Jetzt wird auch noch das regionale Bier teurer

Redakteur
Volontärin

Vor Kurzem haben die großen Brauereikonzerne angekündigt, ihre Preise zu erhöhen. Viele der kleinen und mittelständischen Brauereien im Allgäu und in Oberschwaben haben diesen Schritt zum 1. März oder 1. April bereits vollzogen. Ein Schritt, der aufgrund der gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie zwingend notwendig war, wie die befragten Brauereichefs erklären.

Für den Endverbraucher ist ein Kasten Bier im Handel dadurch etwa einen Euro teurer geworden. Bei manchen regionalen Bieren ist die 20-Euro-Grenze für einen Kasten bereits überschritten. Zwischen den „Konzernbieren“ und denen der heimischen Brauer liegen weiterhin teils große Preisunterschiede.

Nicht „das Heil im Preiskampf“ gesucht

Allerdings sei es gerade diese Preispolitik, bei der nicht „das Heil im Preiskampf“ gesucht werde, die entscheidend dafür sei, dass es in der Region Bodensee-Oberschwaben-Allgäu eine solche Vielfalt an kleineren, familiengeführten Brauereien gibt – für die man in vielen Teilen Deutschlands beneidet werde, wie Michael Weiß, Geschäftsführer der Meckatzer Brauerei, betont.

Die Brauerei in Meckatz, nur wenige Kilometer von der Grenze zum Landkreis Ravensburg entfernt, wird im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ von Franz Stolz von der gleichnamigen Isnyer Brauerei als „Preismarktführer“ für die Region Oberschwaben-Allgäu bezeichnet. Den Bierpreis hat Meckatzer bereits zum 1. März erhöht. Die unverbindliche Preisempfehlung für einen Kasten der Hauptsorten liegt seither bei 19,99 Euro, im Handel sind aber auch höhere Preise möglich.

Stolz auf Bezeichnung „Preismarktführer“

Auf die Zuschreibung „Preismarktführer“ ist Weiß durchaus stolz. Seine Brauerei habe früh den Mut gehabt, die Preise auch anzupassen, wenn es notwendig ist. Das habe dann auch den Kollegen in der Region immer die Möglichkeit gegeben, nachzuziehen. Am Ende komme so bei den regionalen Bieren ein Preis heraus, bei dem für jeden der beteiligten Partner – vom Rohstofflieferanten bis zu den Händlern und Gastronomen – ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist. Und in dem auch qualitativ hochwertige Rohstoffe eingesetzt und die Mitarbeiter angemessen entlohnt werden können.

Ebenfalls bereits zum 1. März die Preise angehoben hat die Brauerei Clemens Härle aus Leutkirch. Bei den Hauptsorten liegt die Preisempfehlung mit 19,50 bis 19,90 Euro auch nach der Erhöhung noch unter der 20-Euro-Grenze. Es gibt aber auch schon Spezialbiere, die über dieser Marke liegen, wie Brauereichef Gottfried Härle erklärt. Für die Brauerei selbst reiche die Preissteigerung um etwa einen Euro allerdings bei weitem nicht aus, um die Kostensteigerung der letzten sechs Monate auszugleichen, betont er.

Preis für Braugerste um 100 Prozent gestiegen

Alleine der Preis für die Braugerste habe sich innerhalb eines Jahres um rund 100 Prozent erhöht. Und das war noch vor dem Krieg in der Ukraine. Auch Flaschen, Etiketten und Kronkorken seien teurer geworden.

Das ist dramatisch,

so Härle zu dieser Entwicklung.

Zuletzt habe die Brauerei Härle im Juni 2019 die Preise erhöht. Wie lange es jetzt bis zur nächsten Erhöhung dauert, ob es vielleicht sogar in diesem Jahr nochmal nötig wird, kann Härle nicht sagen. „Aktuell kann man ja nichts ausschließen“, sagt er.

Wie seinem Kollegen von der bayerischen Seite des Allgäus ist es auch ihm wichtig zu betonen, dass man für eine „faire Preispolitik“ stehe. „Wenn wir unsere Preise erhöhen, dann hat das immer einen guten Grund“, sagt Härle. Wie etwa die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise. Im Gegensatz zu manchen Brauereikonzernen würden sie die Preise auch immer in einem Schritt gleichzeitig für die Gastronomie und den Handel erhöhen.

