Alfred Bliem hat den 6. Dan erhalten.
Alfred Bliem hat den 6. Dan erhalten. (Foto: Simon Nill)
Redakteur Leutkirch

Jiu-Jitsu-Unterricht für Schüler: Das bietet Alfred Bliem, Inhaber des Budo-Sportclubs in Ottmannshofen, derzeit an zwei Leutkircher Schulen an. Die waffenlose Kunst der Selbstverteidigung soll den Charakter und das Selbstbewusstsein der Teilnehmer stärken. Vor wenigen Tagen hat Bliem eine besondere und seltene Auszeichnung erhalten: Die Budo-Förderungsorganisation hat ihn mit dem sechsten Dan ausgezeichnet.

Der neue Meistergrad im Jiu-Jitsu sei für Bliem „wichtig“ und eine Auszeichnung für harte Arbeit in den vergangenen Jahren, erklärt der Kampfkünstler im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Auf der Urkunde an Bliem heißt es: „Diese Ehrenauszeichnung wird verliehen für das Leben hoher Werte wie Loyalität, Respekt, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Ausdauer und vorbildliches Auftreten und Verhalten im Sinne des Bushido – dem Weg des Samurai.“

In seinem Budo-Verband gebe es zehn Meistergrade zu verleihen, wobei der zehnte Dan in der Regel „nicht vor einem Alter von 70 Jahren“ vergeben werde. Neun Jahre habe er auf die Auszeichnung mit dem sechsten Dan warten müssen. Laut Bliem eine normale Zeitspanne.

Der neue Meistergrad bringe aber auch Verantwortung mit sich. Schließlich sei Bliem dadurch zum technischen Direktor des Verbands aufgestiegen. Nun könne der Jiu-Jitsu-Meister etwa bestimmen, welche Vorgaben bei Budo-Prüfungen gelten. Wie oft der sechste Dan verliehen wird? „Sehr selten. Ich kenne keinen anderen in Württemberg“, so der Inhaber des Budo-Sportclubs. Gratulationen erhält der Kampfkünstler auch vom Präsidenten des Verbands, Hermann Heiß. In einer Mitteilung an die „Schwäbische Zeitung“ schreibt er unter anderem: „In wöchentlich bis zu 15 Kursen, darunter zwei Projekten an öffentlichen Schulen, unterrichtet Herr Bliem persönlich sehr erfolgreich die hohen Werte des Budo. Wir freuen uns, im Verband einen so starken Mitwirkenden zu haben.“

Ein Novum in der Region ist die Zusammenarbeit zwischen dem Budo-Sportclub in Ottmannshofen und einigen Leutkircher Schulen. Seit zehn Jahren bietet Alfred Bliem etwa an der Reichenhofener Grundschule einmal pro Woche Unterricht im Jiu-Jitsu an. „Die Kurse sind immer voll und sehr gefragt“, sagt Stephan Ertle, stellvertretender Vorsitzender des Landeselternbeirats von Baden-Württemberg. Auch an der Leutkircher Gemeinschaftschule stoße das Angebot jährlich auf sehr viel positive Resonanz. Im Rahmen des Projekts „Werte machen stark“, das vor einiger Zeit an der Otl-Aicher Realschule angeboten wurde, leitete Bliem Jiu-Jitsu-Kurse für Fünftklässler in fünf verschiedenen Gruppen. Im Zentrum dabei standen beispielsweise die Weiterentwicklung der Wahrnehmung, der Toleranz oder des Selbstwertgefühls.

Spannende Aufgabe

Der Jiu-Jitsu-Unterricht an Schulen „hat einen Wert, einen tiefen Sinn“, sagt Alfred Bliem. Gutes zu bewirken und die Jungen und Mädchen von schlechten Gefühlen zu befreien, sei eine „spannende Aufgabe“. Von einer „geradezu idealen Ergänzung zu der Erziehung durch die Eltern und Schulen“ spricht Stephan Ertle. Für ihn sei es verblüffend, wie Bliem Inhalte wie Wertschätzung, Problemlösungen, Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen oder Konflikt- und Stressbewältigung in seinen Jiu-Jitsu-Kursen lebt und unterrichtet. Dies seien Handlungsfelder, die über die eigentliche Kampfkunst weit hinausgehen. Auch Lehrer und Eltern seien von diesem Konzept begeistert und voll des Lobes: „Kein einziger hat sich jemals beschwert“, so Ertle. Deshalb hätten bereits weitere Schulen eine Kooperation angeboten, was Bliem aus Zeitgründen bisher allerdings ablehnte.

Budo ist der Oberbegriff für die japanischen Kampfkünste. Dazu gehören unter anderem Jiu-Jitsu, Judo oder Karate.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen