Bei der Flüchtlingsbetreuung gibt’s Veränderungen

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 Petra Angele ist die Integrationsbeauftragte der Stadt Leutkirch.
Petra Angele ist die Integrationsbeauftragte der Stadt Leutkirch. (Foto: Simon Nill)
Schwäbische Zeitung
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424 Flüchtlinge leben derzeit in Anschlussunterbringungen in Leutkirch, Aitrach und Aich-stetten. Sie zu betreuen, ist ab dem kommenden Jahr Aufgabe der sogenannten Integrationsmanager, die von der Stadt Leutkirch angestellt und vom Land Baden-Württemberg finanziell gefördert werden. Um die Männer und Frauen in Gemeinschaftsunterkünften kümmern sich ab Januar Mitarbeiter des Landkreises Ravensburg.

Intensive Betreuung ist nötig

Dass die künftigen Leutkircher Integrationsmanager sich ausschließlich um die Bewohner von Anschlussunterkünften kümmern, ergibt aus Sicht von Petra Angele, Integrationsbeauftragte der Stadt Leutkirch, Sinn. Denn diese Flüchtlinge haben in der Regel gute Chancen, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können.

„Das ist reelle, planbare Integration“, meint sie im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Trotzdem sei es natürlich wichtig, auch die Menschen in Gemeinschaftsunterkünften wie etwa an der Sudeten- oder Memmingerstraße intensiv zu betreuen.

Nach derzeitigen Stand erhält die Stadt Leutkirch – gemeinsam mit Aichstetten und Aitrach – finanzielle Mittel für 3,75 Stellen an Integrationsmanagern. Zum Vergleich: Bisher stehen 2,5 Stellen an Sozialbetreuern für die gesamten Flüchtlinge – sowohl in Gemeinschaftsunterkünften als auch Anschlussunterbringungen – zur Verfügung. „Die Integrationsmanager werden aber einen deutlich höheren Verwaltungsaufwand haben“, erklärt Angele. Es gelte beispielsweise, für jeden Flüchtling eine Integrationsvereinbarung zu treffen, in der etwa individuelle Ziele gesetzt werden.

Eine Verwaltungsvorschrift zur Umsetzung des sogenannten Paktes für Integration gebe es vom Land Baden-Württemberg allerdings noch nicht. Diese soll Ende November vorliegen. Erst dann kann sich die Stadtverwaltung auf die Suche nach geeigneten Integrationsmanagern machen. Nach derzeitigem Stand der Planungen ist angestrebt, für die Mitarbeiter in der Flüchtlingsbetreuung ein eigenes Büro in der Innenstadt einzurichten.

Weitgehend unberührt von den Veränderungen bleiben die Tätigkeiten der zahlreichen ehrenamtlichen Betreuer. Zum sogenannten Helferkreis Asyl zählen in der Leutkircher Kernstadt etwa 20 Engagierte. Darüber hinaus gibt es laut Angele viele Einzelpersonen, die sich um Flüchtlinge kümmern. Unterstützt wird zum Beispiel bei der Wohnungsvermittlung, bei Behördengängen, bei Arztbesuchen oder in Form von Sprachunterricht. Das Engangement der Helfer sei ungebrochen, versichert Angele. Hin und wieder würden Ehrenamtliche den Helferkreis verlassen, gleichzeitig aber andere hinzukommen.

Verändert habe sich bei der ehrenamtlichen Arbeit seit Beginn der Flüchtlingsbetreuung in erster Linie die Struktur. „Die Arbeit ist jetzt besser organisiert“, beschreibt Angele. Die Folge: Den Asylbewerbern könne gezielter geholfen werden. Ein Manko sieht die Leutkircher Integrationsbeauftragte dennoch: „Es sind eher Ältere, die helfen.“ Um etwas frischen Wind in die ehrenamtliche Betreuung zu bekommen, ist für die nächsten Monate eine Werbeaktion geplant. Dann sollen auch junge Menschen für die Integrationsarbeit gewonnen werden. Wichtig ist Petra Angele außerdem, dass die Arbeit der zahlreichen Helfer ausreichend gewürdigt wird. „Der Einsatz ist nämlich keine Selbstverständlichkeit“, stellt sie klar.

Quote bereits übererfüllt

Damit, dass im kommenden Jahr weitere Flüchtlinge nach Leutkirch kommen, rechnet die Integrationsbeauftragte indes nicht. „Wir haben die Quote bereits übererfüllt“, meint sie. Um in der Stadt zusätzlichen Wohnraum für Anschlussunterbringungen zu schaffen, sollen an der Straße „Im Schleifrad“ Wohncontainer aufgestellt werden.

Der Kostenpunkt: rund 500 000 Euro. Im Dezember könnten dort bis zu 32 Männer und Frauen einziehen. „Das sind Menschen, die eine gute Bleibeperspektive haben“, so Angele. Zum Hintergrund: Flüchtlinge, die länger als zwei Jahre auf das Ergebnis ihres Asylantrags warten, oder deren Antrag bereits anerkannt wurde, müssen in eine sogenannte Anschlussunterbringung umziehen. Da in Leutkirch derzeit wenig städtischer und auch privater Wohnraum zur Verfügung steht, hat sich der Gemeinderat für den Wohncontainerbau entschieden.

Viele lobende Worte richtet die Integrationsbeauftragte an verschiedene Leutkircher Einrichtungen und Organisationen, die sich mit Projekten für die Integration starkmachen. Sie nennt zum Beispiel die Elobau-Stiftung oder das Familienbündnis.

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