Buntes Programm in Leutkirchs Galerien

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 Der Künstler Lorenz Helfer aus Bregenz, eröffnet am Freitag, 24. Mai, seine Ausstellung im Gotischen Haus.
Der Künstler Lorenz Helfer aus Bregenz, eröffnet am Freitag, 24. Mai, seine Ausstellung im Gotischen Haus. (Foto: Wolfgang Pohn)
Schwäbische Zeitung
Otto Schöllhorn

Über das Jahr hinweg zeigt der Galeriekreis Leutkirch vier Ausstellungen mit Werken renommierter Künstler aus Süddeutschland und Vorarlberg in den städtischen Galerieräumen, wie dem Gotischen Haus, dem Torhaus und dem Kornhaus. Techniken und unterschiedliche Stilrichtungen, von großformatigem expressivem Gestus über fotorealistische Malerei mit besonderen skulpturalen Akzenten bis zur Technik der Zeichnung der Gegenwart, setzen abwechslungsreiche Akzente.

Ab 24. Mai zeigt Lorenz Helfer, ein junger Künstler aus Bregenz, im Gotischen Haus den Sommer über seine zum Teil sehr großformatigen malerischen Arbeiten, in denen er sich mit Beziehungen in einem breiteren Sinn auseinandersetzt, mal leise, verspielt und zärtlich, mal drohend, gewaltig. Lorenz Helfer arbeitet intuitiv, direkt, ohne Vorzeichnungen. „In dem Moment, in dem ich anfange, weiß ich nicht, was entstehen wird. Die Themen kommen zu mir. Ich werde selbst überrascht.“

Mit einer ganz anderen Stilrichtung kommt die Sommerausstellung im Torhaus daher. Die beiden Stuttgarter Künstler Andrea Eitel und Uli Gsell setzen sich mit Veränderungen der Natur und von Menschenhand Geschaffenem auseinander. Von jeher gestalteten Menschen die Natur, schlugen Höhlungen in den Fels, bauten urbane Siedlungen und waren schöpferisch tätig in der Verarbeitung von Materialien oder der Umsetzung des Gesehenen zu Bildwerken.

Andrea Eitel greift mit ihrer (fotorealistischen) Malerei das Thema „Ästhetik des Technischen und des Alltäglichen“ auf. So werden die Dinge des Alltags auf der Leinwand aus dem trivialen Alltäglichen auf eine übergeordnete neue Ebene gehoben. Der Bildhauer Uli Gsell dagegen behaut rohe Steine zu Skulpturen, mit Einbuchtungen, Einkerbungen, die im Spiel von Licht und Schatten mit Treppen, Kammern und Durchblicken an archaische Behausungen erinnern.

See- und Bergsicht

Blicke in das hügelige grüne Allgäu, auf Berge und den Bodensee mit seinen Wolkenformationen und Farbstimmungen bestimmen in erster Linie die Herbstausstellung im Kornhaus. Die breitformatige Malerei des Feldkircher Künstlers Helmut Rauch fällt unter die Kategorie „Postmoderner Realismus“. Bei der Umsetzung fotografischer Motive in Malerei ist die impressionistische Farbumsetzung zentral.

Hauptmotive sind für Rauch die Seestücke, Blicke über den Bodensee oder auf die wellenförmigen Hügelungen des Allgäus. In Korrespondenz dazu stehen die freihängenden Skulpturen, silberne Alu Güsse, der jungen Künstlerin Alessa Brossmer aus Überlingen. Sie lassen die Dominanz einzelner Berge in ihrer ästhetischen Schroffheit im Gegensatz zur sanft wirkenden Malerei nahezu spürbar und greifbar werden.

Die Zeichnung ist schon seit Jahrtausenden ein künstlerisches Ausdrucksmittel. Älteste Zeugnisse sind Felszeichnungen, Jagdszenen oder magische Symbole. Zeichnen diente häufig nur zum Abbilden von Gesehenem, oft als Vorlage für Gemälde.

In der Winterausstellung im Torhaus jedoch soll erfahrbar werden, dass die Zeichnung in der Kunst der Gegenwart zu einer autonomen Ausdrucksweise gefunden hat und welch unterschiedliche Ansätze es in der Linienführung beim Zeichnen in der Gegenwartskunst gibt. Drei Künstler zeigen ihre ganz individuelle Art, zeichnerisch eine Idee umzusetzen und ein Bildwerk zu erzeugen: Doris Fend aus Götzis/Vorarlberg, Dieter Konsek aus Wilhelmsdorf und Martin Oswald aus Weingarten.

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