„Bonjours à tous“, heißt es in der Realschule

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Laureta Agossah zeigt den Achtklässlern der Otl-Aicher-Realschule, wo die Heimat ihrer Eltern liegt: im afrikanischen Togo. Auch
Laureta Agossah zeigt den Achtklässlern der Otl-Aicher-Realschule, wo die Heimat ihrer Eltern liegt: im afrikanischen Togo. Auch dort wird französisch gesprochen. (Foto: Sabine Centner)
Sabine Centner

„Bonjour à tous. Je m’appelle Laureta“. Es waren Unterrichtsstunden der etwas anderen Art, die am Mittwoch in der Leutkircher Otl-Aicher-Realschule mit dieser Begrüßung auf französisch begonnen haben. Laureta Agossah, 25-jährige Soziologin aus Nantes mit togolesischen Wurzeln, ließ dabei Schülerinnen und Schüler der siebten, achten und neunten Klassen spielerisch und locker in ihre Muttersprache hineinhören. Unterwegs ist Laureta mit dem sogenannten Francemobil im Rahmen der Aktion „Französisch auf Rädern“, einer gemeinsamen Initiative des Deutsch-Französischen Jugendwerks, des Institut français und der Robert-Bosch-Stiftung.

Freche Zöpfchen, Piercing, Tattoos und sichtlich Spaß an der Arbeit mit den Jugendlichen: Laureta Agossah kommt an bei den Schülern. Konsequent spricht sie in ihrer Muttersprache, spielerisch versucht sie den Schülerinnen und Schülern Antworten auf französisch zu entlocken. Anfangs nicht ganz einfach, denn zum einen lernen die Achtklässler die Fremdsprache erst im zweiten Jahr. Zum anderen braucht es schon etwas Mut, einer Muttersprachlerin auf französisch zu antworten.

Französischer Käse gefragt

Aber im Laufe der Stunde erfährt Laureta immerhin, wer was mag oder nicht mag, wer wie alt ist und wo die Schülerinnen und Schüler wohnen. Und auch auf kniffligere Fragen, etwa nach einem französischen Käse, Gegenständen aus der Küche oder gar nach weihnachtlichen Bräuchen, findet sich schließlich eine Antwort.

Seit September vergangenen Jahres ist Laureta mit dem „Francemobil“ in Baden-Württemberg unterwegs. Drei Schulen und Ausbildungsstätten pro Woche besucht sie, von der fünften Klasse bis zur Berufsschule. „Wir haben viel Spaß zusammen“, sagt die junge Französin, die in Stuttgart lebt und Sprachen liebt. Deutschlandweit sind insgesamt zwölf französische Lektoren unterwegs und können von Schulen eingeladen werden. Das Ziel der Aktion: Schüler, aber auch Lehrer und Eltern sollen „ein zeitgemäßes Frankreichbild“ und Informationen zur Fremdsprachenwahl vermittelt bekommen. Wie es von „Francemobil“ heißt, hat das Programm mit seinen Aktionen und Angeboten in den vergangenen 13 Jahren bundesweit bereits mehr als 1,03 Millionen Schüler an etwa 12 300 Schulen erreicht.

An der Leutkircher Otl-Aicher-Realschule war das „Francemobil“ am Mittwoch erstmals zu Gast, sagt Französischlehrerin Kathrin Höß. Ihren Achtklässlern ging diese Unterrichtsstunde fast zu schnell vorbei. Die meisten sehen es wie Fjolla: „Ich find’s cool“, urteilte die 14-Jährige am Ende der 45 Minuten. „Vor allem, weil im April meine Austauschschülerin aus Bédarieux kommt.“ Da können einige O-Töne französisch aus dem Mund von Muttersprachlerin Laureta tatsächlich nicht schaden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter francemobil.bw@institutfrancais.de oder www.francemobil.fr

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