Bürgerbahnhof ist deutschlandweit Vorbild

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Bürgerbahnhof ist deutschlandweit Vorbild (Foto: Steffen Lang)
Schwäbische Zeitung
Sabine Centner

„Insgesamt ok und zur Nachahmung freigegeben.“ Es ist eine positive Bilanz, die Christian Skrodzki, Vorsitzender der Genossenschaft Leutkircher Bürgerbahnhof, zum „Einjährigen“ zieht. Genau vor einem Jahr, am 20. April 2012, war er eröffnet worden, der Bürgerbahnhof, der mittlerweile deutschlandweit zum Modell geworden ist. 695 Leutkircher Bürger hatten bekanntlich Anteile gezeichnet und damit – samt Zuschüssen und öffentlichen Mitteln – die 2,6 Millionen teure Sanierung des marode gewordenen Gebäudes möglich gemacht.

„Nach wie vor besteht ein unglaublich großes Medieninteresse“, sagt Christian Skrodzki im Gespräch mit der SZ. „Es vergeht keine Woche, in der nicht Vertreter von Medien oder Gemeinden aus ganz Deutschland anrufen.“ Er selbst hat die Genossenschaft Leutkircher Bürgerbahnhof in Cuxhaven ebenso vorgestellt wie in Dießen am Ammersee. Im badischen Sulzfeld, dem „Schwesterbahnhof“, wurde das Modell „samt Logo 1:1 übernommen“, Mitglieder des sächsischen Landtags interessieren sich genauso dafür wie das bayerische Murnau am Staffelsee. Kein Wunder deshalb, dass Skrodzki sich für die Genossenschaft freut: „Wir haben bundesweit viel Anerkennung und Lob bekommen und sind für zahlreiche Preise nominiert.“

Gäste kommen auch aus Bayern

Positiv fällt die Bilanz auch in Sachen Gastronomie aus. Allen Unkenrufen zum Trotz sei das Lokal im Erdgeschoss des Bürgerbahnhofs gut besucht, wobei „auffallend viele Gäste aus dem bayerischen Umland“ kämen. „In erster Linie wegen des Gebäudes“, wie Skrodzki vermutet. Aber auch die Leutkircher selbst seien sichtbar stolz auf ihren schmucken Bahnhof samt der neu gestalteten Umgebung und präsentierten das gesamte Ensemble gern ihren Besuchern.

Nicht ganz im Zeitplan ist man mit den Arbeiten im Inneren: „Da stehen wir erst zum Jahrestag mehr oder weniger vor der Fertigstellung.“ Aber, sagt Skrodzki zur Begründung, die Kräfte der beiden Genossenschaftsvorsitzenden seien aufgebraucht: „Axel Müller und ich laufen schon lange auf Reserve.“ Immerhin: Das Haus ist komplett vermietet – an die Gastronomie im Erdgeschoss und sechs Firmen im ersten Obergeschoss, die Bürogemeinschaften bilden.

Das Dachgeschoss beherbergt nicht nur das Informationszentrum für derzeit 15 Firmen („zwei, drei oder vier weitere hätten schon noch Platz“), sondern auch einen Konferenzraum, den etwa Vereine oder Selbsthilfegruppen mieten können. Noch gebe es hier freie Kapazitäten, private Feste allerdings seien nicht möglich.

„Ab Mai finden alle zwei Wochen Gottesdienste einer freien kirchlichen Gemeinschaft statt“, nennt Skrodzki ein Beispiel für die Nutzung des Saals unterm Dach des Bahnhofs. Denn: „Je mehr man dort erleben kann, desto mehr werden wir dem Anspruch eines Bürgerbahnhofs gerecht.“

2014 könnte ein Plus stehen

„Wenn’s richtig läuft, liegen wir 2013 schon leicht über dem Plan und können für 2014 ein positives Ergebnis erwarten“, rechnet der Vorsitzende und Initiator des Projekts vor. Das ist wichtig, denn jährlich müssen 10000 Euro Erbpacht an die Stadt Leutkirch bezahlt werden. Bei einem positiven Betriebsergebnis fällt dann auch noch Gewerbesteuer für den Stadtsäckel an.

Ein Fest zum ersten Geburtstag wird es am 20. April übrigens nicht geben. Schließlich ist Leutkirch am Sonntag, 5. Mai, Gastgeber des Bodo-Erlebnistags 2013 und der Bahnhof Teil des Veranstaltungsprogramms. Und mit einem Fest im Laufe des Jahres werden die Genossen selbst den erfolgreichen Start feiern.

Nach wie vor gibt es eine Warteliste für die Genossenschaft . Durch Wegzug und Todesfälle werden immer wieder Anteile frei. Die Struktur verändert sich allerdings, denn Nachrücker können nur mehr jeweils einen Anteil pro Kopf zeichnen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.leutkircher-buergerbahnhof.de und www.bodo.de

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