Hospizumbau schreitet voran

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 Hospiz-Besichtigungstermin im zukünftigen Wohnzimmer, von links: Tobias Bär (SES), Hans-Jörg Henle (OB), Peter Wittmann (SES),
Hospiz-Besichtigungstermin im zukünftigen Wohnzimmer, von links: Tobias Bär (SES), Hans-Jörg Henle (OB), Peter Wittmann (SES), Hubertus Buck (IKP) und Annette Köpfler (SES). (Foto: Sabine Ziegler)

„Wir sind zuversichtlich, dass wir den Termin 1. April einhalten können“, sagt Hubertus Buck von der Firma IKP, die als Vermieter und somit auch als Bauherr des ehemaligen Krankenhauses und Gebäudes an der Ottmannshofer Straße 44 für den Landkreis tätig ist. Beim Besichtigungstermin „Hospizbaustelle“, zu dem Stadt, Eigentümer sowie die St. Elisabeth-Stiftung (SES) eingeladen haben, konnten sich die Verantwortlichen ein Bild davon machen, wie es um die Umbaumaßnahmen bestellt ist. Rund 1,3 Millionen Euro kostet der laufende Umbau für die acht Hospizplätze. Die SES wird als Träger im zweiten Stock das künftige Hospiz betreiben, die ersten Gäste sollen Mitte April einziehen.

Der Blick von den Zimmern, die im Schnitt 20 Quadratmeter groß sind, geht ins Grüne, rüber zur Wilhelmshöhe. Die Serviceräume wie Küche, Wäscheräume und der Raum der Stille sind bereits im Rohbau erkennbar. Auch die Ärztin Brigitte Schuler-Kuon, die ihre Praxis im dritten Stock hat, ist froh, wenn es soweit ist. Sie leidet derzeit mit ihren Patienten, Kollegen und Mitarbeitern unter dem Baulärm und vor allem darunter, „dass ab und zu das Wasser abgestellt wird“. Zum Glück ist auch für sie „alles absehbar“. Zum „Tag der offenen Tür“ wird die Bevölkerung voraussichtlich im Frühjahr, kurz vor der Eröffnung, eingeladen.

Wichtig: Wohnlicher Charakter erhalten

Für Tobias Bär, den Leiter der Hospize bei der SES, beginnt jetzt eine andere Phase. „Wir hoffen, dass wir die örtlichen Ärzte mit ins Boot nehmen können“, sagt er. „Die Gespräche mit Mitarbeitern, den Ärzten und Kooperationspartnern laufen bereits.“ Und er ist zuversichtlich, „dass es hier schön wird für unsere Gäste.“ Den wohnlichen Charakter zu erhalten, sei der SES wichtig. Deshalb gibt es auf den insgesamt 640 Quadratmetern auch ein Wohnzimmer für die acht Gäste, das allein über 50 Quadratmeter groß ist und für das extra eine tragende Wand entfernt und eine neue Konstruktion geschaffen werden musste. Einen Balkon wird es dort auch geben. „Es ist nämlich nicht so“, sagt Bär, „dass unsere Gäste alle nur im Bett liegen, manche sind durchaus noch mobil – und schließlich raucht der ein oder andere auch.“ Er weiß, was gebraucht wird in der letzten Lebensphase vieler Menschen, die im Schnitt 26 Tage in einer solchen Einrichtung sind. Erfahrungen sammelt man derzeit in Biberach und Ravensburg, wo die SES bereits Hospize betreibt. In Biberach zum Beispiel werden, ebenfalls mit acht Plätzen, jährlich 84 Gäste betreut. Da mag es so manchen Gast und Besucher zusätzlich freuen, dass die Cafeteria im Erdgeschoss seit Kurzem wieder geöffnet hat.

Auch Annette Köpfler weiß als Leiterin der Altenhilfe bei der SES, worauf es ankommt. „Einen ganz lebendigen Ort wollen wir hier schaffen“, sagt sie. Dass das nicht nur für die Gäste und Mitarbeiter gelten soll, liegt ihr sehr am Herzen. „Auch eine gute Zusammenarbeit mit den regionalen Gruppen, wie der ambulanten Hospizgruppe, der Stadt und der Kirchengemeinde ist uns wichtig“, sagt sie. „Und natürlich sind wir immer auch auf ehrenamtliche Helfer angewiesen.“ Mindestens zwei Pflegefachkräfte und eine im Nachtdienst werden im neuen Hospiz ständig anwesend sein. Mehr als 20 Personen, teils auch in Teilzeitanstellung, werden in Hauswirtschaft, Service und Pflege dort künftig arbeiten.

Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle ist vor allem froh, „dass wir mit der SES jemanden gewinnen konnten, der große Erfahrung mit Hospizarbeit mitbringt.“ Und natürlich auch, dass der Leerstand im zweiten Stock des sogenannten „64-er Baus“ seit der Schließung des Krankenhauses im Jahr 2013 jetzt vorbei ist. „Wir hätten schon öfter vermieten können“, sagt er, „aber ein Hospiz ist für die ganze Raumschaft hier extrem wichtig.“

Glücklich ist er auch über die Zusage der Bürgerstiftung und vieler Leutkircher Unternehmen und Privatpersonen, sich am Abmangel von fünf Prozent der Kosten zu beteiligen. Denn der Aufenthalt im Hospiz soll für die Gäste kostenlos sein. 95 Prozent der Kosten werden von den Krankenkassen getragen, das Finanzierungsmodell sieht der Gesetzgeber vor. Die fünfprozentige Finanzierungslücke kann jährlich bis zu 100 000 Euro betragen, der Oberbürgermeister geht davon aus, „dass wir aber dank unserer örtlichen Unterstützer die Kosten vollständig decken können.“ Gespräche laufen derzeit viele zum Thema Hospiz. In Kürze wird die Entscheidung für die Leitung in Leutkirch fallen. Und auch einen Namen soll es in ein paar Wochen schon geben.

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