziert“, derzeit Akademist bei den Stuttgarter Philharmonikern.

Los geht’s mit dem Klarinettenkonzert von Artie Shaw, dem US-Bandleader, seinerzeit selbst ein wundervoller Klarinettist. Da vermischt sich Klezmer-Jauchzen mit schwarzem Blues und swingendem Ragtime. Schon toll. Von Giora Feldman, dem wohl bekanntesten Klezmer-Klarinettisten, stammt „Let’s be Happy“. Könnte auch das Motto des Abends sein. Anna und Adam bringen dazu kleine szenische Späßchen (nun ja, noch ausbaufähig). Volle Attacke geht die langlockige Pianistin bei Mozarts „Alla turca“. Verstaubt? Schon viel zu oft gehört? – Nein! In dieser Version des zeitgenössischen Fazil Say mitnichten.

Übergangslos ertönt wieder die Klarinette, weich, warm, elegisch. Die berühmte Arie „Casta Diva“ aus Bellinis Oper „Norma“. Wie die beiden anschließend die „Bohemian Rhapsody“ von Freddy Mercurys „Queen“ interpretieren, ist einfach umwerfend. Zärtlich, berührend, ohne die dem Stück innewohnende Dramatik zu vernachlässigen. Das bringen sie nach Ende des Programms nochmals als Zugabe, nach langem Beifall.

Wie passt der „Ungarische Tanz Nr. 1“ von Johannes Brahms dazu? Bestens. Das „Ave Maria“ ebenso, einmal von Johann Sebastian Bach, einmal von Franz Schubert. Man darf zwischendurch innehalten. Der Czardas von Vittorio Monti ist dafür – die Phrase sei gestattet – feurig wie scharfe Paprika. „Was hat ein Zucchini mit Felix Mendelssohn-Bartoldy gemein?“ fragt Anna das Publikum. Die Antwort kann natürlich keiner wissen: „Ich habe sie früher beide nicht gemocht“.

Heute liebt sie Zucchini wie Mendelsson, haut einem das „Rondo capriccioso“ buchstäblich um die Ohren. Unbekümmert, mit Finale Furioso. An der „Ungarischen Rhapsody Nr. 2“ haben die beiden lange gearbeitet, das Orchesterwerk in viel Kleinarbeit umgeschrieben. Chapeau. Und ach, wie schön die zwei „Summertime“ von George Gershwin interpretieren! Nicht in einer Songfassung aus Jazz oder Pop, sondern nahe am Original von „Porgy & Bess“. Mit dem weltbekannten, immer wieder die Seele berührenden Intro der Klarinette, gekonnten Improvisationen von Anna Springer, die ja auch in Stuttgart als Jazzpianistin zu hören ist. Sanft ausklingend. Leider viel zu kurz.

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