Fachfrau wirbt für Vielfalt im Garten

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Simone Kern wirbt bei ihrem Vortrag im Cubus für naturnahe Bepflanzung - auch im öffentlichen Raum.
Simone Kern wirbt bei ihrem Vortrag im Cubus für naturnahe Bepflanzung - auch im öffentlichen Raum. (Foto: SCE)
Sabine Centner

Da kann Leutkirch und dem ganzen Landkreis Ravensburg ja was blühen: 3716 Haushalte haben kostenloses Saatgut im Rahmen der Aktion „Blühender Landkreis“ bestellt. Am 11. April soll die Auslieferung beginnen. 80 000 Quadratmeter neue Blühfläche werden dann aus den Sämlingen entstehen – zum Nutzen von Bienen, Schmetterlingen und zahlreichen weiteren Insektenarten, die vom Artensterben bedroht sind.

Die 2018 von Umweltkreis, Stadt und der Elobau-Stiftung gestartete Aktion „Leutkirch blüht auf“ hat „Fahrt aufgenommen und ist zu etwas Großem geworden“, zeigt sich Peter Aulmann von der Elobau-Stiftung erfreut darüber, dass heuer der Kreis Ravensburg in die Blühkampagne eingestiegen ist. Mit Infoveranstaltungen wird derzeit vielerorts für die Bürgeraktion geworben. Am Montagabend auch in Leutkirch: Landschaftsarchitektin und Buchautorin Simone Kern berichtete in der (fast) voll besetzten Mensa im Cubus darüber, was jeder Einzelne tun kann, um aus seinem Garten ein Paradies für Bienen und Hummeln zu machen. „Mein Garten summt“, so ihr Thema – ein Motto, das die Lust auf eine naturgemäße Gartengestaltung beflügeln will.

Biomasse an Insekten um 75 Prozent zurückgegangen

Denn die tut Not. Steinhecken, Schotterflächen und robotergemähter Kurzrasen sorgen dafür, dass es in vielen Gärten nicht mehr summt. Landwirtschaftliche Monokulturen und Pestizide tun ein Übriges. „Die Biomasse der Insekten ist in den vergangenen 25 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen“, zitierte Simone Kern Zahlen aus der sogenannten Krefelder Studie. Andererseits sind „70 Prozent unserer pflanzlichen Nahrungsmittel auf Bestäubung angewiesen“, macht die Fachfrau klar und warnt: „In Deutschland gibt es nur noch zwei Prozent artenreiche Wiesen.“ Will heißen, das Nahrungsangebot für Insekten ist lebensbedrohlich knapp.

Umso wichtiger deshalb, dass der heimische Garten einen entsprechenden Lebensraum bietet. Nicht zuletzt für die Wildbienen. Einzelgänger seien das, ohne Volk also, deren 570 unterschiedliche Arten immerhin zwei Drittel der gesamten Bestäubungsleistung übernehmen. Was sie fürs Überleben brauchen, sind nektar- und pollenreiche Pflanzen, am besten einheimische. Simone Kern nennt Beispiele: Kornelkirschen statt Forsythien („mit denen kann die heimische Insektenwelt gar nichts anfangen“), ungefüllte statt gefüllter Rosen (weil letztere keine Pollen bieten), Wildpflanzen wie selbst aussamende Krokusse und andere Zwiebelpflanzen. Auch schnell wachsende Weiden oder Akeleien, die aus Fugen und Ritzen sprießen, sollte der Hobbygärtner nicht verbannen.

Kern wirbt für Vielfalt und gärtnerische Toleranz, nicht zuletzt auch gegenüber den ungeliebten Brennnesseln: Die Raupen des Tagpfauenauges ernährten sich nämlich ausschließlich von ihnen, macht sie deutlich. Überhaupt sollte ein Garten nicht so furchtbar aufgeräumt sein: Totholz, verblühte Stauden, ein Stein- oder Sandhaufen, übrig gebliebene Früchte auf den Bäumen – all dies biete Lebensraum und Nahrung für Insekten.

Unterstützung bekommt Kern dabei von Karin Wiesmann-Eberhardt, der Naturschutzbeauftragten für den Raum Leutkirch. Auch sie bedauerte das großflächige Verschwinden von Blühpflanzen und hofft, ebenso wie Peter Aulmann und Walter Sieger, am Montagabend als Vertreter des Landratsamtes Ravensburg im Cubus dabei, auf den Erfolg der Aktion „Blühender Landkreis“. 80 000 Quadratmeter blühender Flächen: neuer Lebensraum für Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind – und wunderbarer Anblick für den Betrachter.

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