„Fantasie ist beim Schreiben enorm wichtig“

Lesedauer: 4 Min
Mehr als zehn Jahre lang hat Imre Török an seinem neuesten Buch geschrieben. (Foto: Gaile)
Schwäbische Zeitung
Marita Gaile

Für manchen ist Bücher lesen eine lästige Pflicht, andere lieben es. Wie viele Reisen, Ideenreichtum und Recherchen allerdings dazu notwendig sind, einen lesbaren Text zu Papier zu bringen, davon berichtete Schriftsteller, Dozent und Übersetzer Imre Török am Mittwoch bei einem literarischen Abend im historischen Sitzungssaal des Leutkircher Rathauses.

Török schreibt derzeit wieder an einem Buch und leitet seit September 2013 an der Otl-Aicher-Realschule ein Projekt der Bundeskulturstiftung und der Schriftstellervereinigung PEN, an dem Siebtklässler teilnehmen. Er erklärte, dass ein Buchautor sehr viel reisen muss, um überhaupt von der Schriftstellerei leben zu können. „Das kostet viel Kraft und die Zeit fehlt auch wieder beim Schreiben“, so Török.

Um den Rahmen des literarischen Abends nicht sprengen, ging der Autor nur auf Bücher ein, die in den vergangenen drei Jahren entstanden sind. Er informierte darüber, dass er grundsätzlich an zwei verschiedenen Arten von Büchern schreibt. Zum einen sind dies Auftragsarbeiten wie Fotobücher, mit Bildern berühmter Fotografen, zu denen Török sich seine eigenen Gedanken macht. Zum anderen sind dies die Werke, in denen der Schriftsteller seine eigenen Ideen verarbeitet.

Immer wieder las Török am Mittwoch aus den verschiedenen Büchern kurze Passagen vor. Gestochen scharf betonte der gebürtige Ungar jedes Wort, akzentuierte, setzte gekonnt Pausen und vermittelte so dem Publikum kleine Häppchen seines Könnens. Fantasie sei ihm enorm wichtig, berichtete Török und erzählte von seinen Kontakten zur Türkei und den gemachten Erfahrungen beim Übersetzung türkischer Lyrik. „Meine Lebenserfahrung beinhaltet auch Dinge, die nicht so prickelnd waren“, erzählte Török weiter. Damit spielte er auf seine Jugendzeit im stalinistischen Ungarn an und auf seine Eltern, die nicht regierungskonform dachten.

Diese Erinnerungen verarbeitete der Schriftsteller in seinem Roman „Insel der Elefanten“, einer Familiensaga. Einen Roman zu schreiben sei schwierig, da dazu ein langer Atem benötigt werde, erklärte Török. Auch sein neuestes Buch „Briefe aus dem siebten Himmel“ irritiert daher schon allein vom Titel her, denn die Texte in diesem Buch bewegen sich zwischen höchster Glückseligkeit und Vergänglichkeit, schildern sie doch die Träume und Empfindungen von Kindern, die ermordet wurden. Mehr als zehn Jahre dauerte die Fertigstellung des Buches, wobei Török allein 18 Monate darauf verwendete, seinen Worten den letzten Schliff zu geben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen