Jedes Mal ein musikalischer Hochgenuss

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Babette Caesar

Es ist jedes Mal ein Genuss für alle Beteiligten, die Konzerte der Sommerakademien Leutkirch mitzuerleben. Das Abschlusskonzert der 16. Sommerakademie bot hierzu am Donnerstagabend in der Festhalle wieder Gelegenheit. Neun der insgesamt 35 Teilnehmer der drei Meisterkurse traten auf. Vorzugsweise mit Werken russischer Komponisten, die durch ihre spieltechnischen Glanzleistungen imponierten.

Was macht der Brahms da? Mit dieser offen im Raum stehengelassener Frage leitete Roland Glassl, künstlerischer Leiter der Sommerakademie, zu dem 1988 in Straßburg geborenen Bratschisten Sven Boyny über. Ihm oblag der Auftakt mit dem Allegro amabile aus Brahms´ Es-Dur-Sonate, op. 120, Nr. 2. Begleitet von Cornelia Glassl am Klavier offenbarte das Stück Brahms´ bezartete Seiten. Sachte und verwegen, etwas zögerlich und behutsam und das nicht ohne dramatisch auffahrende Spitzen. Erst später im Verlauf des Abends werden die Besucher im ausgebuchten Saal rückblickend verstehen, was der Brahms da macht, als ausgleichender, ruhender Pol. Dreimal Bratsche, dreimal Cello, dreimal Geige mit Cornelia Glassl, Tomoko Ichinose, die erstmals dabei ist, und Alexej Petrov als versierte Korrepetitoren, die, so Glassl, zehn Tage lang nonstop im Einsatz waren und nicht nur sieben bis acht Teilnehmerkonzerte betreuten, sondern zudem probten, trösteten und halfen. Großes Lob ging an Karl-Anton Maucher und das Volkshochschulteam für die Organisation sowie an die Gasteltern.

„Viel Glück für mich und viel Spaß für Sie“

Neu ist dieses Mal, dass die auftretenden Interpreten etwas über ihr ausgewähltes Stück sagen können, was einige auch taten. Zum Beispiel die Geigerin Lutong Zhang aus der Klasse von Christoph Schickedanz. „Die Geschichte von Faust kennen Sie besser als ich. In die Fantaisie brillante über Faust, Oper von Charles Gounod, des polnischen Komponisten Henri Wieniawski habe ich mich sofort verliebt. Es ist mein zweiter Versuch. Viel Glück für mich und viel Spaß für Sie“, hob sie an zu „etwas ganz Schwierigem“. Hochklassige Grifftechniken einerseits, emotionale Tiefe andererseits machten auch dieses Mal die aufgeladene Atmosphäre aus. Denn trotz bekannter Namen wie Dimitri Schostakowitsch und Sergej Prokofjew gelang es den Meisterschülern, bislang weniger oft Gehörtes zur Aufführung zu bringen. So der aus Japan stammende Masanori Tsuboi aus der Cello-Klasse von Jan Ickert mit dem schwermütigen Andante aus Prokofjews impressionistisch gefärbten C-Dur-Sonate, op. 119. Gefolgt von Jihye Han aus Korea und Tutti-Bratschistin im Gewandhaus-Orchester in Leipzig, die mit großer Gelassenheit und Souveränität Schostakowitschs Allegro moderato aus der Sonate, op. 149, interpretierte. Dieses Selbstverständnis war allen Musikern zu eigen. Der Cellistin Laura Zielke mit einem weiteren Allegro moderato von Schostakowitsch und der Chinesin Yang Xu mit der Carmen Fantasie des Ungarn Jenö Hubay. Bei einem Tschaikowsky-Wettbewerb 2016 habe ein koreanischer Geiger das Stück gespielt, woraufhin Yang Xu es einstudierte. In vollen Zügen lotet sie die Carmen-Dramatik aus – poetisch, erzählerisch und in exzeptionellen Akkordläufen brillierend. Eine Kraftübung, belohnt von Bravorufen.

Ausgereifte Spieltechnik mit viel Esprit

Wer spieltechnisch und zugleich mit großem Einfühlungsvermögen bestach, war der Schweizer Bratschist Darryl Bachmann. Er trat mit „Introduction“ und „Dance of the knights“ aus Prokofjews berühmten Ballett „Romeo und Julia“ an. Das untergründige Vibrieren bei der Bewältigung der häufigen Rhythmuswechsel machte die lustvolle Spannung beim Zuhören aus. Das zeichnete ebenso den Auftritt der Cellistin Sophie-Charlotte Rees und ihr Allegro moderato des Russen Karl Davidoff aus. Rasante Tempi bei hoher Virtuosität waren die Herausforderung an die Interpretin. Die Krone dieses Abends setzte der Hamburger Geiger David Wurm dem Abschlusskonzert mit einer „Romance“ und einem „Danse Hongroise“ von Sergej Rachmaninow auf. Ihm, der mit einer ungebrochenen Versiertheit und großartigem Esprit zu Werke ging, lagen die Besucher augenblicklich zu Füßen. Zusammen mit Petrov am Klavier entfachte das Duo klanglich überbordendes Volumen – präzis in den Details und weit ausholend in den übergreifenden Bögen eines wild rasanten Tanzes. Stehende Ovationen würdigten diesen Siedepunkt des Abends.

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