Fünftes Bocksaal-Festival in Leutkirch ist ein Rockabend mit viel Höhen und nur wenigen Tiefen

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 Das Johnny-Cash-Tribute war sehr hörenswert.
Das Johnny-Cash-Tribute war sehr hörenswert. (Foto: Stefanie Waller-Morgenschweis)
Rolf Schneider
Redakteur

Es ist ein Wagnis, ein Rockfestival im Bocksaal abzuhalten, während zeitgleich auf dem Gänsbühl der Weihnachtsmarkt-Wahnsinn tobt. Und es ist ein Wagnis, so unterschiedliche Stilrichtungen wie Post-Punk (The Cure), Bajuwaren-Rock (Spider Murphy Gang), Allzeit-Gassenhauer (The Queen) und Folk-Musiklegenden (Johnny Cash) zu einem überaus bunten Abend zusammen zu rühren. Das kann ins Auge gehen. Oder ins Ohr.

Fabian Mroz, der am Samstag bereits zum fünften Mal das Bocksaal-Festival „Best of Tribute“ ausrichtete, wagte – und gewann. Sowohl beim „Cure“-Intro mit „Boys Don’t Cry“, vor allem aber des dritten Teils wegen, als nach dem Motto „weniger ist mehr“ lediglich zwei schwarz gekleidete Musiker auf der Bühne standen und Johnny Cash interpretierten. Das kann einfach sein oder gut. In diesem Fall war es einfach gut.

Der Sänger Andreas Kindermann überzeugte rundherum und wie er die Ohrwürmer „When the Man Comes Around“, den „Lonesome Prison Blues“ und natürlich „Ring of Fire“ spielte und intonierte – das hatte schlichtweg große Klasse. Manche Sachen kann man, wen sie so gekonnt interpretierte werden, immer und immer wieder hören. Manche Sachen.

Ob das auch auf die überaus gut abgehangenen Hits der Spider Murphy Gang zutrifft, sei dahingestellt. Kassiererin Steffi aus Oberstdorf eröffnete den bajuwarischen Konzertteil am orangenen Bass mit dem kennzeichnenden Titel „Mir san a bairische Band“, dem sie flugs das ebenfalls sattsam bekannte „Schickeria“ hinterherschickte. Sehr eingängig dann Steffis Interpretation von „Frosch im Hals und Schwammerl in den Knie“, sehr gewöhnungsbedürftig dafür hinterher die Lyrik-Einlage von Magnus Heinze: „Ich schau in Deine Augen wenn ich so einsam bin.“ Gut, dass wir darüber gesungen haben.

Und was macht man, wenn man einsam ist? Exakt, man kramt eine Telefonnummer heraus und ruft jemand an, der sich am anderen Ende mit „Rosi“ meldet , wenn er sich nicht gerade auf der Straße die Füße platt gestanden hat. „Skandal im Sperrbezirk!“ ist auch nach Jahrzehnten noch immer ein publikumswirksamer Kracher, vor allem wenn er mit staunenswertem Umhänge-Keyboard präsentiert wird.

Der Höhepunkt des Abends sollte dann natürlich – vor allem angesichts des aktuellen Kinohits „Bohemian Rhapsody“ – der Queen-Tribute sein, bei dem Sänger Magnus Heinze, sein wirkliches Können zeigte und schon bei „The Show Must Go On“ den vielzitierten Funken überspringen ließ. Angesichts des übergroßen Fundus an Welthits kann man als Queen-Interpret eigentlich nicht viel falsch machen und die Band mit der „Ausnahme-Gitarristin“ (Ankündigungstext) Yasi Hofer (wirklich prima) machte auch nichts falsch, vor allem „Crazy Little Thing Called Love“ brachte das – überschaubare – Publikum in Wallung und „Under Pressure“ überzeugte voll und ganz.

Schluss und Höhepunkt des „Best of“-Abends dann – nicht sonderlich überraschend – „We are the Champions“, zu dem auch das verehrte Publikum auf die Bühne gebeten wurde. Es gibt Allzeit-Hits, die sind nahezu zu Tode gespielt worden und die Champions hören sich, von wem auch immer interpretiert, wirklich ein bisschen abgenutzt an – aber die Leute mögen’s halt immer noch. Und das Publikum hat immer recht.

Fazit: Eine überaus vergnügliche, unterhaltsame und teilweise auch richtig gute zweieinhalb Stunden Festival-Stimmung, nach denen man mit Rhythmus im Ohr und Johnny Cash im Herzen beschwingt den Heimweg antrat, gerüstet für alle kommenden Weihnachtsmärkte.

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