Hofkäserei zieht viele Besucher an

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Walter Schmid

Im überdachten Flur zwischen Stallgebäude und Hofkäserei im Kreuzbachthal, im „Tal des Schattens“ auf der Adelegg, hat es sich am vergangenen, glühend heißen Sonntag aushalten lassen. Mit den vielen Besuchern hatte beim Ziegenhof niemand gerechnet, die sind allenfalls am Eschacher Weiher zu suchen. Einige waren dennoch gekommen, um die neu gebaute Hofkäserei zu besichtigen.

„Im Juli beginnen wir unsere Demeter-Bio-Ziegenmilch zu Käse zu verarbeiten“, sagte Leona, Ehefrau des Bewirtschafters Oliver Post. Sie bediente die angekommenen Gäste mit Ziegensalami, selbst gebackenem Brot sowie marokkanischem Ziegeneintopf und schnitt schnell noch ihren Kirsch-Käse-Ziegenquarkkuchen in kleine Stücke. Posts Angestellter Tasilo Görden stand am Grill, bratete Ziegenbratwürste und -koteletts. Nebenher erzählte er, dass sich seit vielen Jahren verschiedene Initiativen im Bereich der Adelegg bemühen würden, die besondere Qualität der Bergregion zu erhalten. Eine dieser Initiativen sei das Ziegenprojekt der „Kreuzthaler Bürgerstiftung Kulturlandschaft Adelegg“.

Flächen die von der normalen Landwirtschaft nicht mehr bewirtschaftet sind, werden laut Görden von der Ziegenherde unter naturschutzrechtlichen Vorgaben gepflegt, offengehalten, Verbuschung und Bewaldung zurückgedrängt. Insgesamt würden durch den Ziegenhof 110 Hektar beweidet, davon 60 Hektar auf baden-württembergischem, 50 Hektar auf bayrischem Territorium. Ihre 60 Milchziegen würden jedes Jahr annähernd 120 Kitze „werfen“, weil Ziegen meistens Zwillinge zur Welt bringen.

Ein Großteil werde geschlachtet, als Fleisch und Wurst vermarktet. Sobald die Milch- und Käseproduktion beginnt, würden die Kitze nach circa acht Wochen abgenommen und sich dann auf der Weide ernähren. Die Mutterziegen könnten dann 280 bis 300 Tage lang gemolken werden, bis sie wieder Nachwuchs bekämen.Um die erfolgreiche Offenhaltung der Landschaft zu erreichen, werde im Sommerhalbjahr 150 Schumpen, also Jungrinder, in Pflege genommen, sagt Tasilo Görden. Sie fressen Gras und Kräuter, die Ziegen Gestrüpp, Sträucher, Dornengebüsch, Brombeerranken – all das, was Kühe nicht mögen.

Chef Oliver Post war den ganzen Vormittag bei der Heuernte, hat sich zuhause schnell noch frisch gemacht, dann konnte die offizielle Führung beginnen. Die eine Seite sei die Offenhaltung der typischen Adelegg-Landschaft, die andere Seite der Schutz und die Förderung der Artenvielfalt in Flora und Fauna. Deshalb dürften die Tiere keinesfalls immer und überall weiden. 60 Prozent der Südhänge seien zum Beispiel Biotope mit sehr hohem Schutzstatus. Zeiträume der Blüte und der Aussamung bestimmter Pflanzen und Kräuter müssten berücksichtigt werden. Unentbehrlicher Berater und Begleiter sei der Biologe Sepp Bauer, ehemaliger Kreisökologe des Landkreises Ravensburg.

Die Baulichkeiten und die fachliche Betreuung seien gefördert vom bayrischen und baden-württembergischen Naturschutzfond, erzählt Post. Damit sich aber der laufende Betrieb künftig selber trägt – und auch zwei Familien ernähren kann – müsse jetzt der nächste Baustein kommen: Die Hofkäserei, also die Milchverarbeitung vor Ort, die Käseherstellung und Eigenvermarktung. Oliver Post führte die Besucher durch den Melkstand, in dem zwölf Ziegen gleichzeitig gemolken werden können, ein „Kaskaten-Fressgitter-Melkstand“ mit einer ausgeklügelten, aber doch einfachen Mechanik.

Die abgenommene Bio-Milch in Demeter-Qualität wird in Edelstahlkannen in die Milchkammer getragen. Sie wird dorthin nicht gepumpt, damit die natürliche Struktur der Milch erhalten bleibt. Die Gruppe wurde weiter durch die Hygiene-Schleuse zur eigentlichen Käserei begleitet. Ab Juli solle es der Arbeitsraum der „Hofkäserin“ Leona Post sein. Sie habe sich jüngst zur Hofkäserin ausbilden lassen, erklärt ihr Ehemann stolz. Mit Ziegelsteinen wurde in den Berg hinein ein Gewölbekeller gebaut, in dem der Demeter-Ziegenkäse reifen kann.

Zum Hofraum hin befindet sich der kleine Verpackungsraum und der weit größere Verkaufsraum, in dem auch genug Platz für Sitzgelegenheiten mit der Möglichkeit der Verköstigung ist. Dieser soll jedoch erst im Frühjahr 2020 geöffnet werden. Post fand zum Abschluss der Führung noch Dankesworte an die vielen Sponsoren des Ziegenhofs. Namentlich nannte er die Spedition Dachser und den Lebensmittel-Händler Feneberg, die Landkreise Ravensburg und Oberallgäu sowie die umliegenden Städte, Gemeinden und Partner aus der regionalen Wirtschaft.

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