Energiebündnis besucht Leutkirchs Luftbefeuchter

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Werksleiter Diethard Singer (ganz rechts) begleitete das Energiebündnis bei der Führung durch die Pfleiderer-Produktion.
Werksleiter Diethard Singer (ganz rechts) begleitete das Energiebündnis bei der Führung durch die Pfleiderer-Produktion. (Foto: Beck)
Redaktionsleiter

Der Leutkircher Standort der Firma Pfleiderer hat am Dienstag für das Energiebündnis der Stadt sein Werksareal geöffnet. Mehr als 20 Unternehmer aus der Region konnten sich dabei über „Energieeffizienz im Mittelstand“ informieren und sich ein Bild von Teilen der Produktion des Zulieferers für die Möbel- und Innenausstattungsbranche machen. „Das war beeindruckend“, sagte danach Berthold König, der Geschäftsführer des Bündnisses.

Werksleiter Diethard Singer brachte eines schnell auf den Punkt: „Wir schlagen uns gut.“ Dabei sind die aktuellen Bedingungen auf dem Markt nicht einfach. Es geht um Termintreue, es geht um Qualität, es geht um individuelle Kundenwünsche. 545 Dekoroberflächen für Beschichtungen hält die Firma bereit, obwohl davon nur 100 permanent nachgefragt werden. Reedereien, Krankenhäuser oder ein Konzern wie VW, der weltweit seine Show-Rooms mit Produkten aus Leutkirch gestalten will, erwarten aber, dass das Design stimmt.

Deftige Stromrechnung

Sorgen, dass die deutsche Pfleiderer-Gruppe nach der Übernahme durch die frühere polnische Tochter ins Hintertreffen geraten könnte, hat Singer nicht. Das bezog er auch auf den Leutkircher Standort mit aktuell 468 Beschäftigten: „Wir haben nichts Negatives bemerkt.“ Singer verwies auf die im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegenden Investitionen der vergangenen Jahre. „Wir tun alles, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Ein Unternehmen, das jährlich 50Millionen Kilowattstunden Strom benötigt, muss streng darauf achten, dass die Rechnung dafür nicht alle Planungen über den Haufen wirft. Joachim Glatzer, Leiter der Elektronik am Standort, stellte den Gästen ein System vor, um die sogenannten Lastspitzen frühzeitig erkennen zu können. Pfleiderer muss, wie alle Großverbraucher, einen Grundtarif an die Versorger bezahlen, um überhaupt beliefert zu werden. Die Grundgebühr dafür aber orientiert sich am höchsten gemessenen 15-Minuten-Verbrauch eines Jahres. Zuletzt wurde diese aber spürbar erhöht. Um unter den bisherigen Werten zu bleiben, kann es deshalb durchaus vorkommen, dass kurzfristig eine Anlage, und wenn auch nur für Minuten, aus der Produktion genommen wird. Auch Leerlaufzeiten bei Kompressoren sollen durch intelligente Steuerungssysteme reduziert werden. „Das Geld ist in der Verbesserung der Fertigung besser aufgehoben“, sagte Singer.

Bei der Energieversorgung ist der Leutkircher Standort, wenn es um Strom geht, trotz aller Einsparanstrengungen nur Kunde. Anders sieht es im thermischen Bereich aus. Der Anteil der eingesetzten Eigenenergie liegt mittlerweile bei 65 Prozent. Holzstaub und in der Produktion anfallende Biomasse werden verbrannt und in die Versorgung eingespeist – etwa zum Heizen.

Aber auch andere Details aus dem Alltag von Pfleiderer in Leutkirch ließen die Gäste aufhorchen. 30000Liter Wasserdampf werden stündlich in die Luft abgelassen. „Wir sind der Luftbefeuchter Leutkirchs“, sagte Glatzer. An einer der besuchten Pressen legen die Mitarbeiter pro Schicht zehn Kilometer zurück, um das Rohmaterial wie Folien an die Maschine zu bringen. Die älteste, noch immer intakte Presse mit der Nummer zwei, wurde 1954 in Betrieb genommen. Im Schnitt holen täglich 41 Lastwagen fertige Produkte ab – das macht mehr als 9000 Fuhren im Jahr. Dazu kommen aber pro Tag im Schnitt 100 Lastwagen, die Rohstoffe liefern wie Holz, Harze, Leim, Diesel und anderes. Deshalb ist Singer froh, dass das Pfleiderer-Areal so nah am Autobahnzubringer liegt. „Das erleichtert uns die Arbeit.“ Stolz ist er auch auf die Zufriedenheit der Beschäftigten. Nach einer aktuellen Bestandsaufnahme liegt der Wert für die Betriebszugehörigkeit im Schnitt bei 16,2 Jahren pro Kopf der Belegschaft. Singers Fazit: „Wir haben gute Leute, unsere Leute sind uns treu.“

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