„Deine Anne“ macht aufmerksam auf Demokratie, Vielfalt und Toleranz

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 Peer Guide Svenja Christmann von der Geschwister-Scholl-Schule zeigt Ausstellungsbesuchern das Amsterdamer Hinterhaus, in dem s
Peer Guide Svenja Christmann von der Geschwister-Scholl-Schule zeigt Ausstellungsbesuchern das Amsterdamer Hinterhaus, in dem sich Anne Frank und ihre Familie zwei Jahre lang versteckten. (Foto: Sabine Centner)
Sabine Centner

Ihr Schicksal bewegt – auch mehr als 70 Jahre nach ihrem frühen Tod. Und es ist Mahnung – gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt. Nur 15 Jahre alt war Anne Frank, als sie Anfang 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb. Ihr berühmt gewordenes Tagebuch hält die Erinnerung bis heute lebendig. Dazu beitragen will auch die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“, die am Dienstagabend in der Geschwister-Scholl-Schule eröffnet wurde. Sie verbindet das Schicksal des jüdischen Mädchens mit der Lebenswelt heutiger Jugendlicher und dem Appell zu Toleranz und Demokratie. Das Besondere: Schüler verschiedener Leutkircher Schulen begleiten als sogenannte Peer Guides die Ausstellungsbesucher – „auf Augenhöhe“, wie sie sagen.

Die Aula der Geschwister-Scholl-Schule war voll besetzt, als Schulleiter Heinz Brünz die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, Lehrerkollegen, Eltern und nicht zuletzt die vielen Jugendlichen begrüßte. „Ein Leben im Verborgenen und im Widerstand“, so schlug er den Bogen zwischen Anne Frank und den Geschwistern Hans und Sophie Scholl. Ein Bogen, den seine Schule ganz bewusst auch zwischen der Zeit des Nationalsozialismus und der Lebenswirklichkeit heutiger Schülerinnen und Schüler schlage, sagte Brünz.

„Stark machen gegen Verführungen von rechts“, so beschrieb auch Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der sich die Ausstellung verpflichtet fühle. Sie setze nun auch in Leutkirch ein Zeichen für Freiheit und Demokratie, für Menschenrechte und Mitmenschlichkeit. Konzipiert vom Berliner Anne-Frank-Zentrum wandert die Ausstellung durch ganz Deutschland und bildet bis zum 4. April einen Schwerpunkt der Aktion „Leutkirch leuchtet“, einer Veranstaltungsreihe für Demokratie, Vielfalt und Toleranz.

Debatten befördern und Denkanstöße geben

„Leutkirch leuchtet“ – „ein wunderbares Motto“, befand denn auch Eva-Maria Meschenmoser, Erste Landesbeamtin im Ravensburger Landratsamt, ehe sie symbolisch eine Kerze entzündete. Die Ausstellung wolle Debatten befördern und Denkanstöße geben. „Bestechend“ nannte sie die Idee, junge Menschen als Peer Guides auszubilden. Sie setzten dabei „das schwere Thema der nationalsozialistische Hetze und Verfolgung“ in Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt und ihrer Wahrnehmung von Demokratie. Dafür zollte die Stellvertreterin von Landrat Harald Sievers den Jugendlichen ihren besonderen Respekt und dankte allen an der Finanzierung und Organisation der Ausstellung Beteiligten.

Dann kamen sie zu Wort: Jana Nonnenmacher (Hans-Multscher-Gymnasium), Emelie Moos (Geschwister-Scholl-Schule) und Chiara Emanuele (Grund- und Werkrealschule Wuchzenhofen) – drei der insgesamt 23 ausgebildeten Leutkircher Peer Guides. In einem zweitägigen Seminar haben sie sich auf ihre Aufgabe vorbereitet, wie sie im Interview mit dem Direktor des Anne-Frank-Zentrums, Patrick Siegele, berichteten. Was sie alle drei beeindruckt, ist die reife Persönlichkeit der Anne Frank, deren „tiefe, philosophische Gedanken“ und die Verfolgung, unter der sie unschuldig zu leiden hatte. Die Beschäftigung mit Anne Frank bringt die Jugendlichen aber auch dazu, das eigene Verhalten gegenüber Minderheiten, etwa Geflüchteten, zu überdenken, sagten sie.

Mit ihrem Wissen werden sie nun Besucher durch die Ausstellung begleiten – ein erstes Mal geschah das gleich am Dienstagabend. Vor den großen Bildwänden mit vielen privaten Fotos, Texten und Videoinstallationen gaben sie Einblicke in das kurze Leben der Anne Frank, die glückliche Kindheit, Flucht und Versteck im Amsterdamer Hinterhaus, das berühmte Tagebuch und schließlich Verrat und Tod in Bergen-Belsen. Aber auch aktuelle Fragen wie Identität, Gruppenzugehörigkeit, Diskriminierung und Engagement werden für die Jugendlichen eine Rolle spielen.

Für den passenden musikalischen Rahmen der Ausstellungseröffnung sorgten die Saxofonisten Christian Segmehl und Birgit Bauhofer mit Klezmer-Musik.

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