Ein wichtiges Ehrenamt im Verborgenen

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 Die Sprach- und Kulturmittler beim Markttag (von links): Ghenet Geser, Ayse Celik, Kacem Khechana, Mehmet Salman und Marzyeh Zo
Die Sprach- und Kulturmittler beim Markttag (von links): Ghenet Geser, Ayse Celik, Kacem Khechana, Mehmet Salman und Marzyeh Zolfaghari mit der Integrationsbeauftragten Anita Mutvar. (Foto: Stiftung St. Anna)
Schwäbische Zeitung

Nur wenige kennen die Sprach- und Kulturmittler des Landkreises Ravensburg, teilt die Leutkircher Integrationsbeauftragte Anita Mutvar mit. Und dennoch helfe ihre ehrenamtliche Arbeit vielen. Denn sie sprechen Deutsch und eine andere Sprache und können von Behörden, Ärzten oder Bildungseinrichtungen angefragt werden, um bei Gesprächen etwa mit Eltern oder Patienten zu dolmetschen.

Für Mutvar sei das ein Grund gewesen, den Sprach- und Kulturmittlern zu danken. Die Partnerschaft für Demokratie Leutkirch-Aichstetten-Aitrach hatte anlässlich der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ vom 13. bis 22. September dazu aufgerufen, den vielen ehrenamtlich tätigen Menschen in der Region „Danke“ zu sagen. Dazu gab es Blumen zum Weiterverschenken auf den Märkten in Leutkirch und Aitrach – auch für die Sprach- und Kulturmittler des Landkreises. Dieses Ehrenamt sei bislang wenig bekannt, dabei werde im Schussental von diesem Angebot bereits ausgiebig Gebrauch gemacht, heißt es.

Es zeige sich, dass der Name Sprach- und Kulturmittler passend gewählt ist. Denn es gehe nicht immer nur um die reine Übersetzung, sondern oft genug auch um kulturelle Gewohnheiten, die den beteiligten Parteien erläutert werden müssen. So berichte ein Mittler von einem Fall, in dem eine Mutter ein Jahr lang jeden Tag mit dem Bus ihren Kindern das Mittagessen in die Schule gebracht habe. Ohne zu wissen, dass es eine Schulspeisung gab, für die sie sie hätte anmelden können. Befreit von der vermeintlichen Pflicht habe sie schließlich auch einen Job gefunden.

Im Allgäu ist das, für die anfragenden Institutionen kostenlose, Angebot dieser ehrenamtlichen Dolmetscher jedoch noch wenig bekannt, heißt es in der Mitteilung. So würden sich einige der Mittler darüber beklagen, dass sie bereits vor vier Monaten die Fortbildung zum Sprach- und Kulturmittler abgeschlossen hätten, seitdem jedoch für keinen einzigen Einsatz gebucht worden seien. Dass Bedarf da sei, würden aber die Berichte anderer Mittler zeigen, die sich ihre ersten Einsätze teilweise selbstständig organisiert hatten und seitdem immer wieder angefragt werden. Die jeweiligen Institutionen seien „gottfroh“, für Gespräche auf die Mittler zurückgreifen zu können.

Gefragt nach ihrer Motivation für dieses Ehrenamt antworten alle Mittler, dass sie zunächst einmal helfen wollen. Dass es ihnen ein gutes Gefühl gebe, Probleme aus dem Weg zu schaffen. Und auch, dass sie die Chance sähen, sich auf diese Weise selbst weiterzuentwickeln oder ihre eigenen Deutschkenntnisse zu verbessern. Schließlich müsse ein Ehrenamt einem auch selbst guttun.

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