Es tut sich was: Sattlerei, Plattenladen und ein Café eröffnen

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Ins ehemaligen Pils-Pub „Gogs“ zieht im März ein Café, im früheren Bastellädle eröffnet am Samstag eine Sattlerei samt Plattenl
Ins ehemaligen Pils-Pub „Gogs“ zieht im März ein Café, im früheren Bastellädle eröffnet am Samstag eine Sattlerei samt Plattenl (Foto: Sabine Centner)
Sabine Centner

Wer aufmerksam durch die Stadt läuft, stellt fest: Es tut sich was in Leutkirch. Zwar gibt es nach wie vor eine Reihe leerstehender Geschäftsräume, andererseits aber stehen demnächst auch wieder einige Neueröffnungen an. So wird etwa ins ehemalige Pils-Pub Gogs in der evangelischen Kirchgasse zum 1. März ein Café einziehen. Und im früheren Bastellädle in der Bachstraße eröffnen bereits am kommenden Samstag, 16. Januar, eine Sattlerei mit Feintäschnerei sowie ein Plattenladen.

Daniel Brzezicha ist gelernter Raumausstatter und hat bislang eine Sattlerwerkstatt in der Ewigkeit betrieben. Wegen Eigenbedarfs musste er dort aufhören und hat sich nun für die Räume mitten in der Stadt, im ehemaligen Bastellädle, entschieden. Polsterarbeiten und Kfz- und Motorrad-Polster nennt er als Schwerpunkte seiner Arbeit in der Werkstatt, dazu kommen Lederarbeiten wie Gürtel oder Geldbeutel. „Alles aus eigener Herstellung“, betont der 32-Jährige. Zudem bietet er Reparaturen an, etwa von Rucksäcken, sowie Muster für Stoffe und Bezugsmaterialien.

Daneben will Brzezicha zusammen mit Markus Hackenberg in seinem Geschäft Schallplatten verkaufen. „Platten sind eine Leidenschaft von uns beiden“, sagt er. Mit dem Plattenladen wollen sie sich jetzt einen gemeinsamen Wunsch erfüllen. Angeboten wird „querbeet alles“, neu und gebraucht, außerdem ein Waschservice für Schallplatten, kündigt Daniel Brzezicha an.

Lange, sehr lange sogar, waren die Räumlichkeiten des früheren „Gogs“ leergestanden. „Wir wollten etwas Schönes für die Stadt haben“, machen die Eigentümer des Hauses, Hans-Joachim und Relindis Fessler, klar. „Deshalb haben wir ganz bewusst gewartet – auf einen zuverlässigen Mieter mit einem guten Konzept.“ Beides glauben sie jetzt gefunden zu haben: Carola Krug aus Aichstetten will im Erdgeschoss des ehemaligen „Gogs“ nicht nur ein kleines Café eröffnen, sondern auch Schmuck, Accessoires und Second-Hand-Kleidung verkaufen. „Das ist sehr spannend, wird aber bestimmt funktionieren“, zeigt sich die 53-Jährige zuversichtlich. Als gelernte Hotelfachfrau hat sie jahrelang „in renommierten Cafés in Memmingen“ gearbeitet, wie sie sagt. Mit ihrem Café „Caro Casa“ will sie nun in Leutkirch den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. 25 Plätze drinnen, mit Außenbestuhlung 25 weitere draußen, dazu die zentrale Lage: „Optimal“, findet Carola Krug und freut sich auf ihre „persönliche Herausforderung“.

Weniger erfreulich dagegen ist die Lage bei anderen Leerständen: Für die ehemalige Buchhandlung Kappler in der Marktstraße ist noch keine Nachfolgenutzung in Sicht. Immerhin: „Wir sind in Kontakt mit Interessenten“, ist von den Hauseigentürmern, der Familie Weixler, zu erfahren. „Geplant ist eine geschäftliche Nutzung, aber solche Dinge regeln sich nicht innerhalb weniger Tage“, heißt es weiter. Eine grundlegende Renovierung ist nötig, soll aber erst dann in Angriff genommen werden, wenn die Folgenutzung feststeht.

Leer stehen auch nach wie vor die ehemaligen Schlecker-Räumlichkeiten in der Marktstraße und, seit 1. Januar, auch die des Schnick-Schnack-Geschäfts an der Ecke Marktstraße/Evangelische Kirchgasse. „Die Märkte verändern sich“, sagt Geschäftsfrau Irene Wagenseil, die das Schnick-Schnack 18 Jahre lang betrieben hat, „Dekosachen werden heute in allen Bau- und Einkaufsmärkten angeboten.“ Deshalb habe man sich bei Wagenseil auf die angestammten Räumlichkeiten in der Memminger Straße zurückgezogen – und auf die Kernkompetenz in Schreib- und Papierwaren sowie Bürobedarf. Dabei ist es nicht nur das online-Kaufverhalten, das den Geschäftsleuten Sorgen macht: „Nur vom Bummelkunden kann man nicht leben“, fügt Irene Wagenseil hinzu.

„Keine einzige Nachfrage“ habe es bislang für das ehemalige Schnick-Schnack-Geschäft gegeben, bedauert auch Christian Skrodzki. Als Eigentümer der Immobilie bietet er das Objekt unter anderem im Internet an – und wird im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ grundsätzlich: „Wir brauchen in Leutkirch einen Kümmerer.“ Also jemanden, der sich – gegen Bezahlung – um das Stadtmarketing kümmert. „Kein Ehrenamtlicher kann das leisten“, sagt Skrodzki mit Blick auf das Engagement des Leutkircher Wirtschaftsbunds. „Man muss dazu Geld in die Hand nehmen.“ Dabei sieht er den Ball keineswegs nur bei der Stadt: „Auch die Immobilienbesitzer müssen bereit sein, ihren Beitrag in einen gemeinsamen Topf zu leisten.“ Wenn sie Rückenwind durch das Projekt Center Parcs nützen wollten, so Skrodzki, müssten Stadtverwaltung und Immobilienbesitzer „definitiv an einem Strang ziehen“. Und das möglichst schnell: Schon´im Juni nämlich werde das nächste Geschäft in der Marktstraße dichtmachen.

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