Ein beglückendes Geleit ins neue Jahr

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Christian Segmehl (links) und Christian Schmid vor dem Silvesterkonzert in Hofs.
Christian Segmehl (links) und Christian Schmid vor dem Silvesterkonzert in Hofs. (Foto: Otto Schöllhorn)
Otto Schöllhorn

Auf sechs Jahre schon kann die Konzertreihe zur Silvesternacht in der Kirche St. Gallus und Magnus in Hofs, ins Leben gerufen vom Saxofonisten Christian Segmehl, zurückblicken, und die übervollbesetzte Kirche mit erfreulich altersgemischtem Publikum lässt darauf schließen, dass dieses Silvesterkonzert auch bei der jüngeren Bevölkerung Zuspruch findet.

Zwei Besonderheiten kennzeichneten das diesjährige Konzert: Zwei Vollblutmusiker aus der Ortschaft Wuchzenhofen haben sich zusammengetan: Zu Christian Segmehl (Saxofon), der am Neujahrstag auch im Kaiserdom von Speyer auftrat, kam Christian Schmid (Orgel) dazu. Gemeinsam stellten sie ein interessantes, fast gewagtes Programm zusammen, bei dem Johann Sebastian Bach als Vertreter des Barock fünf zeitgenössischen Komponisten gegenüberstand. Mit weichen Tonläufen begann das Adagio der Sonate BWV 1034 von Johann Sebastian Bach, hüpfend, mit schnellen Läufen und spielerisch leicht die beiden Allegri, gefolgt von einem hingebungsvoll gespielten träumerischen, aber ebenso ausdrucksstarken Andante. Schon hier wurde das dynamische und vortreffliche Zusammenspiel sowohl der beiden Musiker, als auch das reizvolle Zusammenwirken eines der ältesten Instrumente, der Orgel, mit einem der jüngsten Instrumente, dem Saxofon, deutlich spür- und hörbar. Die beiden Instrumente schienen teilweise geradezu tonlich ineinander zu verschmelzen, um dann wieder, sich immer ergänzend, in ihren eigenen Tongebilden zu schwelgen.

Die Brücke zur Moderne schlug „Hymn from Night“ der schwedischen Komponistin Karin Rehnqvist, ein Werk mit langgezogenen Tönen mit feiner Modulation. Auch in das Land der Träumerei passte „Alone on a Mountain“ von David Maslanka, wo die Melodie des Saxofons mit spielerischer Leichtigkeit über die basso-continuo-Grundstimmung der Orgel glitt.

Die aufregendste Passage

Dann erklang wohl die aufregendste und experimentierfreudigste Konzertpassage des Abends, der „Antiphon Blues“ von Paolo Paglia. Nach dem Prelude Blues wanderte das Saxofon improvisierend mit stoßenden, knarzenden, jauchzenden, aber auch wehklagendenden Lauten – von Beifall unterbrochen - durch den Kirchenraum zum Chorraum, wo sich mit Blues-Elementen eine regelrechte Zwiesprache zwischen Orgel und Saxofon entspann.

Nach „dem geradezu sanft-versöhnlichen „Pie Jesu“ von Andrew Lloyd Webber rissen abschließend dissonante Töne in „A brief story of Peter Abelard“ des britischen Komponisten James Whitbourn die Besucher wieder aus ihren Träumen, machten hellhörig auf ein weiteres spannungsvolles feuriges Wechselspiel zwischen den beiden Instrumenten. Begeisterte Beifallsbekundungen waren der Dank des Publikums für diese musikalische Leistung.

Bei der Zugabe, „Gabriel’s Oboe“ aus „Mission“ von Ennio Morricone, mit ergreifend schönen Melodiebögen kehrten die Träumereien wieder zurück. Und so wurde für eine große Besucherzahl dieses Konzert zu einem besinnlichen Jahresausklang, wo man innehalten, den Tönen, mal sanft, mal aufregend, lauschen konnte, um dann die eigenen Wege in ein neues Jahr hinein zu gehen.

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