Coronafälle in Kinderarztpraxis: Leukircher Solidargemeinschaft ist gefragt

 Eine Ärztin hält einen Abstrichstäbchen im Plasikröhrchen in den Händen, nachdem sie einem Patienten einen Abstrich aus dem Rac
Eine Ärztin hält einen Abstrichstäbchen im Plasikröhrchen in den Händen, nachdem sie einem Patienten einen Abstrich aus dem Rachen entnommen hat. Ein Leutkircher Mediziner geht davon aus, dass es in den nächsten Wochen noch weitere Covid-19-Patienten mit einer berufsbedingten hohen Anzahl an Kontakten geben wird. (Foto: Felix Kästle/dpa)
Schwäbische Zeitung
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Der Mediziner Philipp Künst ist Mitglied im Leutkircher Gemeinderat (Freie Wähler) und hat eine eigene Praxis für Urologie im bayerischen Allgäu. Das sagt er zu den Diskussionen und den „unschönen Vorwürfen“ in den sozialen Medien seit dem Bekanntwerden der Corona-Fälle in der Kinderarztpraxis Fesseler.

„Nur eine Frage der Zeit“

„Meines Erachtens war es nur eine Frage der Zeit, bis erstmals ein Covid-19-Patient mit einer berufsbedingten hohen Anzahl an Kontakten erkrankt. Viele weitere werden folgen, leider. Jedoch sollten wir auch hier als Solidargemeinschaft zeigen, was in uns Leutkirchern steckt. Wir haben bereits vorbildlich viele Dinge umgesetzt, um die Infektionen zu verlangsamen, ob Stadtverwaltung, Einzelhändler oder Privatpersonen. Jetzt gilt es aber auch, Ruhe zu bewahren, wenn Covid-19-Erkrankungen in unserem sozialen Umfeld festgestellt werden. Auch hier sollten wir mit Anteilnahme und Solidarität reagieren. Ich persönlich drücke Herrn Dr. Fesseler und seinem ganzen Team mit allen Erkrankten die Daumen, dass sie diese Erkrankung ohne schwere Symptome unbeschadet überstehen“, erklärt Künst.

Verunsicherung und Ängste abbauen

Auch sein Telefon sei seit Montagabend nicht mehr still gestanden, viele Sorgen und Nöte seien ihm angetragen worden. „Ich habe versucht, die Verunsicherung und Ängste abzubauen. Aber mir war klar, diese Sorgen treibt die Menschen, verständlicherweise, einfach um“.

Informationen für einen Kontaktfall

Um in den erwarteten weiteren Fällen die nötige Ruhe zu bewahren, fasst Künst die wichtigsten Informationen für einen Kontaktfall noch einmal zusammen: Wenn man mit einem Covid-19-Patienten Kontakt hatte, müsse zunächst geklärt werden, wann der Patient die ersten Symptome hatte. Von da aus rechnet man zwei Tage zurück, um überhaupt den möglichen Infektionszeitraum festzulegen. Hat der Covid-19-Patient zum Beispiel am Freitag erstmals Husten bekommen, dann sind nur diejenigen Kontaktpersonen, die ihn seit Mittwoch getroffen haben. Für die weitere Risikoabwägung sei nun entscheidend, wie lange der Kontakt war oder ob ein Austausch von Sekreten stattgefunden hat. War der Kontakt länger, dann ist die Frage, ob man auch direkt miteinander gesprochen hat, also von Angesicht zu Angesicht oder ob ein Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten werden konnte. Sollten diese Fragen mit Ja beantwortet werden können, ist man Hochrisiko-Kontaktperson, erklärt Künst.

Soziale Kontakte reduzieren

Nun kommt das zuständige Gesundheitsamt ins Spiel. Das entscheidet vor Ort, wer zur Hoch-Risikogruppe gehört und wer nicht. Zu diesen allgemeinen Empfehlungen des RKI werden nun die Gegebenheiten vor Ort hinzugenommen und entschieden, wer in Quarantäne (Hochrisikogruppe) muss und wer nicht (Niedrigrisikogruppe). Stand heute ist die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts für Niedrig-Risiko-Gruppen wie folgt, erläutert Künst: Bitte versuchen Sie, die nächsten zwei Wochen (gezählt ab dem Zeitpunkt der möglichen Ansteckung) Ihre sozialen Kontakte auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren. Im Klartext: Sie dürfen weiter zur Arbeit gehen, Sie sollten aber den nicht notwendigen Besuch bei den Großeltern verschieben. „Ein Test auf SARS-CoV-2 macht für diese Personengruppe keinen Sinn“, betont Künst.

Sollte man zu der erwähnten Niedrig-Risikogruppe gehören und innerhalb dieser zwei Wochen grippeähnliche Symptome erleiden, sollte man telefonische Rücksprache mit dem Gesundheitsamt oder seinem Hausarzt halten. Dann kann ein Test unter Umständen notwendig werden.

Gesundheitsamt kann Quarantäne anordnen

Hoch-Risikopersonen sind diejenigen, die engen Kontakt gepflegt haben, also vor allem Familienmitglieder der Covid-19-Patienten, eventuell auch noch sehr enge Mitarbeiter oder Kollegen oder Patienten bei einer entsprechenden Untersuchung. Eine häusliche Quarantäne im Sinne des Infektionsschutzgesetzes wird vom Gesundheitsamt angeordnet und betrifft in der Regel nur die Erkrankten und unter Umständen die im Haushalt lebenden Personen. Dann ist auch das Land verpflichtet, entsprechenden Lohnausfall zu erstatten.

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