Die Polizei wurde im Kreis Ravensburg im Jahr 2019 zu mehreren Tausend Unfällen gerufen.
Die Polizei wurde im Kreis Ravensburg im Jahr 2019 zu mehreren Tausend Unfällen gerufen. (Foto: Elke Obser)
Schwäbische Zeitung

Das Polizeipräsidium Ravensburg hat die Verkehrsunfallbilanz für das Jahr 2019 vorgestellt. Demnach sind mehr Unfälle passiert, bei denen auch mehr Menschen gestorben sind als noch im Vorjahr.

Die Bilanz bezieht sich auf die Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis. Im Jahr 2019 sind in den drei Landkreisen 17 755 Verkehrsunfälle passiert, die von der Polizei registriert wurden (plus 2,5 Prozent). Für die Städte Leutkirch, Isny und Bad Wurzach nennt die Polizei dabei auch ortsspezifische Zahlen. Dort ging die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer zurück.

Zahlen für Leutkirch

In Leutkirch kam es 2019 zu insgesamt 776 Verkehrsunfällen, 75 mehr als im Vorjahr. Während dabei 2018 noch zwei Personen starben, gab es laut Polizeistatistik 2019 keinen Todesfall. Allerdings stieg die Zahl der Schwerverletzten um fast 40 Prozent auf 32 Personen an. Häufigste Unfallursache in Leutkirch war die Missachtung der Vorfahrt, den größten Rückgang bei den Ursachen hat es mit 35 Prozent bei den Überholvorgängen (von 20 auf 13) gegeben.

Bei den Unfallverursachern liegen in Leutkirch die jungen Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren mit 66 Personen knapp vor den Senioren ab 65 Jahren. In dieser Risikogruppe verzeichnete die Polizei 61 Unfallverursacher. Zwei größere Veränderungen gab es außerdem bei der Zahl der Unfallfluchten, die um 13,3 Prozent auf 128 Fälle gestiegen sind, sowie bei den Unfällen mit Fahrrad-Beteiligung (ohne Pedelec), die von 36 auf 20 Fälle gesunken sind.

Zahlen für Isny

In Isny stieg die Zahl der Verkehrsunfälle 2019 leicht von 293 auf 306 an. Erfreulich ist trotz des Anstiegs, dass dabei die Zahl der Unfälle mit Verletzten um 16 Prozent von 50 auf 42 gesunken ist, und die Zahl der Schwerverletzten um 65 Prozent von 20 auf sieben. Getötet wurde dabei 2019 niemand, 2018 gab es einen tödlichen Unfall.

Eine größere Veränderung gab es in Isny bei den beiden Risikogruppen junge Fahrer und Senioren: Die Zahl der jungen Fahrer als Unfallverursacher sank um 25 Prozent auf 24, während die Zahl der Senioren als Unfallverursacher um 53 Prozent auf 40 stieg.

Zahlen für Bad Wurzach

Wie 2018 gab es in Bad Wurzach auch 2019 einen tödlichen Verkehrsunfall. Insgesamt sank die Zahl der Verkehrsunfälle leicht von 325 auf 320. Obwohl im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent gesunken, war die häufigste Unfallursache in Bad Wurzach die Missachtung der Vorfahrt.

Zwei größere Veränderungen gab es außerdem bei der Zahl der Unfallfluchten, die um 32 Prozent auf 41 Fälle gesunken sind, sowie bei den Unfällen mit Pkw-Beteiligung, die von 96 auf 71 Fälle gesunken sind.

Gesamtbilanz Polizeipräsidium

Schwere Unfälle: Schwere Unfälle mit Verletzten sind zurückgegangen. Auf Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang treffe das leider nicht zu, so Polizeipräsident Uwe Stürmer bei der Vorstellung der Zahlen. Es seien im Präsidiumsgebiet bei Verkehrsunfällen elf Todesopfer mehr als im Vorjahr zu beklagen, insgesamt 38 Menschen starben. Damit liege man über dem angestrebten Wert aus dem „Verkehrssicherheitskonzept Baden-Württemberg“, das eine Senkung der Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen bis 2020 um 40 Prozent vorsah.

