Highmatland-Macher erreichen die Zielgerade

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Bausa gilt neben Haftbefehl als Zugnummer.
Bausa gilt neben Haftbefehl als Zugnummer. (Foto: Juha)
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„Der Schwung ist wieder da“, meint Müller – zumindest für 2018. Zudem will er das Festival auch nicht nur auf „Haftbefehl“ reduziert sehen. Der Rapper Bausa, der noch am Vorabend in Berlin auftreten wird, sei seit seiner Single „Was du Liebe nennst“, ein Renner in der Szene.

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Von wegen nur Musik, Party und Halli-Galli auf der Leutkircher Wilhelmshöhe. „Das ist von Anfang an auch als soziales Projekt definiert gewesen“, sagt Dietmar Müller, der Leiter des Leutkircher Jugendhauses, über das Highmatland- Festival, das am letzten Juli-Wochenende zum dritten Mal Hip-Hop- und Rap-Interpreten samt deren Anhang ins Allgäu bringen wird. Nach zwei entspannten Jahren hatte sich vor wenigen Wochen heftige Kritik daran entzündet, dass als Top-Gast „Haftbefehl“ alias Aykut Anhan auftreten wird.

„Einfach war das alles nicht“, meint Dietmar Müller, und er denkt dabei vor allem auch an das Organisationsteam, das weitgehend freie Hand hatte bei der Zusammenstellung der Liste der Künstler. Vielleicht wäre „Haftbefehl“ auch gar nicht so sehr in den Blickpunkt geraten. Doch der Eklat nach der Vergabe der Echo-Preise in Berlin an die Rapper Farid Bang und Kollegah löste wegen derer provokanten und als antisemitisch eingestuften Texte Proteste aus, die sich auf Leutkirch ausweiteten. Auch in der Liste von Songs von „Haftbefehl“ finden sich Passagen, die als antisemitisch und gewaltverherrlichend eingestuft werden können.

Die finanzielle Absicherung für das „Highmatland“-Festival hat in den vergangenen Jahren eine „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ übernommen. Gottfried Härle und das Bürgerforum, zwei von vier Gesellschaftern, aber stiegen wegen „Haftbefehl“ aus. Berthold König und Michael Hetzer bekannten sich zu ihrem Engagement. Auch Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle stellte schnell klar, dass er politisch bedenkliche Texte beim Festival nicht dulden werde. Diese wird es am 28. Juli auch nicht geben. Laut Dietmar Müller hat sich „Haftbefehl“ per Vertrag verpflichtet, die aus den frühen Jahren seiner Karriere stammenden Stücke nicht aufzuführen. Längst seien diese Stücke nicht mehr in seinem Programm. Müller stellt sich zudem schützend vor die Jugendlichen, denen die Problematik sehr wohl bewusst sei.

So haben sie nach einigen Tagen der Enttäuschung über die harsche Kritik weiter gewerkelt und am Festival festgehalten. Rund 1000 Karten sind mittlerweile schon verkauft worden, trotz oder wegen Haftbefehl. Im Vorjahr seien es zu diesem Zeitpunkt noch deutlich weniger gewesen. Bis zu 4000 Menschen können auf der Wilhelmshöhe Platz finden. Zudem soll vor Ort für ein friedliches Zusammenleben geworben werden, durch Workshops, auch durch Diskussionen. So wird sich die Initiative „Demokratie leben“ einbringen, um das politische Bewusstsein zu stärken. Auch die Kunstschule Sauterleute bereitet ein Projekt vor.

„Der Schwung ist wieder da“, meint Müller – zumindest für 2018. Zudem will er das Festival auch nicht nur auf „Haftbefehl“ reduziert sehen. Der Rapper Bausa, der noch am Vorabend in Berlin auftreten wird, sei seit seiner Single „Was du Liebe nennst“, ein Renner in der Szene.

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