Hans J. Huber und Franz Günthner eröffnen die „Orgelmatinee zur Marktzeit 2019“

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Bernd Guido Weber

Nach dem ersten diesjährigen Konzert der Reihe „Orgelmatinee zur Marktzeit“ hat es viel Beifall gegeben. Zu Recht: Trompeter Hans Jürgen Huber hat mit seinem Freund, dem Regionalkantor Franz Günthner Orgel), ein prächtiges Konzert gespielt. Die Zugabe klingt bekannt, sehr bekannt sogar: Es ist das Hauptthema des Preludiums vom Te Deum des Komponisten Marc-Anoine Charpentier. Seit über 60 Jahren als „Eurovisions-Melodie“ in aller Ohren.

Überrascht sind viele der Besucher beim Betreten der Kirche St. Martin. Das Projekt „Denkraum“ nimmt Gestalt an. Die hinteren Kirchenbänke sind abgebaut und eingelagert, jetzt steht der erhöhte Unterbau dieses neuen, bald transparent abgeteilten Raums, der spirituellen Zwecken dienen soll, aber auch als „Eventraum“ für künstlerische Ausstellungen. Oder was immer der Kirchengemeinde dazu einfallen wird. Die Meinungen dazu sind kontrovers, doch keine Bange: Zu Hochfesten der Kirche - wenn St. Martin tatsächlich voll ist – kann das neue Podium geöffnet und bestuhlt werden. In Stein gemeißelt ist hier gar nichts. Zum Jahresende wollen die Kirchengremin ein Resümee ziehen, entscheiden, ob dieser neue Raum bleibt, verändert wird, oder wieder abgebaut wird.

Meistertrompeter Huber und Orgelvirtuose Günthner eröffnen festlich, strahlend, mit dem ersten Satz aus dem Concerto G-Dur von Johann Sebastian Bach. Das zweite Stück stammt von Charles Marie Widor, der vor 175 Jahren geboren ist. Ein mächtiges, anschwellendes Werk, mit schönen Läufen, einem opulenten, lang anhaltendem Schlussakkord. Der Organist beeindruckt hier auch mit flinker Fußarbeit, tänzerisch wie Fred Astair. Dies können die zahlreichen Musikfreunde auch optisch nachvollziehen – das Team um Hans Hellmann überträgt wieder mit drei Videokameras auf die große Leinwand im Chorraum. Am wirkungsvollsten sind die Bilder dann, wenn sie nicht gesplittet sind, das wirkt stellenweise etwas unruhig, und die ganze Ansicht zeigen.

Bei Bachs Choralbearbeitung „Was Gott tut, ist wohl getan“ übernimmt die Trompete geschmeidig die Melodie. Bei der bekannten Weise „Jesus bleibt meine Freude“, ebenfalls von J.S. Bach, trägt die Trompete ebenfalls das Thema, während Günthner genussvoll filigran aufspielt, mit schönen, zarten Registern.

Eugen Gigout ist wie Widor vor 175 Jahren geboren, Günthner bringt ihm zu Ehren die Toccata. Diese hat der Fanzose aus Nancy durchaus gewagt angelegt, mit repititiven Anklängen. Seiner Zeit weit voraus.

Georg Philip Telemann ist ja auch als fröhlich-unterhaltender Komponist bekannt, eingängig und leuchtend. Beim „Concerto für Trompete und Orgel in B-Dur“ berührt vor allem die „Sicilienne“ innig. Telemanns Konzertsonate D-Dur ist naturgemäß noch strahlender, hier gefallen besonders das Largo mit interessanten Klangfarben der Orgel. Das abschließende Allegro ist ebenso flott wie festlich, bis in die höchsten Höhen. Erfreut das Gemüt, lässt auch das Kopfkino anspringen. Bravo.

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