Festhalten an der Freundschaft

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Erst im April wehten in den Partnerstädten Leutkircher Fahnen, um die Freundschaft zu dokumentieren.
Erst im April wehten in den Partnerstädten Leutkircher Fahnen, um die Freundschaft zu dokumentieren. (Foto: Center)
Redaktionsleiter

Die deutsch-französische Freundschaft wird in Leutkirch hochgehalten. Deshalb auch wird begrüßt, dass sich bei den Präsidentschaftswahlen zumindest im zweiten Wahlgang der Europa-Befürworter Emmanuel Macron gegen die rechtsextreme Marie Le Pen durchgesetzt hat. Doch in den drei Partnerstädten lagen die beiden nicht weit auseinander. Und im ersten Wahlgang hatten überall die europakritischen Lager dominiert.

„Ich bin erst einmal erleichtert“, sagt Susanne Joser-Schmidt, die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, am Montag. Ein Frankreich unter Führung einer so radikal ausgerichteten Frau wie Marie Le Pen, die Leutkircherin hätte sich damit schwer abfinden können. „Natürlich bin ich froh“, gibt Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle zu. Auch ihn hatten die Ergebnisse des ersten Wahlgangs landesweit und insbesondere in den drei Partnerstädten „betroffen gemacht“. So verwunderlich kam das starke Abschneiden der radikalen Kräfte im rechten wie im linken Spektrum für Henle nicht: „Diese Wahlen waren auch ein Beleg für das Scheitern der klassischen politischen Lager.“ Macron, der Hoffnungsträger, stehe nun vor der schwierigen Aufgabe, eine parlamentarische Basis für seinen Kurs aufzubauen. „Die Probleme gerade in Südfrankreich sind ja mit seinem Sieg nicht aus der Welt geschafft“, hält Henle fest.

Susanne Joser-Schmidt, am Montag war sie pikanterweise gerade mit Korrekturen des Französisch-Abiturs beschäftigt, kennt das Nachbarland und die Partnerstädte genau. In Jean-Pierre Calas trifft sie, ob in Leutkirch, ob in Südfrankreich, regelmäßig den Vorsitzenden eines Partnerschaftskomitees, der sich vorbehaltlos zur europäischen Idee und zur Freundschaft mit Deutschland bekennt. Denn das ist ein Punkt, der Susanne Joser-Schmidt während der Kampagne von Marie Le Pen besonders zu schaffen gemacht hat. „Es ist unfassbar, wie leicht es wieder geworden ist, Stimmung gegen Deutschland zu schüren.“ Die Leutkircherin benutzt sogar den Begriff Hass.

„Eine wunderbare Geschichte“

Dabei lebt doch die „Jumelage“ mit den drei Partnergemeinden in Südfrankreich. Lamalou, Bédarieux und Hérépian waren erst Anfang April Ziel einer Reise des Partnerschaftsvereins. Bei diesen Treffen und Begegnungen, das gibt Joser-Schmidt zu, kommen die Allgäuer Abordnungen aber nun mal mit Gesprächspartnern zusammen, die den Wert dieser Freundschaft schätzen, die Europa nicht generell infrage stellen. „Das ist doch eine wunderbare Geschichte“, sagt Joser-Schmidt, und sie verweist darauf, dass der Partnerschaftsverein schon im Oktober 2017 wieder zu einer deutschen Woche nach Südfrankreich aufbrechen wird. Auch Hans-Jörg Henle will dann dabei sein. Flagge zeigen, für den Frieden und den europäischen Gedanken wollen beide vor Ort werben.

Aber sie wissen auch um die gravierenden wirtschaftlichen Probleme in Südfrankreich. Hohe Jugendarbeitslosigkeit. Misstrauen in die etablierten Parteien, Konservative wie auch Sozialisten. „Das alles macht es radikalen Kräften einfacher, Stimmung zu machen“, sagt Joser-Schmidt. Das lässt sich aus den aktuellen Ergebnissen ablesen. In Lamalou kam Macron am Sonntag auf 58,1 und Le Pen auf 41,9 Prozent der gewerteten Stimmen. 55,7 für Macron, 44,3 für Le Pen lautete das Ergebnis in Bédarieux. In Hérépian aber lag auch in der Stichwahl die Frau vom „Front National“ mit 51,3 Prozent vor Macron (48,7 Prozent), der es in der ersten Runde in keiner der Städte über Rang drei hinaus gebracht hatte.

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