Jahresausklang mit Pauken und Trompeten

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Schwäbische Zeitung
Otto Schöllhorn

Die Kirche St. Martin, die das Jahr über wegen ihres Entstehens vor 500 Jahren schon vielerlei musikalische Huldigungen erfuhr, erlebte am Silvesterabend zusammen mit einer großen Besucherschar einen besonders glanzvollen Abschluss dieser Feierlichkeiten, den Jahresausklang mit Orgel, Pauken und Trompeten.

Timo Bossler (Trompete), Hans Mohr (Trompete), Marion Hafen (Pauke) und Regionalkantor Franz Günthner (Orgel) boten eine mitreißende und exzellent dargebotene Programmvielfalt, die mit ausdrucksstarker Musikalität und abwechslungsreichen Stimmungsbildern überzeugte. Das Programm setzte sich zusammen aus erlesenen Kompositionen der Barockzeit und Spätromantik, die allesamt als Garanten für hohe Festlichkeit stehen.

Schon gleich beim Konzertbeginn mit Georg Friedrich Händels Suite D-Dur aus der „Wassermusik“ konnten die Zuhörer die elektrisierenden Momente erleben, wenn Paukenschlegel auf Paukenfell treffen, bei zeitgleich einsetzendem festlich majestätische Trompeten- und Orgelklang. Weich fließend und tröstlich dagegen wirkte „Er weidet seine Herde“ aus Händels „Messias“, wenn man sich den Text „und heget seine Lämmer so sanft in seinem Arm; er nimmt sie mit Erbarmen auf in seinen Schoß“ vor Augen hält.

Georg Philipp Telemanns Concerto in D-Dur begann wuchtig, Trompetentöne, gespielt von Timo Bossler schraubten sich in höchste Lagen. Im Largo überraschte das Orgelspiel mit facettenreichen Pfeifenklängen und das Vivace endete mit rollenden brausenden Klängen mit Echoeffekten. Der Rahmen aus barocken Werken wurde unterbrochen durch Werke der Spätromantik. Den Auftakt machte Louis Viernes „Carillon de Westminster“ für Orgel. Tiefe Glockentöne, dem Glockenschlägen des Westminster-Glockenspiel nachempfunden, heben sich ab von einem flirrenden Hintergrundspiel. Das Thema wird moduliert, steigert sich zu einem scheinbar brausenden Geläut unzähliger Glocken.

Ruhig und besinnlich wiederum das „Pie Jesu Domine“ aus Gabriel Faurés Requiem. Trompete und Flügelhorn interpretierten ergreifend die wiegenden, archaisch anmutenden Bewegungen des Gesanges. Mit einem der bekanntesten Werke der Orgelmusik, der Toccata F-Dur von Charles-Marie Widor, ging der spätromantische Teil zu Ende. Bravourös meisterte der Organist Franz Günthner die schnellen hohen Sechzehntel im Manual, die den Satz unaufhörlich vorantreiben. Expressiv hüpfende Melodiebögen steigern sich zu einem brausenden Klanggebilde, schwellen ab zum piano, um dann in einem gewaltig ausklingendem Finale zu enden.

Einen leuchtenden strahlenden Schlussteil des Konzertes bildeten drei markante Werke der Barockzeit. Jeremiah Clarkes „Trumpet Voluntary“, bekannt auch unter dem Namen „The Prince of Denmark's March“, festlich erhaben in einem wunderbaren Ineinandergreifen von Orgel, Trompeten und Pauken, gefolgt von Jean-Joseph Mourets „1. Sinfonies de Fanfares“ in einer Bearbeitung für Orgel und Trompete, Sinnbild für glanzvolle, gewaltige Barockmusik.

Als letztes Werk folgte die Sonate B-Dur von Arcangelo Corelli. Bedächtig und langsam schreitend beginnt das Werk und klingt mit beschwingt heiterer Melodie aus, ein geradezu hoffnungsvolles Stimmungsbild für das anstehende Neue Jahr. Mit mächtigem Beifall belohnten die Zuhörer dieses Konzerterlebnis und wurden mit dem 3. Satz aus Mourets „1. Sinfonies de Fanfares“ tröstlich in die Dunkelheit der Nacht des Jahreswechsels entlassen.

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