Illegale Altkleidercontainer ärgern Kommunen, Kreis und Helfer

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Illegale Altkleidercontainer ärgern Kommunen, Kreis und Helfer (Foto: sz)
Hagen Schönherr und Bernd Treffler

In der Region sind offenbar mehrfach Altkleider-Sammelcontainer der umstrittenen Organisation „Babynotfallhilfe e.V. Familienhilfe Dortmund“ (BNH) aufgetaucht. Das meldet der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuz (DRK). DRK-Kreisgeschäftsführer Jörg Kuon warnt davor, in diesen Containern Kleiderspenden abzugeben: Erstens seien seriöse Hilfsorganisationen wie das DRK, die Johanniter, Malteser oder kirchliche Hilfsorganisationen dringend auf die Kleiderspenden angewiesen, zweitens ist unklar, was mit den Kleiderspenden der „Babynothilfe“ geschieht.

Kuon war unter anderem auf einem Privatgrundstück in der Nähe des ehemaligen „Burger King“ in Leutkirch einer der Container aufgefallen. Der Sammelcontainer war jenen des DRK zum Verwechseln ähnlich und trug die Aufschrift „Familiennothilfen“. Insgesamt waren dem Ordnungsamt der Stadt in den letzten Monaten laut Sprecher Thomas Stupka sogar vier ungenehmigte Container aufgefallen. „Es wurde daraufhin das Ordnungsamt und der Fachbereich Steuern und Abgaben aktiv und haben den Aufsteller aufgefordert diese Container wieder zu entfernen“, teilt Stupka mit. Kurz darauf seien die Container abtransportiert worden.

Auch in Wangen wurden Container der BNH gesichtet. Nach SZ-Informationen standen dort bis zum Montag mindestens zwei der Sammelcontainer. In Aitrach waren zwei weitere Container auf Privatgrundstücken abgestellt worden, laut Amtsleiter Roland Neumaier hat der Bauhof einen der Container nun zwischengelagert, nachdem das Aufstellunternehmen nicht erreichbar war. „Wenn ihn der Besitzer nicht abholt, geht der zum Alteisen“, sagte Neumaier gestern zur SZ. In den vergangenen Monaten waren nach SZ-Recherchen auch in anderen Teilen Oberschwabens, unter anderem in Biberach, Container der umstrittenen Organisation aufgetaucht.

Obwohl die Container also schon an verschiedenen Orten aufgetaucht sind, scheint sich der Kreis Ravensburg noch keines größeren Problems bewusst: „Näheres ist uns im Moment noch nicht bekannt.“, schreibt Franz Hirth, Sprecher des Kreises. Das Anzeigeverfahren für das Aufstellen solcher Container nach Kreislaufwirtschaftsgesetz sei schließlich „erst angelaufen“. Laut diesem Gesetz müssen Sammlungen grundsätzlich beim Landkreis oder bei den Kommunen angemeldet werden – das scheint noch nicht rund zu laufen.

Steigende Weltmarktpreise

Grund für das vermehrte Aufstellen der Container sind laut Hirth aber „die steigenden Weltmarktpreise für Altkleider“. Der Kreis will nun überlegen, ob eventuell ein Verwaltungsverfahren gegen die illegalen Kleidersammler in Frage komme, wie es der Kreis Biberach bereits am Montag eingeleitet hat. „Das ist derzeit noch in der Abstimmung“, schreibt Hirth dazu.

„Wir finanzieren wesentliche Teile unserer Arbeit mit Kleiderspenden“, sagte Kuon zur SZ. Er rät Bürgern daher, Altkleiderspenden nur bei Sammlungen des DRK, der Johanniter und Malteser sowie der kirchlichen Aktion Hoffnung abzugeben, die seit Jahren in der Region sammeln. Bei diesen Organisationen sei gesichert, dass die Spende einem guten Zweck diene. Grundsätzlich rät er zu Misstrauen, falls Container plötzlich an ungewohnten Orten auftauchen oder von unbekannten Organisationen stammen.

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