Fliegendes Motorrad soll die Zukunft sein

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Blieb gestern auf dem Boden: der neu entwickelte Trixformer. (Foto: Fotos: johanna röttig)
Schwäbische Zeitung
Johanna Röttig

Fluggeräte, die auch auf Straßen fahren können, gibt es schon lange, aber sie sind sperrig und eigentlich nicht für den Straßenverkehr geeignet. Der Trixformer hingegen ist ein Bausteinkonzept, bei welchem ein elektrisches Motorrad (Trixcycle) das Kernstück des Systems bildet. Der Erfinder des „Konzepts der Zukunft“, Rainer Farrag, betont allerdings, dass es nicht nur als „fliegendes Motorrad“ gesehen werden dürfe.

„Es ist ein Zukunftssystem für die Personenbeförderung.“ Zudem sei der Trixformer flexibel einsetzbar: Je nach Einsatzzweck könne an das Motorrad ein Tragschrauber, ein Flugzeug, ein Hubschrauber oder ein Boot angedockt werden. Das System ermöglicht also jedem, der im Besitz eines entsprechenden Führerscheins ist, absolute Mobilität zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Der Grundgedanke sei gewesen, alle Ansprüche mit diesem System zu erfüllen. Der Vorteil des Bausteinkonzepts liege darin, dass alles, was angedockt wird, vor Ort bleibe, und die An- und Rückfahrt nur mit dem kompakten Elektromotorrad möglich sei, erklärt Rainer Farrag.

Bei der Präsentation des Trixformers am Mittwoch auf dem Flugplatz in Unterzeil wurde demonstriert, wie leicht das Andocken funktioniert und dass der Vorgang komplett ohne Werkzeug möglich ist. Jeder, der wollte, durfte eine Probefahrt auf dem Elektromotorrad wagen, das immerhin eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern erreicht. Die Basis des Trixformers habe eine Reichweite von 120Kilometern, wenn man sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern fortbewegt, so Farrag. Der Akku lasse sich aber dann schnell wieder aufladen: In 20 Minuten erreiche er eine Ladung von 70 Prozent.

Die Flugshow, auf die alle gespannt gewartet hatten, musste zu Farrags tiefem Bedauern leider ausfallen. Der Prototyp des Trixfomers hatte wohl Lampenfieber und erhob sich aufgrund von Problemen an der Bremse nicht in die Lüfte. Bei den Proben am Vortag habe alles noch einwandfrei funktioniert, sagte der Entwickler zutiefst betrübt. „Ich könnte heulen.“

Trotz der Panne sieht Farrag im Trixformer ein Konzept der Personenbeförderung für die Zukunft, das im Alltag zum Einsatz kommen soll. „Das Motorrad hat viele Vorteile. Man muss beispielsweise keinen Helm tragen, weil man sich anschnallen kann, und auch kleine Kinder können sicher befördert werden.“ Der Bordcomputer stelle sich auf die jeweilige Nutzung ein und zeige, je nach dem, welches Element angedockt ist, die jeweiligen Informationen an. „Wir haben dafür eine spezielle Software entwickelt“, erläutert der Erfinder.

Limitierte Stückzahl

Für die Zukunft stellt sich Farrag vor, dass die Motorräder auch auf Eisenbahnwaggons andocken können und so in ganz normalen Personenzügen mitgenommen werden sollen. Die Konstruktion dafür sei schon komplett fertig. „Jetzt muss nur noch die Bahn einen Markt dafür sehen.“ Im Moment gibt es lediglich eine limitierte Stückzahl des Vehikels, da die Produktion in kleiner Stückzahl „enorm teuer“ sei.

Deshalb wolle der Gründer der Firma Trixy Aviation sein Konzept für die Automobilindustrie gegen eine kleine Lizenzgebühr freigeben. Er habe den Trixformer aber entwickelt, um den Menschen zu helfen, und nicht, um Geld zu verdienen, stellt Farrag klar. „Sicher will ich meine Kosten wieder reinholen, aber es sollen alle davon profitieren, das ist die Hauptsache.“

Das „fliegende Motorrad“ soll auch auf der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen, die vom 9. bis 12.April stattfindet, ausgestellt werden. Das Gefährt im Wert eines Kleinwagens (etwa 11000 Euro) wurde in Unterzeil vorgestellt, da es auf der Aero nicht fliegen darf und der Flughafen Unterzeil günstig zum Herkunftsort des Erfinders, Dornbirn, sowie dem Aero-Messeort Friedrichshafen liegt.

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