Berufsorientierung statt Unterricht

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Redakteur Leutkirch

„Man bekommt einen groben Überblick über die Berufe“, „jeder kann viele Kontakte knüpfen“ oder „auf jeden Fall besser als Mathe-Unterricht“ – so bewerten einige Leutkircher Schüler den „Markt der Möglichkeiten“, der am Donnerstag in der Geschwister-Scholl-Schule über die Bühne gegangen ist. Mehr als 650 Jungen und Mädchen besuchten die Aus- und Weiterbildungsbörse, um sich ein Bild über sämtliche Berufe zu verschaffen.

Ein hoher Geräuschpegel herrscht in der Aula des Gebäudes. Etliche Vertreter von 25 Ausbildungsstätten aus Leutkirch und der näheren Umgebung befinden sich in Gesprächen mit Schülern. „Die Fragen sind eigentlich immer die gleichen“, meint Julian Foot, Auszubildender bei Netze BW. Elektroniker für Betriebstechnik will er sich in einigen Monaten nennen. „Die meisten wollen wissen, was lernst du? Wie lange dauert die Ausbildung? Was sind die Voraussetzungen?“, erzählt er. Eine Schulstunde haben die Jungen und Mädchen Zeit, sich Informationen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ zu verschaffen. Anschließend geht der Unterricht weiter und die nächste Welle an Schülern betritt die Aula.

Suche nach speziellen Infos

Auf der Suche nach spezielleren Informationen seien die Jugendlichen derweil beim Informationsstand der Polizei. „Wie werde ich eingestellt?“, lautet dort die dominierende Frage, erzählt eine Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Besonders häufig werde sie auf Sport- und Intelligenztest angesprochen, die es vor der Einstellung zu bewältigen gilt. „Was tragen Sie alles bei sich?“ will eine Schülerin am späten Vormittag zudem von einem der Polizisten wissen.

„Bei uns hält sich das Interesse bisher eher in Grenzen“, gesteht Roman Trautmann, Ausbilder bei der Firma Sycotec, etwa zur Halbzeit der Ausbildungsbörse. Der vorgestellte Ausbildungsberuf: Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik. Viele halten sich von technischen Dingen eher fern, beobachtet er. Eine Elektrospindel sowie Holzblättchen, in die die Schüler Gravuren einarbeiten können, haben die Sycotec-Vertreter mitgebracht.

Viel Nachfrage gibt es am Stand der Hilfsorganisation Caritas. Dort informieren drei Mitarbeiter beispielsweise über ein Psychologie-Studium, ein Duales Studium im sozialen Management oder über ihre Arbeit bei der Familienberatung. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei der Andrang an den Berufsbildern größer, erklärt Psychologin Ute Mayer. Bereits am frühen Vormittag hielten die Caritas-Vertreter vor Schülern der beruflichen Gymnasien einen Vortrag über die Tätigkeitsfelder der Organisation.

Jugendliche von anderen Schulen

Bereits seit einigen Jahren lädt die Geschwister-Scholl-Schule zum „Markt der Möglichkeiten“ ein. Neu bei der diesjährigen Auflage: Auch Klassen von umliegenden Schulen wurden eingeladen. So kamen Jugendliche aus dem Hans-Multscher-Gymnasium, der Otl-Aicher Realschule und der Gemeinschaftsschule. Die Veranstaltung „zeigt die Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten. Die Schüler sollen sehen, was alles möglich ist“, erklärt Beate Zabler, Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Schule. Zudem sei eine erste Kontaktaufnahme mit Firmen möglich, die Ausbildungsplätze vor Ort anbieten.

Lediglich wegen der Größe der Aula kommt der „Markt der Möglichkeiten“ an seine Grenzen. „Wir hätten noch zehn Aussteller mehr nehmen können“, sagt Sander Esslinger, Leiter des Organisationsteams. Allerdings habe der Platz dafür nicht ausgereicht. Genügend Platz gibt es hingegen für zwölf Professoren der Hochschulen Kempten, Weingarten und Ravensburg, die in Vorträgen Absolventen eines beruflichen Gymnasiums über diverse Studiengänge informieren. Die Schwerpunkte: Technik, Soziales, Medien.

Ein Großteil der Leutkircher Schüler ist froh über das Angebot. „Ich habe jetzt erste Kontakte für meine Ausbildung“, erklärt einer der Jugendlichen. Ein anderer meint: „Ich weiß zwar schon, was ich ungefähr machen will, aber das hier ist auch gut, um einen Plan B zu kriegen. Man braucht immer einen Plan B“ ist er sich sicher. Anschließend macht er sich auf den Weg zum Mathe-Unterricht.

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