Ilona Amann zeigt ihre Arbeiten

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 Künstlerin Ilona Amann (links) und Galeristin Dorothea Schrade vor einer Arbeit Amanns aus dem Zyklus „Schöne Grüße vom Strand“
Künstlerin Ilona Amann (links) und Galeristin Dorothea Schrade vor einer Arbeit Amanns aus dem Zyklus „Schöne Grüße vom Strand“. (Foto: Sabine Centner)
Sabine Centner

Großer Publikumsandrang im alten Pfarrhaus in Diepoldshofen: Die Eröffnung der Ausstellung „ungeschönt – schön“ mit Arbeiten von Ilona Amann hat am vergangenen Sonntag zahlreiche Interessierte in die altehrwürdigen Räume der Galerie Schrade gelockt. Mehr als 100 Arbeiten der aus Leutkirch stammenden Künstlerin sind dort bis zum 23. Februar zu sehen – Papierarbeiten, Scherenschnitte und Objekte, allesamt in kunstvoller Verbindung mit textilen Materialien.

Abschiedsvorstellung von Ilona Amann

Mit leichter Wehmut führte Galeristin Dorothea Schrade in die Ausstellung von Ilona Amann ein: „Sie markiert einen Wendepunkt in ihrem Leben, ist sozusagen eine Abschiedsvorstellung“, sagt sie. Die 45-Jährige hat ihren Lebensmittelpunkt vor Kurzem von Leutkirch nach Regensburg verlegt, bleibt der Stadt jedoch als Farbberaterin und vorerst auch ihrem Atelier in Diepoldshofen treu.

Nicht verklebt, sondern vernäht

Im Treppenhaus, den Fluren und Salons des alten Pfarrhauses zeigt Ilona Amann nun Papierarbeiten, Objekte und Collagen aus vier Werkgruppen, denen allen eines gemeinsam ist: „Sie sind nicht, wie üblich verklebt“, machte Schrade deutlich, „sondern alles ist vernäht – vom dicksten Wollfaden bis zur feinsten Nähseide“. Ob die Serie „Auf der Flucht“, die Zyklen „Mythen und Märchen“, „Die weinende Mutter“ oder „Schöne Grüße vom Strand“: Stets bestickt, verwebt, verwirkt, verhüllt oder umgarnt Ilona Amann ihre Motive mit absichtsvoller Sorgfalt und legt damit Widersprüche offen, lässt vielseitige Deutungen zu.

Widersprüche sind Grundlage

Die verhüllten Frauen etwa – sind sie Madonnen oder muslimische Frauen? Sind sie gefangen oder ganz bei sich und frei? Das glitzernde Strandgut – symbolisiert es erholsame Ferien am Meer oder fatale Umweltverschmutzung? „Widersprüche sind grundlegendes inhaltliches Thema meiner Arbeit“, sagt Ilona Amann. Und: „Textil steht in sehr enger und inniger Verbindung zu jedem Menschen. Es ist zweite Haut und eröffnet eine ganz eigene Bildkommunikation.“ Die gebürtige Leutkircherin und gelernte Raumausstatterin hat Textildesign studiert, arbeitet als Farbdesignerin und Hochschuldozentin und seit 2003 als freischaffende Künstlerin.

„Leise Melancholie“

Über den Arbeiten der aktuellen Ausstellung „Ungeschönt – schön“ liege eine „leise Melancholie“, sagte Dorothea Schrade am Sonntag. Eine Melancholie freilich, „getragen von Liebe und daher so berührend“.

Für ungewohnte, aber ebenfalls berührende Töne sorgte Susanne Hinkelbein mit ihrem Monochord. Die Musikerin und Komponistin aus Hohenstein entlockte dem massiven Instrument eine schier unglaubliche Klangvielfalt und umrahmte – sphärisch zart bis markdurchdringend – die Ausstellungseröffnung höchst eindrucksvoll.

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