Die GProject Blues Band fasziniert beim Open-Air-Konzert

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Ein feines Quartett: Bassmann James Ransom, Leonidas Kyriakakos, Michael Staudenmayer und Band-Boss TomBo Ottb (von links).
Ein feines Quartett: Bassmann James Ransom, Leonidas Kyriakakos, Michael Staudenmayer und Band-Boss TomBo Ottb (von links). (Foto: Lilli Schneider)
Rolf Schneider
Redakteur

Es gibt eine alte Grundregel, die da heißt: der erste Satz muss sitzen – ganz egal ob es sich um eine Theater-Vorstellung oder einen Text handelt. Wenn der erste Satz stimmt, dann ist das schon die halbe Miete. Tombo Ott, Gründer, Hirn und Herz der bajuwarischen GProject Blues Band, kennt das und handelt auch dementsprechend, als er am Freitag beim Open Air auf der Rampe vor der Brauerei Härle den launigen Abend einläutet: „Eine Wahnsinnskulisse, eine super Brauerei“ und dann loslegt mit seiner Band und ein Musikerlebnis zelebriert, wie man es sich und die Ausführung kaum besser wünschen könnte. Es ist ein Juli-Abend wie gemalt. Die Hitze hat ihre Gnadenlosigkeit verloren, die gleißende Helligkeit des Tages hat einem samtigen Dunkelblau Platz gemacht, die Rhythmen gehen ins Ohr und in die Beine auch, das Bier nimmt seinen Lauf die Kehle hinunter und die zahlreich gewordenen Besucher lassen den Herrgott einen guten Mann sein.

An diesem Abend ist der Schöpfer ein guter Mann, nicht nur, weil das Wetter hält, sondern vor allem auch deshalb, weil die vier von der Sangstelle hörbar Lust haben und einen richtig guten Job machen. Blues ist ja eigentlich eine eher zweiflerische, nicht gerade grundoptimistische Musikrichtung, doch wenn Michael Staudenmeyer, der Mann an den Tasten, Herzschmerz in Worte gießt („When I’m coming home, my Baby is gone“), dann geht das nicht nur in die Ohren sondern auch ins Herz. Da trifft es sich gut dass Leonidas Kyriakakos an der Gitarre zu dem sehr bluesigen „I don’t know to much about love, Baby, and the tears are flowing down my eyes“ ein Solo der Sonderklassse hinlegt. Das Publikum weint höchstens vor Begeisterung.

Das legt sich auch nicht, als nach der Pause Michael Staudenmeyer mit „Nobody else“ eine Eigenkomposition zum Besten gibt, die vom Bass-mann James Ransom durchaus eindrücklich unterstützt wird. Es ist eine bunte und eine überaus ansprechende Mischung, die die vier aus dem Münchner Süden da dem Publikum servieren. „Who ist Muddy Waters“ muss man natürlich niemandem erklären, der zu einem Blues-Konzert geht und spätestens da hält es auch einen Gutteil der Gäste nicht mehr auf den Bierbänken. Der Piano-mann witscht über die Tasten wie einstens Jerry Lee Lewis, ehe die Band wieder den Erregungspegel herunterschraubt: „I don’t know what people say.“ Das ist eine Kokettiererei. Sie wissen sehr wohl was die Leute sagen und auch was sie wollen, weshalb Stücke wie „Sweet home Chicago“ richtig fetzen und Louis Jorads „Ain’t that just like a woman“ einen feinen Höhepunkt setzt, auch wenn die Stimme von Gitarrero Leonidas Kyriakakos kurz vor dem Konzertfinale ein bisserl absumpft.

Doch das ist eine Petitesse, vor allem weil die GP-Mannen am Schluss noch einen richtigen Kracher im Angebot haben: „Mustang Sally.“ Das hat man zwar schon eleganter gehört, aber authentischer kaum, und vor allem der Directors Cut (Überlänge) rundet die Faszination dieses Abends ab.

Nach zwei Zugaben und gut zwei Stunden Auftritt verabschiedet sich die Band von den begeisterten Besuchern, und es ist bloß schade, das Band-Boss Tombo Ott seine Eingangsworte nicht wiederholt hat: „Eine Wahnsinnskulisse , eine super Brauerei!“ Er hätte nämlich noch einen Satz hinzufügen können: „Es war ein wahrlich bekömmlicher Blues-Abend.“

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