Internetausfälle machen Bewohner von Leutkircher Ortsteilen mürbe

 In Hofs und Ausnang klagen Bewohner regelmäßig über Ausfälle beim Telefon und Internet via Richtfunk.
In Hofs und Ausnang klagen Bewohner regelmäßig über Ausfälle beim Telefon und Internet via Richtfunk. (Foto: Federico Gambarini/dpa)
Redaktionsleiter

„Es gibt ständig Ausfälle“, konstatiert Franz Dietrich mit Blick auf die Telefon- und Internetverbindung in Hofs, Ausnang und auch Teilen von Ottmannshofen. Wie der Ortsvorsteher erklärt, seien mehr als 200 Anschlüsse betroffen.

Die Situation, die schon viele Wochen anhalte, mache viele Betroffene mittlerweile mürbe. Anbieter des Richtfunk-Netzes ist die Firma Inexio, die sich vor einiger Zeit mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser zu einer Firmengruppe zusammengeschlossen hat.

Einer, der unter den Ausfällen leidet, ist Manfred Gantner. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ berichtet er von Verbindungsproblemen, die mehrmals pro Woche für einige Minuten anhielten. Zudem habe es seit Jahresbeginn mindestens drei Störungen gegeben, die mehrere Tage – teilweise auch über das Wochenende – dauerten.

„Uns sind die Hände gebunden. Ich kann zum Beispiel kein Home-Office machen“, stellt der Hofser klar. Vom Anbieter habe er zwar mehrfach eine finanzielle Gutschrift bekommen, aber eine stabile Verbindung sei Gantner deutlich lieber.

„Kein anderer Anbieter“

Hinzu kommt laut Ortsvorsteher Dietrich, dass die Qualität der Telefon- und Internetverbindung dauerhaft zu wünschen übrig lasse.

Vor allem abends, wenn viele im Netz sind, geht nur ganz wenig.

Manchen Haushalten stehe dann nur ein Bruchteil der bezahlten Bandbreite zur Verfügung.

„Wir haben leider keine andere Möglichkeit. Es gibt keinen anderen Anbieter“, unterstreicht Dietrich. Das bestätigt Leutkirchs Tiefbauamtsleiter Robert Rühfel. Der städtische Glasfaserausbau sei noch nicht so weit fortgeschritten, dass einzelne Haushalte der Ortschaften an das Netz angeschlossen sind. Bis das umgesetzt werden kann, werden nach Angaben von Rühfel noch mehrere Jahre vergehen.

Problem bei Notfällen

Besonders brisant: Weil auch die Mobilfunkversorgung in weiten Teilen von Hofs, Ausnang und Ottmannshofen nicht gut sei, könnten manche Bewohner bei Ausfällen weder über das Festnetz noch mobil telefonieren. Vor allem in Notfällen könnte das zu einem großen Problem werden.

Dominik Beyer, Regionaler Pressesprecher bei der Deutschen Glasfaser Holding, erklärt auf SZ-Anfrage, dass es im März zwei Störungen gegeben habe, die mehrere Tage andauerten. Einmal sei ein technischer Defekt die Ursache gewesen, beim anderen Mal gab es Probleme bei einem der Vorlieferanten. Die Techniker seien in solchen Situationen bestrebt, die Verbindung so schnell wie möglich wieder herzustellen – auch an den Wochenenden.

Stadt will helfen

Die Unternehmensgruppe habe die Richtfunkstrecke vor einigen Jahren wiederum von der Firma „SmartDSL“ übernommen. Richtfunk reagiere nach Angaben von Beyer generell sensibler auf Wettereinflüsse, wodurch Probleme entstehen könnten. Zudem seien „temporäre Verzögerungen“ möglich, wenn viele Personen gleichzeitig das Netz nutzen – zum Beispiel abends.

Auch bei der Stadt Leutkirch sind die Schwierigkeiten bekannt. Wie Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle vor kurzem erklärte, sei die Stadtverwaltung für die Versorgung zwar nicht zuständig, wolle sich aber trotzdem im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Bewohner einsetzen. So hätten sich die Verantwortlichen der Stadt unter anderem bereits an die Bundesnetzagentur gewandt und gleichzeitig Gespräche mit Politikvertretern gesucht.

Strecke soll aufgerüstet werden

Um die Situation zu verbessern, will die Deutsche Glasfaser Holding ab Sommer besagte Richtfunkstrecke aufrüsten. „Dadurch sind am Jahresende bis zu zehnfach höhere Datendurchsätze möglich“, sagt Beyer. Zudem werde das Netz dann „weniger wettersensibel“ sein.

„Wir wollen die bestmögliche Lösung für unsere Kunden.“ Tiefbauamtsleiter Robert Rühfel hat allerdings gewisse Zweifel daran, dass die Probleme damit schlagartig aufhören. Eine Funkverbindung sei manchmal eben unzuverlässig – zum Beispiel bei starkem Schneefall.

Anders sieht’s bei einem Kabel aus: Nicht weit von den betroffenen Haushalten entfernt gibt es laut Rühfel ein sogenanntes Haupt-Glasfasernetz des Zweckverbandes Breitbandversorgung im Landkreis Ravensburg, das theoretisch von Inexio/Deutsche Glasfaser mitgenutzt werden könnte. Eine Einigung zwischen den Parteien gebe es bislang aber nicht. „Wir sind weiterhin bemüht, bei einer guten Lösung zu unterstützen“, sagt Robert Rühfel.

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