Bauerneinkommen im Land gesunken

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 Im Schnitt ist in den Milchviehbetrieben im Land das Unternehmensergebnis je Familienkraft laut Verband um 13,3 Prozent gesunke
Im Schnitt ist in den Milchviehbetrieben im Land das Unternehmensergebnis je Familienkraft laut Verband um 13,3 Prozent gesunken. (Foto: Sebastian Kunigkeit/dpa)
Schwäbische Zeitung
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Die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg sind laut Landesbauernverband im Wirtschafsjahr 2018/19 (1. Juli bis 31. Juni) im Durchschnitt um 8,5 Prozent gesunken. Das Ergebnis je Familienarbeitskraft lag demnach bei 34 275 (2017/18: 37 465) Euro.

Die Einkommen der Milchviehbetriebe seien um 13,3 Prozent auf 45 747 (52 752) Euro je Familienarbeitskraft zurückgegangen. Dies lasse sich vor allem auf gestiegene Kosten insbesondere bei Futtermitteln, niedrige Rinderpreise und leicht gesunkenes Milchgeld zurückführen. Futterbaubetriebe mit Rindermast und Mutterkühen liegen demnach bei 24 233 (27 525) Euro je Familienarbeitskraft, was einem Rückgang von zwölf Prozent entspricht. Die Gemischtbetriebe müssten ebenfalls ein um 12,1 Prozent niedrigeres Einkommen von 22 514 (25 649) Euro je Familienarbeitskraft hinnehmen.

Bauern im Süden kommen vergleichsweise glimpflich davon

Seit mehreren Jahren verharren die Unternehmensergebnisse der Ackerbaubetriebe laut Verband auf niedrigem Niveau. „Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr konnten die Ackerbauern das niedrige Einkommensniveau nicht wesentlich verbessern“, sagt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbands. „Die Betriebe konnten einen leichten Zuwachs um 3,3 Prozent auf lediglich 31 545 (30 525) Euro je Familienarbeitskraft verzeichnen.“ Im Gegensatz zu Nord- und Ostdeutschland seien die Bauern im Südwesten im Trockenjahr 2018 mit der Höhe der Ernteerträge noch glimpflich davon gekommen.

Für die Erhebung dieser Unternehmensergebnisse wurden laut Verband Buchführungsergebnisse von 1627 landwirtschaftlichen Hauptbetrieben ausgewertet. Das Unternehmensergebnis (Bruttoeinkommen) müsse neben der Entlohnung für die Familien-Arbeitskräfte sowie die unternehmerische Tätigkeit auch die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals abdecken. Zusätzlich würden davon die Sozialabgaben, persönliche Steuern, Tilgung für Fremdkapital und finanzielle Verpflichtungen gegenüber der Vorgängergeneration abgehen. Ein Teil des Unternehmensergebnisses sei außerdem für die Finanzierung von Ersatz- und Neuinvestitionen aufzuwenden.

Sieben-Tage-Woche und mindestens 50 Stunden

Waldemar Westermayer, Vorsitzender des Bauernverbands Allgäu-Oberschwaben, erklärt, dass die Zahlen nicht ganz auf die Betriebe rund um Leutkirch passen würden, da diese mit im Schnitt 40 Hektar eine kleinere Fläche hätten. Die vom Landesverband ausgewerteten Betriebe verfügen im Schnitt über eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 75 Hektar. Mit Blick darauf, dass Landwirte in der Regel eine Sieben-Tage-Woche hätten und mindestens 50 Stunden arbeiten würden, ist sich Westermayer sicher: „Viele Landwirte arbeiten unter dem Mindestlohn“.

In Baden-Württemberg gibt es laut Mitteilung des Landesverbands nach der amtlichen Statistik 39 600 Betriebe. Die durchschnittliche Betriebsgröße betrage knapp 36 Hektar pro Betrieb (deutschlandweit rund 62 Hektar). Die überwiegende Mehrheit (89 Prozent) der landwirtschaftlichen Betriebe werde als Familienbetrieb, als sogenanntes Einzelunternehmen, geführt. In Baden-Württemberg wirtschaften ein Drittel dieser Einzelunternehmen im Haupterwerb und knapp zwei Drittel im Nebenerwerb, so der Verband.

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