Highmatland-Festival lässt Hip-Hop-Herzen höher schlagen

Lesedauer: 9 Min
Redaktionsleiter

„Baby gib mir mehr von dem, was du Liebe nennst“ – diese Textpassage aus dem wohl bekanntesten Song des Rappers „Bausa“ erfüllt am späten Samstagabend die Leutkircher Wilhelmshöhe. Das Publikum singt lauthals mit, der Bass lässt die Körper vibrieren. Es ist einer der Höhepunkte der dritten Auflage des Highmatland-Festivals. Ein Großteil der fast 2000 jungen Besucher tobt.

Nicht nur in dieser Szene drehen viele der Hip-Hop-Fans im positiven Sinn durch. Einer der Gründe dafür ist der Rapper „Haftbefehl“, der als Hauptact den Puls vieler Jugendlicher in die Höhe treibt. Sein Auftritt hatte in den vergangenen Wochen für Diskussionen gesorgt. Per Vertrag sei festgehalten worden, dass der Musiker politisch bedenkliche Texte aus den früheren Jahren seiner Karriere auf der Wilhelmshöhe nicht zum Besten gibt.

Vertrag hin oder her: Seine Show verläuft – wie auch das gesamte Festival – friedlich und ohne nennenswerte Zwischenfälle. Von Hass oder Gewalt ist keine Spur. Anders sieht es in den Texten der Künstler aus, in denen diese Themen an einigen Stellen auftauchen. Der ausgelassenen Stimmung tut das allerdings keinen Abbruch: „Die Atmosphäre ist super“, sind sich beispielsweise Julia Gropper und Patrizia Schmid aus Memmingen einig. Mit diesem Feeling hätten sie im Vorfeld nicht gerechnet.

„Bausa“-Sprechchöre

Den Siedepunkt erreicht die Stimmung während der Performance von „Bausa“, dem „heimlichen Hauptact“ des Abends. „Der ist viel bekannter als Haftbefehl“, sagt einer der Besucher. Auch andere – beispielsweise Florian Krumpschmid aus Bad Waldsee – gestehen, dass sie hauptsächlich wegen „Bausa“ auf die Wilhelmshöhe gekommen waren. Wie beliebt der Rapper beim Publikum ist, wird zum ersten Mal deutlich, als er unmittelbar vor seinem Auftritt lautstark und vehement mit „Bausa“-Sprechchören empfangen wird.

Für Aufreger sorgt der Künstler dadurch, dass er „verrückte Mädels“ zum Tanzen auf die Bühne bittet, dass er unzählige Bierflaschen ans Publikum verteilt, dass er sein T-Shirt auszieht, und, dass er sich kurzerhand für einige Augenblicke ans Klavier setzt und ruhige, gefühlvolle Töne anstimmt. Sein Hit „Was du Liebe nennst“ hielt sich mehrere Wochen an der Spitze der Deutschen Single-Charts. Doch während seines Auftritts sorgt „Bausa“ auch für einen negativen Höhepunkt. So animiert er das Publikum zu Sprechchören, die sich gegen die Polizei richten.

Sprechchöre gibt’s auch, als mit „Haftbefehl“ der Hauptact des Festivals die Bühne betritt. Diese beschränken sich allerdings auf „Hafti“ – so wird er von einigen Fans liebevoll genannt. Für Begeisterung beim Publikum sorgt der Rapper mit Hits wie „Lasst die Affen aus’m Zoo“ oder „CopKKKilla“, die enthusiastisch mitgesungen und bejubelt werden. Besucher, die nicht zur typischen Rap-Handbewegung ansetzen, sind hier stark in der Unterzahl.

„Ahzumjot“ klatscht ab

„Ahzumjot war richtig gut“, sagt indes Ali Aricigil, der zum ersten Mal auf der Leutkircher Wilhelmshöhe zu Gast ist. Er meint damit den Künstler, der am früheren Abend das Publikum stark in seine Musik einbindet und zum Abschluss seines Auftritts mit den Fans in der ersten Reihe abklatscht. In diesen Augenblicken setzt Nieselregen ein, der einige Minuten später allerdings wieder verschwindet und nahezu ideales Wetter für die Hip-Hop-Fans hinterlässt.

Ebenfalls zum Line-up auf der Hauptbühne zählen: „Dexter“, „To Flyer“ und „Schlaraffenlandung“. Neu in diesem Jahr: eine Zeltbühne, auf der Newcomer die Chance erhalten, sich vor großem Publikum zu beweisen. Drei Gewinner eines Bandvotings treten hier in den Umbauphasen der Hauptbühne auf. Viele Besucher finden in dieser Phase – trotz stickiger Luft – den Weg in das Zelt. Auch die beliebte Aftershowparty mit den DJ’s Klangkunst, Vasco und Nomez steigt dort.

Abseits des Geschehens auf den Musikbühnen finden mehrere Aktionen pro Demokratie, Offenheit und Vielfalt statt. So trägt eine Vertreterin des Organisationsteams etwa ein Statement vor, in dem unter anderem Rassismus scharf verurteilt wird. „Macht euch stark für eine Heimat, in der wirklich alle gleich sind“, lautet eine von vielen Passagen. Das Publikum applaudiert. Am Nachmittag werden zudem Workshops von der Kunstschule Sauterleute und der Leutkircher Partnerschaft für Demokratie angeboten. So bringen Jugendliche mit unterschiedlichen Biografien beispielsweise ihre Lebensgeschichte auf Leinwände.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen