Kriminalhauptkommissar Florian Suckel (rechts) im Gespräch mit SZ-Redakteur Tobias Schumacher.
Kriminalhauptkommissar Florian Suckel (rechts) im Gespräch mit SZ-Redakteur Tobias Schumacher. (Foto: Patrick Müller)

Rund 120 Mal im Jahr – im Durchschnitt also fast jeden dritten Tag – besuchen Kriminalhauptkommissar Florian Suckel und seine Kollegen Schulen im Landkreis Ravensburg.

Zweck ihrer Veranstaltungen: Sie wollen Schüler, aber auch Eltern und Lehrer über die Folgen informieren, die Drogen- und Alkoholmissbrauch mit sich bringen. Das geschehe „nicht mit erhobenem Zeigefinger wie früher – und auch nicht karitativ“, ist Suckel wichtig zu betonen, sondern: „Wir versuchen aufzuklären, indem wir vor allem rechtliche Konsequenzen und gesundheitliche Gefahren aufzeigen.“

Viel unterwegs

Florian Suckel leitet das in Ravensburg ansässige „Referat Prävention“ und kommt regelmäßig auch ins württembergische Allgäu. Unlängst bestritt er am Hans-Multscher-Gymnasium in Leutkirch einen ganzen Vormittag, einen Tag später einen Aufklärungsabend in der Wangener Stadthalle, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat.

„Landesweit steht Prävention auf dem Stundenplan, schwerpunktmäßig in den Sekundarstufen“, erklärt Suckel zu ähnlichen Veranstaltungen in den weiterführenden Schulen in Bad Wurzach, Isny und Leutkirch.

Komasaufen nimmt wieder zu

Im Allgäu sei sein „Schwerpunkt der Umgang mit Alkohol“, berichtet Suckel, denn vom sogenannten „Komasaufen“ sei der „Südwesten sehr betroffen“. 2009 habe es einen ersten Höhepunkt gegeben, und seit 2015/16 sei die Tendenz „wieder leicht steigend“. Seine Ausführungen in den Schulen beginnen daher mit allgemeinen gesundheitlichen Gefahren, die der „Suchtstoff“ Alkohol auf einen jungen Organismus hat.

Dann erzählt Suckel aus dem Polizeialltag: Etwa von einem Jugendlichen, der beim Leutkircher Kinderfest mit „1,8 oder 1,9 Promille“ aufgegriffen wurde; und, welche Konsequenzen daraus folgten: „Den Roller-Führerschein mit 16 oder begleitetes Fahren ab 17 kann er knicken.“ Schüler, gerade in ländlichen Regionen, die möglichst bald selbst mobil sein wollen, könnten Konsequenzen gut nachempfinden, wenn Suckel hinzufügt, dass in diesem Fall noch lange ärztlich geprüft wird , „ob der Betroffene den Alkohol im Griff hat – das wollen wir den Kindern verdeutlichen“.

Hohe Dunkelziffer bei K.o.-Tropfen

Ein zweites Thema, das oft in Verbindung mit Alkohol steht und bei dem er „insbesondere Mädchen“ warne, sind die sogenannten K.o.-Tropfen. Die kämen in der Region zwar „sehr selten“ vor, doch Suckel geht von einer hohen „Dunkelziffer aus, weil die Nachweisbarkeit schwierig“ sei. Anknüpfungspunkt bei seinen Veranstaltungen sei hier ein „Selbstversuch unter ärztlicher Aufsicht“ mit K.o.-Tropfen, der in der Fernsehsendung „Gallileo“ gesendet wurde und bei Jugendlichen dank der Sozialen Medien bekannt sei.

