European Energy Award in Gold für Leutkirch und Isny

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 Dass über ein Drittel des Leutkircher Strombedarfs laut Ministerium vor Ort regenerativ aus Sonne, Wasser und Biomasse erzeugt
Dass über ein Drittel des Leutkircher Strombedarfs laut Ministerium vor Ort regenerativ aus Sonne, Wasser und Biomasse erzeugt wird, war mitentscheidend für die Auszeichnung. Das Bild zeigt die Solarparks westlich von Leutkirch auf der Haid. (Foto: Heinz Mauch)
Redakteur Leutkirch

Die beiden Allgäu-Städte Leutkirch und Isny gehören zu sechs Gemeinden in Baden-Württemberg, die für ihre lokale Klimaschutzpolitik mit dem „European Energie Award (EEA)“ in Gold ausgezeichnet worden sind. Verliehen wurde der Preis diesen Montag in Tübingen von Umweltminister Franz Untersteller.

„Das ist eine ganz besondere Auszeichnung“, freut sich Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle. Er sei froh, dass man es trotz verschärfter Anforderungen wieder geschafft habe, die höchste Stufe zu erreichen. Dass Ziel, dieses Niveau dauerhaft zu halten, sei schon 2011 beschlossen worden. Grundlage für diesen Erfolg sei, dass in der Leutkircher Kommunalpolitik seit vielen Jahren ein besonderer Wert auf den Klimaschutz gelegt werde, erklärt Henle.

Lob für Engagement

Das würdigt auch die Klima- und Energieschutzagentur Baden-Württemberg (KEA), die im Auftrag des Ministeriums teilnehmende Kommunen berät: „Nicht erst seit die Energiewende zu einem Begriff wurde, engagieren sich in Leutkirch im Allgäu alle gemeinsam für eine klimafreundliche, nachhaltige Entwicklung. Dazu gehören die Stadtverwaltung, verschiedene Gruppierungen wie der Umweltkreis, das Energiebündnis und die Energiegenossenschaft sowie örtliche Unternehmen“, beschreibt die KEA das Leutkircher Engagement. Bürger und Betriebe würden die Energiewende seit Jahren vor Ort umsetzen. Auch Henle betont, dass viele an dieser Arbeit beteiligt sind. Die erneute Auszeichnung als „EEA-Gold-Stadt“ sei eine Bestätigung dieser kontinuierlichen Arbeit.

Die KEA hebt unter anderem hervor, dass alle großen Leutkircher Schulgebäude mit einer modernen Gebäudeleittechnik ausgestattet sind. Am südlichen Stadtrand sei außerdem auf Basis von Holz und Abwärme einer Biogasanlage ein großes Nahwärmenetz entstanden, das gerade erweitert werde. „Über ein Drittel des Leutkircher Strombedarfs wird vor Ort regenerativ aus Sonne, Wasser und Biomasse erzeugt. Vor wenigen Wochen ging ein dritter Solarpark ans Netz“, zählt die KEA Erfolge des Leutkircher Engagements weiter auf. Dazu gehören aus Sicht der KEA auch das Forschungsprojekt „KERNiG“, bei dem sich die Stadt und die Bürgerschaft mit den Umwelt- und Klimaauswirkungen im Themenfeld „Ernährung" beschäftigten, sowie das Konzept „Nachhaltig mobil im ländlichen Raum“.

Isny verteidigt Gold-Titel

Auch Isny bekommt zum zweiten Mal nach 2014 Gold bei der Zertifizierung. „Nicht nur die Olympischen Spiele finden alle vier Jahre statt, sondern auch die Zertifizierung zum EEA. Die Stadt Isny hat hier dank REFI (Regionales Energieforum), FEGI (Freie Energiegenossenschaft Isny), BEI (Bioenergie Isny) und vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern den Gold-Titel von vor vier Jahren mit einer Steigerung erfolgreich verteidigt“, freut sich Bürgermeister Rainer Magenreuter.

Zu den Leuchtturmprojekten dieser Klimaschutzpolitik gehöre laut KEA unter anderem die Gründung der BEI im Jahr 2012, die mit einem Hackschnitzelheizwerk Teile der Stadt mit Nahwärme versorge. Außerdem seien die meisten städtischen Gebäude, darunter Schulen, Turnhallen und Rathaus, bereits an die Nahwärme angeschlossen.

„Isny hat einen deutschlandweit vorbildlichen öffentlichen Nahverkehr und als einzige Stadt Deutschlands ohne Bahnanschluss einen sehr gut frequentierten Bahnschalter, den die Stadt mitfinanziert. Car-Sharing und ein Radwegekonzept ergänzen die umweltfreundliche Mobilität“, erklärt die KEA ergänzend.

„Was mich stolz macht an der EEA-Gold-Verleihung für Isny, ist die vernetzte, parteiübergreifende und privat- wie auch kommunalwirtschaftliche Einigkeit in der Zielsetzung, die Energiewende und den Klimaschutz in Isny voranzutreiben – vielen Dank an alle Akteure, die in Isny mitziehen“, freut sich auch Helen Maus, die bei der Stadtverwaltung im Bereich Immobilien und Wirtschaft den Energiesektor betreut.

„Mit dem Preis würdigen wir das große Engagement der Kommunen, die ihre lokale Energie- und Klimaschutzpolitik mit ganz konkreten Maßnahmen beharrlich und erfolgreich voranbringen“, so Umweltminister Untersteller bei der Preisverleihung in Tübingen.

„Der European Energy Award ist für Städte und Gemeinden Ansporn und Auftrag zugleich. Wir freuen uns sehr über die wiederholten Auszeichnungen für unsere Allgäuer Kommunen“, ergänzen die beiden Landtagsabgeordneten Petra Krebs (Grüne) und Raimund Haser (CDU) in einer gemeinsamen Mitteilung. Die lokalen Maßnahmen würden einen wichtigen Beitrag leisten, um das nationale Klimaschutzziel zu erreichen. Die anderen Gold-Gewinner sind Bad Waldsee, Ludwigsburg, Tübingen und Waiblingen sowie der Landkreis Karlsruhe.

Der EEA ist laut Pressemitteilung ein europäisches Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren, das der Energieeinsparung, der effizienten Nutzung von Energie und auch der Steigerung des Einsatzes regenerativer Energien in Kommunen dient.

Hierbei werden die Klimaschutzaktivitäten einer Kommune erfasst, bewertet, geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft, um Potenziale des nachhaltigen Klimaschutzes zu identifizieren und zu nutzen. Alle vier Jahre müssen die Auszeichnungen erneuert werden.

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