Verbrauchern sichern vielfältige Brauereieinlandschaft

Manche Konzerne, so Härle, würden das Fassbier verteuern, was die Gastronomen trifft, während der Flaschenpreis gleich bleibt, damit das Bier im Handel für den Endkunden nicht teurer wird. Eine solche Politik sei gegenüber den Wirten nicht fair, betont der Leutkircher Brauereichef. Härle spricht in diesem Zusammenhang vor allem mit Blick auf die Aktionsangebote von einer bewussten Politik der Marktverdrängung. Zum Glück, so Härle, schauen viele Verbraucher hierzulande beim Bier nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Qualität der Rohstoffe und der Betriebe. Und sichern so auch die vielfältige Brauereieinlandschaft der Region.

Teil dieser Vielfalt ist auch die Edelweißbrauerei Farny mit Sitz in Kißlegg. Diese hat zum 1. April ihre Preise gegenüber dem Handel und der Gastronomie angehoben. Geschäftsführer Elmar Bentele geht davon aus, dass der Preis einer Kiste Bier der Marke Farny in den Läden um rund einen Euro steigt – damit aber unter der 20-Euro-Marke bleiben wird.

„Exorbitant“ gestiegener Malzpreis

Gründe seien die hohen Energiepreise aber auch der „exorbitant gestiegene Malzpreis“. Bei Farny hatte sich bereits vor dem Krieg in der Ukraine eine Preiserhöhung abgezeichnet. So würden die kürzlich angehobenen Preise die tatsächliche Kostensteigerung für die Brauerei nicht einmal abbilden. Noch teurer soll das Bier von Farny aber erst einmal nicht werden. „Es wird keine weitere Kostensteigerung geben“, versichert Bentele mit Blick auf dieses Jahr. Weitere Mehrkosten werde das Unternehmen selbst tragen.

Auch die Brauerei Stolz aus Isny hat die Preise zum 1. April erhöht. Hier wurde der Kasten im Handel dadurch ebenfalls rund einen Euro teurer, wie Vertriebsmanager Franz Stolz erklärt. Die Preiserhöhung war schon unabhängig vom Ukraine-Krieg geplant, da die Preise für Energie und Gerste davor schon hoch waren, so Stolz. Er vermutet, dass der Bierpreis ohne die Corona-Krise schon früher gestiegen wäre. Das sei nur nicht passiert, um die ohnehin hart getroffenen Gastronomen nicht noch mehr zu belasten.

Ziel: Bier nicht unter Wert verramschen

Normalerweise werde der Bierpreis alle zwei bis drei Jahre erhöht. Ob man diesen Rhythmus angesichts der derzeitigen Preisentwicklung beibehalten kann, sei derzeit nicht abzusehen, erklärt Stolz. Bei der Preiskalkulation gehe es darum, das Bier auf der einen Seite nicht unter dem Wert zu verramschen, den Kunden auf der anderen Seite aber auch nicht durch einen hohen Preis abzuschrecken. „Insgesamt ist die Kalkulation derzeit sehr schwer für uns“, so Stolz mit Blick auf die aktuelle Entwicklung bei den Energie- und Rohstoffpreisen.

„Die gestiegenen Energiekosten sind immens“, beklagt auch Franz Gassmann, Vorstand der Königsegger Walderbräu AG, die mit 16 Mitarbeitern zu den kleineren Brauereien in der Region gehört. So habe Walderbräu bereits zum 1. März die Preise einiger Produkte angehoben, erklärt Gassmann. Die Preiserhöhung weiterer Produkte würde folgen. Gassmann geht derzeit noch davon aus, dass der Preis einer Kiste Bier von Walderbräu für den Endverbraucher die 20-Euro-Marke vorerst nicht übersteigen wird.

Auch Glas und Papier teurer

Das könne sich zum Jahresende hin aber noch ändern, so Gassmann weiter. Denn auch Rohstoffe seien aktuell teuer. Das gelte für Glas sowie Papier. Schon der kleinste Bierdeckel ist laut Gassmann teurer geworden. Auch die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine seien früher oder später zu spüren, meint er. Die Brauerei mit Sitz in Königseggwald, am westlichen Rand des Landkreises Ravensburg, beziehe ihren Hopfen für die Produktion zwar ausschließlich aus der Region, doch der Krieg wird auch diesen Preis sicherlich bald nach oben treiben. Grund ist der sich aktuell verändernde Weltmarkt von Hopfen, Malz und Weizen.

Die „Schwäbische Zeitung“ hat zur aktuellen Bierpreisentwicklung auch die Brauerei Max Leibinger mit Sitz in Ravensburg angefragt, diese wollte sich gegenüber der Redaktion dazu nicht äußern.

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