Archivarin bringt Steine nach Riga

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Schwäbische Zeitung

Die Leutkircher Stadtarchivarin Nicola Sieg-loch hat an einer vom Deutschen Riga-Komitee veranstalteten Gedenk- und Erinnerungsreise nach Riga teilgenommen.

Im Wald von Bikernieki gedachten die Repräsentanten der Mitgliedstädte des Riga-Komitees anlässlich des Holocaust-Gedenktags in Lettland der Deportation und Ermordung von etwa 25 000 Juden aus dem Deutschen Reich, die dort in den Jahren 1941/42 erschossen und in Massengräbern verscharrt wurden. Zum Gedenken an Fritz und Lilly Gollowitsch aus Leutkirch legte Siegloch nach altem jüdischem Brauch auf dem symbolischen Grabstein mitgebrachte Steine aus der Eschach nieder.

Opfer aus Leutkirch

Wie die Stadtverwaltung Leutkirch mitteilt, wurden Fritz und Lilly Gollowitsch vor 75 Jahren vermutlich im Wald von Bikernieki nahe Riga erschossen. Sie waren am 28. November 1941 mit dem Zug von Leutkirch nach Stuttgart gebracht und dort vom Sammellager Killesberg aus am 1. Dezember 1941 nach Riga in das provisorische Konzentrationslager Jungfernhof deportiert worden.

Ein Großteil der etwa 1000 von Stuttgart aus Deportierten, die nicht schon im Winter an Hunger, Kälte und Krankheiten gestorben waren, wurden im März 1942 erschossen. Keine 50 Menschen überlebten.

Seit 2001 erinnert ein Denkmal

Im Wald von Bikernieki, dem Schauplatz der Massenerschießungen, erinnert seit 2001 ein Denkmal an die Opfer, errichtet vom Riga-Komitee, dem der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie inzwischen mehr als 50 Städte angehören, darunter die Stadt Stuttgart als eines der Gründungsmitglieder.

Bei der Gedenkstunde an der Ruine der Großen Choral Synagoge in Riga erinnerten Holocaust-Überlebende und Vertreter der lettischen Regierung, der Jüdischen Gemeinde und des Riga-Komitees der dort von den Nationalsozialisten ermordeten Juden aus Lettland und Deutschland.

Neben den Fahrten zu zahlreichen Gedenkorten, darunter auch der Bahnhof Skirotava, an dem die Deportationszüge ankamen sowie das ehemalige Lager Jungfernhof, standen für die Teilnehmer der Fahrt auch ein Empfang beim deutschen Botschafter sowie ein Vortrag des 92-jährigen Margers Verstermanis, ein lettischer Holocaust-Überlebender, Historiker und Gründer des Museums „Juden in Lettland“, auf dem Programm. Die Eindrücke der Stadtarchivarin vor Ort waren laut Mitteilung sehr bewegend und zeigten, dass die Gedenk- und Erinnerungsarbeit in einer Zeit, in der es kaum noch Zeitzeugen gibt, umso wichtiger sei.

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