In der Polizeipressemitteilung heißt es zu den Gründen für die Entwicklung: Es dränge sich der Verdacht auf, dass neben den Hauptunfallursachen Vorfahrtsverletzung und überhöhte Geschwindigkeit die Ablenkung eine immer größere Rolle spiele.

Als alarmierend bezeichnet die Polizei Erkenntnisse aus der Verkehrsüberwachung: Nahezu 3500 Fahrer seien erwischt worden, die während der Fahrt ihr Handy ohne Freisprecheinrichtung nutzten und damit zeitweise im Blindflug unterwegs gewesen seien. Die Polizei werde deshalb künftig verstärkt ein Augenmerk auf dieses „grob fahrlässige und unfallträchtige Verhalten“ richten.

Motorradunfälle: Die Motorradunfälle sind präsidiumsweit zwar rückläufig – am stärksten sogar im Landkreis Ravensburg gesunken (72 Unfälle weniger, Rückgang um rund 39 Prozent). Doch bei den insgesamt 326 Motorradunfällen im vergangenen Jahr sind zehn Fahrer und damit vier mehr als im Vorjahr ums Leben gekommen. In etwa der Hälfte der Fälle haben die Motorradfahrer die Unfälle selbst verursacht.

Lkw-Unfälle: Die Lkw-Unfälle sind nur leicht auf 804 angestiegen. Deutlich mehr als zwei Drittel dieser Unfälle seien von den Lkw-Fahrern verursacht worden, was einen Höchststand in der Langzeit-Betrachtung darstelle, so die Polizei.

Fußgängerunfälle: Die Zahl der Fußgängerunfälle hat abgenommen. 177 Fußgänger verunglückten – 139 wurden leicht, 36 schwer verletzt und zwei Jugendliche starben.

Fahrradunfälle: Bei 835 Fahrradunfällen seien zwei Radfahrer ums Leben gekommen, 145 wurden schwer, 622 leicht verletzt.

Unfallursachen: Bei 294 Unfällen war Alkohol im Spiel, das sind 45 mehr als im Vorjahr, was einer Zunahme um 18 Prozent entspricht. Ein Fakt, der Stürmer Sorgen bereitet. Zwar seien die Zahlen im Landkreis Sigmaringen und im Bodenseekreis leicht zurückgegangen, durch den überproportionalen Anstieg im Ravensburger Kreisgebiet von 110 auf 140 jedoch überlagert worden. Bei rund 44 Prozent aller Alkoholunfälle seien Personen verletzt worden.

„Dieser Entwicklung werden wir nicht tatenlos zusehen, sondern mit intensiven Alkoholkontrollen – wie schon in der zurückliegenden Fasnetszeit – entgegentreten“, bekräftigt der Polizeipräsident. Seltener als noch im Vorjahr seien Unfälle aufgrund von zu hoher Geschwindigkeit passiert. Allerdings sei etwa jeder vierte schwere Unfall genau auf diese Ursache zurückzuführen.

Senioren als Unfallverursacher: Während landesweit immer mehr am Straßenverkehr teilnehmenden Senioren Verkehrsunfälle verursachen, treffe dies für den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg nicht zu, merkte Stürmer positiv an. Die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Senioren beteiligt waren, sei auf 1586 Unfälle gesunken, das entspricht einem Rückgang um 2,3 Prozent. Allerdings waren sie in mehr als der Hälfte der Fälle (63 Prozent) die Unfallverursacher.

Besonders in Bezug auf Fahrradunfälle bereiten Senioren dem Polizeipräsidenten Sorge. Ins Auge fällt ihm bei Betrachten der Statistik, dass bei etwa der Hälfte aller vom Fahrer selbst verursachten Pedelec-Unfälle Senioren auf dem Sattel saßen. „Die Polizei werde aufgrund der gestiegenen Unfallzahlen bei ihrer Präventionsarbeit deshalb ein noch größeres Augenmerk insbesondere auf ältere Personen legen, die als Wiedereinsteiger bevorzugt mit dem Pedelec unterwegs sind“, so Polizeipräsident Uwe Stürmer.

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