Integration über das Blaulicht

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Abdil Kerim Derici trägt stolz die Uniform der Leutkircher Jugendfeuerwehr.
Abdil Kerim Derici trägt stolz die Uniform der Leutkircher Jugendfeuerwehr. (Foto: heb)
Schwäbische Zeitung
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Die „Interkulturelle Begegnung Blaulicht“ am 22. April in der Mensa Cubus soll unter anderem dazu dienen, dass Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Feuerwehr, die DLRG oder die Johanniter auch aus dem Kreis von Menschen mit Migrationshintergrund Nachwuchs oder aktive Kräfte erhalten. Das Förderprogramm „Demokratie leben“ hat den Anstoß dazu gegeben, die vom Leutkircher Jugendhaus seit Jahren angebotenen interkulturellen Begegnungen mit so einem Schwerpunkt zu belegen.

Sie leben und arbeiten in Leutkirch, sie gehen in Leutkirch zur Schule, in den Reihen der Hilfsorganisationen aber sind Mitbürgerinnen und Mitbürger mit ausländischen Wurzeln eher noch die Ausnahme. „Wir wollen auf die Menschen zugehen und zeigen, dass wir für alle da sind“, so formulierte es jüngst schon Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle, als er diesen besonderen Blaulichttag als wichtigen Beitrag zur Integrationspolitik der Stadt zusammen mit den Organisatoren vorstellte.

Zumindest die Leutkircher Feuerwehr beginnt bei diesem Thema nicht bei „Null“. Seit gut eineinhalb Jahren zählt der 13-jährige Abdil Kerim Derici zum Stamm der Jugendfeuerwehr. „Ein Junge aus der Nachbarschaft ist dort auch dabei“, sagt er im Gespräch mit Mutter Emine und Vater Menderes, der schon seit 1978 in Leutkirch lebt. Mutter Emine, seit 23 Jahren im Allgäu, bezeichnet Leutkirch als die „zweite Heimat“ und als eine „schöne Stadt“. Die Eltern begrüßen es, dass ihr Sohn auch über das Engagement bei der Feuerwehr mitten hineingeraten ist in diese gesellschaftliche Szene in der Stadt. Allein stehen sie mit ihrer Meinung damit nicht. So wird auch der Verband Ditib, dem die Leutkircher Moschee angehört, die Veranstalter der „Interkulturellen Begegnung“ aktiv unterstützen.

„Es ist beeindruckend, wie die Feuerwehr das Interesse der Jugend erreicht“, sagt Vater Menderes dazu, dass sein Sohn so begeistert dieses Engagement in der Freizeit wahrnimmt. Weil Abdil zugleich auch beim FC Leutkirch in der Jugend mittrainiert, bleiben ihm wie vielen Altersgenossen Terminprobleme aber nicht erspart, da häufig die Übungszeiten das gleiche Zeitfenster betreffen. Dienstags etwa. Jugendfeuerwehr? Fußball? Dann stehen nicht immer einfache Interessensabwägungen an.

Als einem der jüngsten Mitglieder der Jugendfeuerwehr der Leutkircher Stadtabteilung macht Abdil, überraschend kommt diese Aussage nicht, bei den praktischen Übungen „das Spritzen viel Spaß“. Stark beeindruckt haben ihn aber auch die Erste-Hilfe-Einheiten. Abdil berichtet von Techniken etwa bei der Herzmassage oder beim Binden von Knoten, die schon dem Nachwuchs der Hilfsorganisationen beigebracht werden. „Manchmal übt er auch mit uns zu Hause“, ergänzt sein Vater.

Die Leutkircher Feuerwehr wird am 22. April natürlich auch eine Schauübung zeigen und ihre Attraktivität für junge Menschen unter Beweis stellen. Alle anderen Hilfsorganisationen bereiten ähnliche Erlebniswelten vor. „Wir wollen zeigen, dass wir offen sind“, betont etwa Robert Lohr von den Johannitern.

Nur ein Anfang

Dabei geht es nicht nur um die Suche nach begeisterungsfähigem Nachwuchs. Vor Jahren schon haben auf Landesebene alle großen Hilfsorganisationen betont, wie wichtig ihnen angesichts des Wandels in der Bevölkerung auch Einsatzkräfte mit Migrationshintergrund sind. Rettungen sollen nicht an Sprachbarrieren oder kulturellen Vorbehalten scheitern. Um lokal den Zusammenhalt auszubauen, hat Hans-Jörg Henle schon klargemacht, mit diesem ersten interkulturellen Blaulichttag solle nur ein Anfang gemacht werden. Mehrfach hat er schon auf den aus seiner Sicht notwendigen Zusammenhalt der Bürgerschaft über kulturelle oder konfessionelle Unterschiede hinweg hingewiesen.

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