Hier spielt ein ganz Großer die Orgel

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 Professor Harald Feller – ein Großer seines Faches an der Orgel in St. Martin in Leutkirch.
Professor Harald Feller – ein Großer seines Faches an der Orgel in St. Martin in Leutkirch. (Foto: Bernd Guido Weber)
Bernd Guido Weber

Die Reihe „Orgelmatinee zur Marktzeit“ in der Kirche St. Martin bietet immer wieder Höhepunkte. Kein Wunder: Hier gastieren auch Organisten, die weltweit Konzerte geben, ausgewiesene Könner sind. So fantastisch wie das knapp einstündige Programm des Münchners Harald Feller ist es dennoch kaum je gewesen. Der Professor, bei dem auch Regionalkantor Franz Günthner studiert hat, ist ein Solitär der Szene. Genial.

Die Kirche ist bestens besucht, die Matinee hat ihre Fans und Freunde. Zurückschrecken muss beim Eintritt in St. Martin übrigens niemand mehr. Der neue Raum hinter dem Eingang wirkt transparent, freundlich, einladend. Beeindruckend ist die leicht überlebensgroße „Zuhörerin“ – eine sehr frauliche Figur aus Lehm, Stroh, pigmentiert. Sara Opic aus Augsburg-Haunstetten hat dieses Kunstwerk geschaffen. Tipp: Anschauen, wirken lassen!

Harald Feller eröffnet mit einer Fantasie von Johann Sebastian Bach, bringt danach drei der „Sechs Stücke in kanonischer Form op. 58“ von Robert Schumann. Selten zu hören, da schwierig. Hier zeigt Feller, wie zart, wie poetisch er intonieren kann. Bis hin zum vorwärtstragenden, bewegten Stück Nr. 5. Das „Adagio für die Flötenuhr“ von Ludwig van Beethoven in eigenem Arrangement erfreut als hübsches Schmankerl.

Für Orgel arrangiert hat Feller ebenso das „Notturno Nr. 3“ von Franz Liszt. Aus der Dunkelheit flirrend, zunächst kein Seelenbalsam für die friedliche Nacht. Um denn doch auf die Nacht einzustimmen, lange verhallend.

Einfach großartig, verblüffend, das eigene Werk des Professors: „Drei gregorianische Paraphrasen“ hat Feller zugrunde gelegt, „Salve regina“, „Puer natus est“ sowie „Dies irae“. Wer jetzt kunstvoll bearbeitete, schlicht-spirituelle Melodiebögen aus alter Zeit erwartet hat, liegt völlig daneben.

Feller kleidet die Motive in ein modernes Orgelfeuerwerk, hochvirtuos, manchmal ziemlich wild. Mit Klangfarben, die so bislang kein Organist aus der Orgel in St. Martin geholt hat. Bemerkenswerte Töne. „Dies irae“, der „Tag des Zorns“ vor dem Jüngsten Gericht, ist ein hochenergetischer Hammer. Finale furioso zur Endzeit. Whow!

Die Mittagsglocken läuten. Aber so kann man eigentlich keine Zuhörerinnen und Zuhörer in den schönen Sommertag entlassen. Feller improvisiert, als Zugabe, in sprühenden Farben. Rauschender Beifall.

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