Augen öffnen: Behindertenbeiräte nun offiziell im Amt

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 Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle und Manuela Wacker-Günther mit den neuen Mitgliedern des Behindertenbeirats.
Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle und Manuela Wacker-Günther mit den neuen Mitgliedern des Behindertenbeirats. (Foto: Steffen Lang)
Redakteur Bad Wurzach

Der neue Behindertenbeirat der Stadt Leutkirch ist offiziell im Amt. Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle und die zuständige Fachbereichsleiterin Manuela Wacker-Günther überreichten den Ehrenamtlichen am Donnerstagnachmittag die Bestellungsurkunden.

Folgende ehrenamtliche Mitglieder hat der Beirat bis 2023: Peter Siegrist, Kerstin Rupp, Roland Krug, Berndt Berger, Laura Hanser, Martina Warger und Claudia Sauter. Nachrücker sind Sabira Arslantekin und Brigitte Ammon. Alle Bewerber sind entweder selbst von einer Behinderung betroffen oder Angehörige von behinderten Menschen.

Im Historischen Sitzungssaal des Rathauses dankte Henle am Donnerstag den bisherigen Beiratsmitgliedern und den neuen, „dass sie für Menschen mit Handicap wirken“.

„Leutkirch ist nicht perfekt, so wie die Welt nicht perfekt ist“, sagte der Oberbürgermeister, „aber wir wollen möglichst viele Hindernisse für Menschen mit Beeinträchtigungen Stück für Stück beseitigen. Dies gelingt uns am besten mit ihnen zusammen.“

Seit fünf Jahren gibt es einen Behindertenbeirat in Leutkirch. Die Große Kreisstadt ist damit laut der bisherigen Beiratsvorsitzenden Kerstin Rupp die einzige Kommune im Landkreis Ravensburg. Behindertenbeauftragte hätten ansonsten nur die Städte Isny und Wangen. „Wir würden uns wünschen, dass es in allen Gemeinden wenigstens einen Ansprechpartner gibt.“

Die vergangenen fünf Jahre der Zusammenarbeit nannte Henle „gute und interessante Jahre. Es ist schon sehr erstaunlich, was wir erst auf ihren Hinweis hin bemerkt haben. Sie haben uns in vielen Dingen die Augen geöffnet.“

Mehr als Barrierefreiheit

Der Behindertenbeirat trifft sich alle vier bis sechs Wochen, um Aktuelles zu besprechen und Anregungen zusammenzutragen. „Unser Ziel ist es“, sagt Rupp, „Menschen mit Beeinträchtigungen die Teilhabe am öffentlichen Leben, sei es zum Beispiel im Verkehr oder bei Veranstaltungen, zu ermöglichen.“ Das gehe weit über eine Barrierefreiheit hinaus. Es reiche nicht, wenn der Veranstaltungsort einen behindertengerechten Zugang hat. Der behinderte Mensch müsse auch dorthin kommen (zum Beispiel mittels eines Blindenleitsystems) und dort dann auch etwas verstehen (zum Beispiel durch eine entsprechende Akustikanlage).

Ein weiteres Beispiel für die Arbeit des Behindertenbeirats ist die Ausgabe der Euroschlüssel für öffentliche Behinderten-WCs, die es in Leutkirch an der Stadtbibliothek und am Bahnhof gibt. 17 solcher Schlüssel, die in ganz Europa nutzbar sein sollen, seien angefordert worden, erzählt Rupp.

Der Behindertenbeirat wird außerdem bei der Planung von größeren und kleineren Baumaßnahmen der Stadt eingebunden. „Wir wollen es gleich besser machen. Das ist sinnvoller als hinterher Versäumnisse auszubügeln“, so Henle. Es gebe noch viel zu tun, „aber ich bin mir sicher, dass es uns mit ihrer Hilfe gelingt“, so der Oberbürgermeister, bevor er die Urkunden übergab.

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