Suckel verdeutlicht, dass die Tropfen „eigentlich ein Reinigungsmittel sind und mehrere Stunden Amnesie“ (Gedächtnisverlust) verursachen können. In seiner „Botschaft“ in den Schulen appelliere er an „Eigenverantwortlichkeit“, gebe vordringlich aber Empfehlungen zum Selbstschutz auf Festen und Partys: „Beobachtet euch gegenseitig, trinkt nur aus Flaschen, macht eure Getränke leer, bevor ihr aufs Klo geht, lasst euch nicht einladen.“ Mit diesen Hinweisen wolle er „keine Panik verbreiten“, empfiehlt aber eindringlich, „um Hilfe zu rufen, sobald sich jemand unwohl fühlt – an der Bar, bei der Security, bei der Polizei“.

Dauerkonsum ist ein großes Problem

Wenn er den „illegalen Bereich“ thematisiere, komme es vielfach zu Diskussionen mit den Kindern, er müsse immer wieder unterstreichen: „Cannabis ist verboten!“ Schüler führten Youtube-Videos ins Feld, die für eine Legalisierung argumentieren. Er halte entgegen, dass der darin enthaltene Wirkstoff THC ein Nervengift ist, das bei jungen Menschen „das Zellwachstum schädigt“; dass bei einer Freigabe ein Ansteigen des Konsums zu erwarten sei; dass „Dauerkonsum sehr schnell ein großes Problem“ darstellen könne.

Als „Politikum“ bezeichnet Suckel, dass seitens der Schüler hier oft auf die „Alkoholfreigabe“ verwiesen werde. Diesen Argumenten könne er einzig mit dem Jugendschutzgesetz begegnen. Wobei er vielfach nicht nur damit überrasche, dass Alkohol erst ab 16 Jahren konsumiert werden darf, sondern „Rauchen erst ab 18 in der Öffentlichkeit erlaubt ist“.

Jugendschutz einhalten

Als Aufklärung wie Abschreckung gleichzeitig weise er darauf hin, dass „der Erwachsene sanktioniert wird, der diese Drogen weitergegeben hat“ – und strafrechtliche „Konsequenzen vom Hunderter bis zum Tausender“ reichen können. Sein „Referat Prävention“ arbeite in diesem Feld auch mit Veranstaltern von Festen zusammen, um sie anzuhalten, den Jugendschutz besser zu kontrollieren.

Ein relativ neues, zugleich schwieriges Gebiet für die polizeiliche Aufklärungsarbeit sind laut Suckel die sogenannten „neuen psychoaktiven Substanzen“ (NPSG), landläufig auch als „Kräutermischungen“, „Badesalze“ oder „Legal Highs“ tituliert. „Glücklicherweise sind die inzwischen alle illegal“, sagt der Kriminalhauptkommissar in Erinnerung an das frühere „Katz-und-Maus-Spiel“, zu dem Ermittler nach dem alten Betäubungsmittelgesetz gezwungen waren, bis der Gesetzgeber Ende 2016 ein „NPSG-Gesetz“ erlassen habe.

Bis zu 180 Todesfälle pro Jahr

„Damit wurden alle Stoffgruppen unter Strafe gestellt, die synthetisch hergestelltes THC beinhalten“, ist Suckel froh über die seiner Überzeugung nach einzig richtige Konsequenz.„Inzwischen haben wir 150 bis 180 Todesfälle pro Jahr – bei einer stetigen Steigerung.“

Wichtiger Abschluss seiner Veranstaltungen sei die Antwort auf Fragen von Eltern oder Lehrern, wie sie Drogenmissbrauch bei Kindern erkennen. „Extrem erweiterte Pupillen oder extreme Lichtempfindlichkeit“, die von Cannabis, Kokain oder Am-phetaminen verursacht werden, könne ein „Hinweis auf illegalen Suchtmittelkonsum“ sein, gibt er als Faustregel aus. Allerdings wiesen „Amphetamine, Extacy oder Chrystal Meth“ in der hiesigen Region nur wenige Fallzahlen auf. Auch Kokain oder Heroin seien „hier nicht so relevant“.

Generell, sagt Kriminalhauptkommissar Florian Suckel, „ist das Allgäu keine Insel der Glückseligkeit“, der Drogenkonsum liege im bundesweiten Durchschnitt.

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