Das Landgericht in Ravensburg bestätigte das Urteil des Leutkircher Amtsgerichtes.
Das Landgericht in Ravensburg bestätigte das Urteil des Leutkircher Amtsgerichtes. (Foto: Peter Steffen/dpa)
Wolfgang Steinhübel

Das Landgerichts Ravensburg hat die Berufung eines Mannes verworfen. Er war wegen schwerer Körperverletzung und Beleidigung vom Amtsgericht Leutkirch im Oktober 2018 zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden.

Es waren zwei Vorgänge in einem Lebensmittelmarkt in Leutkirch, die das Ravensburger Landgericht zu bewerten hatte. Der Angeklagte arbeitete dort zwei bis drei Tage im Monat als Supermarkt-Detektiv. Am 17. Mai 2018 gegen 19 Uhr kam es zu einer Auseinandersetzung mit einer Kundin, die er schon länger im Visier hatte. Er hatte beobachtet, dass sie bei jedem Einkauf größere Mengen an Prospekten mitnahm. Der Supermarkt-Detektiv berichtete dem Gericht zudem, mittels Überwachungskameras habe er wiederholt gesehen, dass die Frau sich mit der Hand hinten in die Hose greife. An diesem Abend im Mai steht die Kundin in der Obstabteilung. Der Mann geht auf sie zu und beleidigt sie. Dann spuckt er in ihre Richtung und geht weg. Die Frau läuft hinter ihm her. Es gibt ein hitziges Wortgefecht. Die Polizei wird gerufen. Beide Parteien bestätigen den Vorfall. Die Frau fühlt sich durch das Anspucken erniedrigt und erhebt Anzeige wegen Beleidigung und falscher Verdächtigung. Der Detektiv gibt an, nur Tatsachen von sich gegeben zu haben. Anschließend wird die Frau vom Detektiv des Hauses verwiesen.

Innerlich aufgewühlt holt die Frau gegen 22 Uhr ihren Mann von der Spätschicht ab. Ihm erzählt sie was vorgefallen ist, die beiden fahren sofort zum Supermarkt. Der Mann steigt aus. Da der Supermarkt geschlossen hat, geht er zum Lieferanteneingang und sieht den Detektiv durch ein Fenster. Er klopft laut dagegen und schreit: „Komm raus“. Was dann passiert, wird von den beiden Beteiligten unterschiedlich geschildert. Unmittelbare Tatzeugen gibt es nicht. Der Angeklagte sagt aus, der Mann habe ihm ins Gesicht gespuckt und dann mit den Fäusten auf ihn eingeschlagen. Er habe zurückgeschlagen und ihn zu Boden gerissen. Dann kam es zu einer längeren Rangelei. Er trägt leichte Verletzungen und Prellungen davon.

„Es war wie eine Hinrichtung“

Etwas ganz anderes berichtete der Ehemann. Der Detektiv habe ihm sofort zwei Faustschläge ins Gesicht verpasst, sofort sei er auf dem Boden gelegen, dann folgten weitere Faustschläge und Fußtritte gegen die Rippen: „Es war wie eine Hinrichtung“. Immer wieder habe er gesagt: „Hör bitte auf.“ Nach etwa zehn Minuten trifft die Polizei ein, gerufen von einer Supermarkt-Mitarbeiterin. Der Ehemann wird mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Er hat multiple Prellungen im Gesicht und an den Rippen, Quetschwunden, Nase und Lippe bluten. Mehrere Wochen ist er arbeitsunfähig. Wochenlang hat er Albträume.

Das Gericht vernahm zahlreiche Zeugen, die allerdings zum unmittelbaren Tatbestand nichts aussagen konnten. Der Angeklagte führte noch zwei Videos vor, in denen auf einem zu sehen sein soll, wie sich die Frau in die Hose greift auf dem anderen war der Vorfall am Obststand zu beobachten. In seinem Plädoyer forderte der Angeklagte, der ohne Rechtsbeistand vor Gericht erschien, für sich einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft sowie der Nebenkläger beantragten, die Berufung zu verwerfen.

In ihrer Urteilsbegründung sprach die Vorsitzende Richterin Katrin Fischer-Dankworth davon, dass die Kammer von der Schuld des Angeklagten überzeugt sei. Der Tatbestand der Beleidigung sei gegeben. Die gefährliche Körperverletzung sei kein minderschwerer Fall. Die dokumentierten Verletzungen des Opfers seien gezielt herbeigeführt worden. Objektive Anhaltspunkte für das Gericht seien zudem unter anderem die Aussagen des hinzugekommenen Polizisten gewesen. Dieser hatte berichtet, der Angeklagte habe auf dem Opfer gesessen und dieses habe die Arme schützend über seinem Kopf gehabt. Gegen den Angeklagten sprach zudem eine einschlägige Vorstrafe. Für ihn und für die Strafaussetzung auf Bewährung spricht sein gefestigtes soziales Umfeld. Neben der Strafe muss der Angeklagte die Kosten beider Verfahren tragen.

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