Diese Konzepte sollen Leutkirch attraktiver machen

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Redaktionsleiter

Die Projekte „Kneippanlage Fitnessparcours“, „Rathauscafé Friesenhofen“ und „Bespielbare Stadt Leutkirch“ haben vor allem eines gemeinsam: Sie könnten durch das EU-Programm Leader, das innovative Aktionen im ländlichen Räum fördert, finanziell unterstützt werden. Der Leutkircher Gemeinderat hat die Stadtverwaltung am Montag jedenfalls damit beauftragt, entsprechende Bewerbungsanträge zu stellen.

Kneippanlage Fitnessparcours: Neun wetterfeste Fitnessgeräte will der Leutkircher Kneippverein am Fußweg des Stadtweihers – parallel zur Balterazhofer Straße – aufstellen. Das Ziel: Viele Spaziergänger und Erholungssuchende erreichen und durch die Geräte zur Gesundheitsvorsorge animieren. Hansjörg Veser, Vorsitzender des Kneippvereins, erläuterte das Konzept am Montag den Leutkircher Stadträten.

Geplant ist ein Parcours mit drei Stationen in bestehenden Sträucherinseln. Die Geräte würden so platziert, dass sie nur vom Fußweg zu erkennen sind und den „freien Blick und das Landschaftsbild“ nicht beeinträchtigen. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei rund 63 000 Euro. Über das Leader-Programm könnten im Optimalfall 60 Prozent finanziert werden. Eigentümer des Parcours wird die Stadt Leutkirch.

Nicht ganz einverstanden mit dem Standort der Fitnessgeräte ist Stadtrat Karl Kalmbach (Bürgerforum), weshalb er sich bei der Abstimmung am Montag enthielt. Um den Stadtweiher gebe es „so viele Spaziergänger“, die seiner Einschätzung nach von den Sportlern gestört werden. Dass sich in der Nähe der Geräte zahlreiche Menschen aufhalten, sieht Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle hingegen eher positiv. Denn das schütze vor Vandalismus, meinte er.

Lob für das Konzept gab’s von Stadtrat Waldemar Westermayer (CDU). Er sprach von einem „kleinen Baustein, um Leutkirch attraktiver zu machen“. Gottfried Härle (Bürgerforum) wies darauf hin, dass solche Geräte von der Stadt regelmäßig unterhalten und geprüft werden müssen. „Das muss uns bewusst sein“, sagte er.

Für welche Altersgruppe die Geräte gedacht sind, will indes Stadträtin Hedwig Seidel-Lerch (CDU) wissen. Wie Veser antwortete, waren ursprünglich Seniorengeräte geplant, nun sei der Parcours „für alle“ da.

Rathauscafé Friesenhofen: „Die Infrastruktur in unserem Dorfkern fehlt komplett“, stellt Gisela Buck, Friesenhofener Ortschaftsrätin, in der Gemeinderatssitzung klar. Es gebe aktuell „keinerlei Austausch“ zwischen den Bewohnern. Um das zu verändern, soll im Erdgeschoss des Friesenhofener Rathauses ein Café entstehen. Die Resonanz aus der Bevölkerung dafür sei gut und der Austausch in einem gebildeten Arbeitskreis rege. Man wolle zunächst „klein anfangen und dann schauen, wie es sich entwickelt“, betonte Buck mehrfach.

Wie Ortsvorsteher Christian Merk ergänzt, soll mit dem Café ein Treffpunkt geschaffen werden. Das Konzept sieht auch eine kleine Außenbestuhlung, eine Bücherecke sowie einen Bereich für Kinder vor. Die Kosten für das Projekt liegen bei rund 120 000 Euro. Zwischenzeitlich sei ein Bauantrag zum Umbau und zur Umnutzung des Rathaus-Erdgeschosses eingereicht worden.

Auch Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle sieht in Friesenhofen „dringenden Handlungsbedarf“. Froh zeigte er sich darüber, dass es eine Initiativgruppe gibt. Auf Nachfrage von Stadträtin Monika Heinz (CDU) erklärte Buck, dass das Café zunächst an zwei Tagen pro Wochen geöffnet und von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut werden soll. „Wahrscheinlich gründen wir deshalb einen Verein“, ergänzt sie.

Bespielbare Stadt Leutkirch: Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erhöhen – das haben sich die Initiatorinnen der Kampagne „Bespielbare Stadt Leutkirch“ auf die Fahnen geschrieben. Entstehen soll ein „Spieloasen- und Erlebnisweg“ mit zahlreichen Stationen (die SZ berichtete). Geplant wird das Projekt vor allem von Cornelia Stotz und Pamela Löffler. Entstanden sei die Idee, weil derzeit in der historischen Altstadt für Kinder und Jugendliche wenig geboten sei.

Stationen sind sowohl in der Innenstadt als auch auf der Wilhelmshöhe vorgesehen. Läuft alles nach Plan, soll dort ein generationsübergreifendes und ganzjährig genutztes Naherholungsgebiet zur Verfügung stehen. Das Thema „Alte Berufe in Leutkirch“ werde die Geräte künftig miteinander verbinden. So könnte den Beruf Hufschmied etwa ein Holzpferd mit Amboss und Hufeisen darstellen oder den Beruf des Holzfällers eine Baumsäge im Wald.

Die Gesamtkosten sind im ersten Schritt auf rund 170 000 Euro geschätzt. Die Finanzierung wollen die Initiatorinnen auf mehrere Schultern verteilen. Sie erhoffen sich – neben der Förderung aus dem Leader-Programm – beispielsweise Unterstützung von der Stadt, von Unternehmen oder aus Crowdfunding-Aktionen. Anders als bei den oben genannten Projekten soll der Leader-Antrag zu einem späteren Zeitpunkt gestellt werden. Ob Fördermittel fließen, könnte dann im April entschieden werden.

Als „sehr interessantes Konzept“ bezeichnet Stadtrat Gottfried Härle (Bürgerforum) das geplante Projekt. Einen wichtigen Baustein dafür sieht er in der aktuellen Verkehrssituation in der Innenstadt. „Das ist alles andere als kinder- und familienfreundlich.“ Deshalb dürfe die Planung von weiteren Fußgängerzonen nicht vernachlässigt werden. Für wichtig hält Härle auch, dass die neuen Spielgeräte „vandalismussicher“ sind. Denn vor allem die Wilhelmshöhe sei in dieser Hinsicht ein „sensibler Standort“.

Lob für die „tolle Planung“ der Kampagne gab’s in der Gemeinderatssitzung sowohl von Hedwig Seidel-Lerch (CDU) als auch von Berthold König (Bürgerforum).

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