Arztpraxen fahren Betrieb aufs Notwendigste zurück

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Infoschild
Am MVZ für Augenheilkunde weist ein Schild auf die veränderten Bedingungen hin. (Foto: Tobias Schumacher)
Stellv. Redaktionsleiter/Redakteur Bad Wurzach

Die Arztpraxen der Region laufen im Krisenmodus. Wenn irgend möglich, werden nur noch Notfälle behandelt, ergab eine Umfrage der „Schwäbischen Zeitung“ in Leutkirch, Bad Wurzach und Isny.

Nur eingeschränkt läuft der Praxisbetrieb beim Hals-Nasen-Ohrenarzt Eckhard Morgen in Isny. „Was verschiebbar ist, verschiebt man“, sagt der promovierte Mediziner. Dazu kommen Notfälle, mit denen telefonisch Fragen (Aufenthalt in Krisengebieten? Kontakt zu bestätigten Infizierten?) geklärt werden. Bei ihren Patienten treffen Morgen und sein Praxisteam dabei nach eigener Aussage vorwiegend auf Verständnis. „Es herrscht keine Panik.“

Aber Ärzte und ihre Mitarbeiter sind einem wirklich großen Risiko ausgesetzt, ein hundertprozentiger Schutz ist nicht möglich.

Eckhard Morgen

Sich selbst schützt Morgen mit Mundschutz und dem Einsatz von Desinfektionsmitteln. „Aber Ärzte und ihre Mitarbeiter sind einem wirklich großen Risiko ausgesetzt, ein hundertprozentiger Schutz ist nicht möglich“, sagt Eckhard Morgen. Er weiß um die Gefahr, dass die im medizinischen Sektor Tätigen erkranken könnten, „und das ist fatal“.

„Kaum Möglichkeiten“ zum Eigenschutz sieht der Bad Wurzacher Allgemeinarzt Ulrich Kuhn: „Ich habe nur Restbestände an Schutzmasken, da brauche ich erst gar nicht damit anzufangen.“ Im Praxisbetrieb werde derzeit versucht, viel an Beratung über das Telefon zu erledigen. Routine-Untersuchungen seien weitgehend eingeschränkt, um vor allem ältere, besonders gefährdete Patienten zu schützen: „Viele wollen sich aber trotzdem untersuchen lassen“, berichtet der promovierte Mediziner.

Patienten, bei denen ein konkreter Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht, dürfen auch bei ihm die Praxis nicht betreten. „Für Menschen, die in einem Krisengebiet waren oder Kontakt mit Infizierten hatten und Symptome zeigen, machen wir die Papiere für den Test fertig und lassen sie ihnen zukommen.“

Nur noch absolute Notfälle behandelt derzeit die Bad Wurzacher Zahnärztin Martina Rinck. Vorerst bis Ende März hat sie alle ihre Patienten umbestellt. Ihren Behandlungsauftrag erfülle sie, betont die Medizinerin: „Ich bin ständig erreichbar und bestelle die Notfälle, bei denen kein Infektionsverdacht besteht, ein.“ Behandelt werde dann mit der vollen Schutzausrüstung – zum Beispiel Schutzbrille und FFP2-Atemschutzmaske. Der Nachschub dafür sei aber ein Problem: „Ich muss sparsam sein, damit ich Material für Notfälle habe“.

„Jenseits aller wirtschaftlichen Überlegungen“

Sie schränke ihren Betrieb ein „jenseits aller wirtschaftlichen Überlegungen“. Denn auch für sie sei die Krise finanziell ein harter Eingriff, „aber es ist ja jetzt für alle so, und lieber arbeite ich in einem Krankenhaus und helfe dort.“ Doch nun müsse jeder Vernunft walten lassen, „es werden nicht umsonst inzwischen Hallen zu Krankenhäusern umgerüstet“.

Die promovierten Leutkircher Zahnärzte Johannes Schmidt und Hubert Heinz versuchen ebenfalls, derzeit nicht unbedingt notwendige Zahnarzt-Patienten-Kontakte zu vermeiden. Es werden nur noch Patienten mit akuten Beschwerden in den Praxen behandelt. Das Personal ist auf ein Minimum reduziert, damit im Falle von Ausfällen auf das Personal in Reserve zurückgegriffen werden kann. Und dabei würden feste Arbeitsteams gebildet, um zu verhindern, dass sich alle Mitarbeiter gleichzeitig infizieren könnten.

Mit dieser Vorgehensweise hält sich die Leutkircher Praxis an ein Positionspapier der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz. „Leider gibt es aktuell aus Baden-Württemberg noch keine Empfehlung“, bedauern Schmidt und Heinz. „Und wir sparen damit auch Ressourcen wie Desinfektionsmittel und Schutzkleidung, die im Moment in anderen medizinischen Bereichen dringender gebraucht werden“, so die Mediziner.

Auch die Augenärzte im Medizinischen Versorgungszentrum Isny arbeiten im Notbetrieb, wie Marcin Skrzydlo berichtet: „Wir haben in der Praxis und im OP-Saal die Patientenzahl drastisch reduziert, behandeln nur noch Notfälle und führen Therapien fort, die nicht unterbrochen werden können.“ Auch werde darauf geachtet, dass sich im Wartezimmer maximal zwei Menschen aufhalten.

„Es gibt dort nur noch wenige Stühle und keine Zeitungen und keine Spielsachen mehr.“ Zusätzliche Schutzmaßnahmen hat der promovierte Mediziner nicht ergriffen: „Als Arzt ist man immer einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt und schützt sich daher sowieso, so gut es geht.“

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