Exotisch und weltmusikalisch

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Die Jazz Spirit Combo belebte den Museumshof mit sommerlichem Ethno-Jazz. (Foto: Babette Caesar)
Schwäbische Zeitung
Babette Caesar

Sommerlichen Ethno-Jazz haben die Besucher bei Jazz im Museumshof als Veranstaltung der Volkshochschule Leutkirch am Mittwoch geschnuppert. „Habt einen schönen Abend mit uns, wir sind die Jazz Spirit Combo“, begrüßte Sängerin Lana-Christina Thormählen die Gäste, die diesen Leutkircher Sommerjazz ohne Bangen und Hoffen unter freiem Himmel genießen konnten. Ein instrumental versiertes Ensemble, das auf dem Parkett von improvisierten Klangräumen zu Hause ist, das mühelos klassisch Jazziges mit Funk und Blues verbindet, dessen vibrierender und nachhallend sphärischer Sound eine meditative und bisweilen rockige Stimmung hervorbrachte. Sanfte gedämpfte Trompetensoli aus der Kehle von Kuno Seebaß korrespondierten mit den Riffs von Add Ravens E-Gitarre. Den Rhythmus am Kontrabass übernahm Tiny Schmauch neben Drummer Matthias Jakob, der sich für den virtuellen Gang in die Wüste an eine Trommel nigerianischen Ursprungs namens Udu begab. Die Musiker erzeugten zusammen mit Multiinstrumentalist André Müller Sehnsuchtsgefühl von Weite und Unbeschwertheit.

Esoterisch gaben sich die von Lana Thormählen gelesenen Texte in einer Huldigung an Mutter Erde und dem Wunsch, mit der Welt in Einklang zu kommen – konkret, den Tag so zu leben als wäre es der letzte in einer Rockversion und mit einer Stimme, die Zeit brauchte, bis sie gesanglich ihre Mitte fand. Gehaucht und einfühlsam im Liedtitel „Goldenes Land“, vokal performerisch im Duett mit Seebaß‘ Trompetensolo.

Combo ist übersinnliches Ganzes

Eindeutig am Puls von Rhythmus und dem, was sich fließend nennt, bewegte sich dessen Band. Mehr durch Intuition, der es sich offensichtlich zu folgen lohnt, ist Seebaß nach und nach auf die Musiker gestoßen, wie er erzählte. Auf André Müller, weil er ihn seinem inneren Aufruf nachkommend, im Auto einfach angesprochen habe, oder Lana, die er mehr als zehn Jahre lang nicht gesehen hat und dann eher aus Versehen sein Handy ihre Nummer wählte.

Unter diesem Motto des Strömenlassens steht der inspirierende Musikstil der Combo, für die vor allem Keyboarder, Saxophonist und Flötist Müller textet und komponiert. Auch sein nachdenklich gestimmtes „Lost Child“, dessen ebenso wärmende wie traurig machende Melodie die Zuhörer auf eine Reise unbekannten Ziels mitnahm. Deren harmonische Getragenheit Schlagzeug und E-Gitarre rhythmisch weiteten hinüber in eine sphärisch andere Welt, aber stets das Bild des Kindes vor Augen habend. Diese ehrliche musikalische Sprache überzeugte genauso in ihrem energetischem „Flow“, in dem Soli für Soli zusammenfloss und in einem großen übersinnlichen Ganzen aufging.

Der nächste Leutkircher Sommerjazz im Museumshof Bockgebäude, Am Gänsbühl 9, ist am Mittwoch, 17. Juli, um 20 Uhr. Es spielt Antonio Koudéle´s Aventura Cubana. Kartenvorverkauf beim Touristinfo Leutkirch, Marktstraße 32, unter Telefon 07561/87154 und im Internet unter www.leutkirch.de .

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